Hitzig wurde das Thema Leihmutterschaft in Deutschland debattiert, nachdem bekannt geworden war, dass der damalige CDU-Fraktionsvorsitzende Jens Spahn und sein Mann über eine Leihmutter Eltern eines Sohnes geworden waren. In den Diskussionen war immer wieder ein Einwand zu lesen: Dass eine Adoption der bessere Weg sei und viele Kinder in Deutschland darauf warteten, adoptiert zu werden. Doch ist das wirklich so? Wie viele Adoptionen gibt es jährlich in Augsburg? Wir haben nachgefragt.

Wie viele Adoptionen gibt es jährlich in Augsburg?

In Augsburg werden nach Angaben des Sozialreferats pro Jahr durchschnittlich rund 13 bis 14 Adoptionen von der Stadt begleitet. Den weit überwiegenden Teil der Adoptionen machen laut Stadt dabei sogenannte Stiefelternadoptionen aus, hier gebe es etwa zehn pro Jahr. Dazu kämen ein bis zwei Auslandsadoptionen und im Schnitt zwei Fremdadoptionen jährlich. „Seit etwa zwei Jahren spielt auch das Thema Leihmutterschaft in der Adoptionsvermittlung eine Rolle. Bislang wurden in diesem Zusammenhang zwei Adoptionen begleitet“, heißt es aus dem Sozialreferat.

Pro Jahr gehen in Augsburg 20 Anfragen für eine Fremdadoption ein

Jährlich gingen etwa 20 Anfragen zu Fremdadoptionen bei der Stadt ein. „Allerdings durchlaufen durchschnittlich nur fünf bis sechs Familien den Bewerbungsprozess vollständig bis zum Ende“, heißt es bei der Stadt. Aktuell befänden sich in Augsburg im Schnitt etwa zehn bis 15 Paare im Bewerbungs- beziehungsweise Vermittlungsprozess für eine Fremdadoption. Bei der Nennung solcher Zahlen sei jedoch Zurückhaltung geboten. Da nur sehr wenige Kinder zur Fremdadoption freigegeben werden, solle nicht der Eindruck entstehen, dass Interessierte lediglich auf ein Kind „warten“ müssten. „Für jede Vermittlung wird sorgfältig geprüft, welche Familie am besten zu den Bedürfnissen des jeweiligen Kindes passt.“

Immer wieder entscheiden sich Eltern, die zunächst eine Adoption angestrebt haben, deshalb auch dafür, stattdessen ein Pflegekind aufzunehmen, für die die Stadt weiter händeringend nach Plätzen sucht. Durchschnittlich seien das drei Paare pro Jahr. „Für viele Interessierte stellt dabei die besondere Situation in der Vollzeitpflege eine Herausforderung dar“, so das Sozialreferat. Es bestehe in der Regel weiterhin ein intensiver Kontakt zu den Herkunftseltern, zudem bleibe die Möglichkeit einer so genannten Rückführung des Kindes bestehen.

In Augsburg vermittelt auch die Katholische Jugendfürsorge Adoptionen

Neben der Stadt Augsburg vermittelt auch die Katholische Jugendfürsorge (KJF) Adoptionen in der Diözese Augsburg. Die Zahl der zur Adoption freigegebenen Kinder variiere auch dort von Jahr zu Jahr, sagt Claudia Reithmeier vom Fachdienst Adoption. „Hin und wieder kann es vorkommen, dass wir ein bis drei Jahre kein Kind vermitteln, dann wieder mehrere in einem Jahr. Im Durchschnitt lässt sich sagen, dass wir in der Diözese Augsburg in den vergangenen Jahren im Durchschnitt ein Kind pro Jahr zu einer geeigneten Adoptivfamilie vermittelt haben.“

Zusammen mit der KJF der Erzdiözese München-Freising und der KJF der Diözese Regensburg bilden man eine Adoptionsvermittlungsstelle mit Zulassung durch die Aufsichtsbehörde Bayerisches Landesjugendamt. „Wir arbeiten selbstständig, aber auch partnerschaftlich mit den Jugendämtern zusammen“, erklärt Reithmeier. „Schwangere Frauen oder Eltern können sich aufgrund des Wunsch- und Wahlrechts unabhängig vom Jugendamt an uns wenden – genauso wie Interessierte, die gerne ein Kind aufnehmen möchten.“ Dabei folge man denselben gesetzlichen Vorschriften wie die Jugendämter. Auch bei der Adoptionsvermittlungsstelle der KJF gibt es deutlich mehr Paare, die auf ein Kind warten als andersherum. „Im Schnitt stehen einem Kind etwa fünf Bewerberpaare gegenüber“, so Reithmeier.