Die Lichtinstallation "Peaceful Colours" von Gregor Eisenmann verwandelt den Hauptbahnhof in einen sakralen Raum. (Foto: Bührke)Die Lichtinstallation „Peaceful Colours“ von Gregor Eisenmann verwandelt den Hauptbahnhof in einen sakralen Raum. (Foto: Bührke)

Münsters Hauptbahnhof wird zur farbenfrohen Kathedrale aus Licht, der renommierte Lichtkünstler Gregor Eisenmann hat die großen Glasfenster zum Berliner Platz mit farbigen Folien bekleben lassen und sorgt auf diese Weise passend zum NRW-Tag am kommenden Wochenende für einen bunten Willkommensgruß für alle, die in den kommenden drei Monaten Münster per Bahn erreichen.

An einem Ort, der für viele Münsteranerinnen und Münsteraner nicht unbedingt als Sinnbild des friedvollen Miteinanders gilt, dem Hauptbahnhof, ein Werk zu realisieren, das den Namen „Peaceful Colours“ (Friedvolle Farben) trägt, könnte zynisch wirken. „Der Bahnhof ist ein Ort der Emotionen, hier sind Hektik und Bewegung, ein ständiges Rauschen. Die Idee hinter ‚Peaceful Colours“ ist die Entschleunigung“, wie Eisenmann während der Eröffnung berichtet. Die bunten Fenster erinnern an eine Kirche oder an ein Museum, an Orte, die von Frieden und Ruhe geprägt sind, „Die Installation erklärt den städtischen Raum zum musealen Raum, der auch ein bisschen eine sakrale Stimmung hat“, berichtet der 42-Jährige, während nebenan eine ältere Reisende ihrem Mann aufgelöst erzählt, dass ihr gerade jemand den Koffer klauen wollte. Es scheint wohl noch etwas zu dauern, bis die sakrale, friedvolle Stimmung alle Menschen im Hauptbahnhof durchdrungen hat.

Wenn Sonnenlicht durch die Fenster fällt, verwandelt sich die Bahnhofshalle in einen bunten Lichtraum. (Foto: Bührke)Wenn Sonnenlicht durch die Fenster fällt, verwandelt sich die Bahnhofshalle in einen bunten Lichtraum. (Foto: Bührke)

„Am Tag gehen rund 70.000 Menschen durch die Halle des Hauptbahnhofs“, wie Michael Jansen, Leiter des Bahnhofsmanagements, sagt. Gregor Eisenmann ist sichtlich beeindruckt, „So viele Menschen haben meine Ausstellungen noch nie besucht“, wie er angesichts der rund zweieinhalb Millionen Menschen, die in der dreimonatigen Ausstellungszeit zu erwarten sind, lachend anmerkt. Die Auswahl der Folien war eine Sisyphusarbeit, wie Eisenmann berichtet. Die Glasscheiben haben eine leichten Grünton, zusammen mit dem Blau des Himmels mussten die Farben geschickt ausgewählt werden, ohne dreckig zu wirken, wie der Künstler sagt. Geprobt hat Eisenmann an einem maßstabsgerechten Modell des Hauptbahnhofs. Nach den drei Monaten werden die Folien wieder entfernt, so gerät das Werk „Peaceful Colours“ nicht in Konflikt mit den Skulptur Projekten 2027. Finanziert wurde die Arbeit von den Gewerbetreibenden des Hauptbahnhofs. 

Gregor Eisenmann
Gregor Eisenmann (l.) und Michael Jansen (r.) mit dem Modell, an dem die Wirkung der Farben getestet wurde. (Foto: Bührke)Gregor Eisenmann (l.) und Michael Jansen (r.) mit dem Modell, an dem die Wirkung der Farben getestet wurde. (Foto: Bührke)

Gregor Eisenmann macht aus Orten, die jeder zu kennen glaubt, vorübergehend etwas völlig anderes. Der 1984 in Alsfeld geborene Künstler, der in Wuppertal lebt und arbeitet, hat sich mit seinen Licht- und Videoinstallationen einen Namen gemacht. Eisenmann studierte Kommunikationsdesign an der Ruhrakademie in Schwerte und arbeitet seit 2009 freischaffend. Seine Spezialität ist das Projection Mapping: Malerei, Video und Sound verschmelzen dabei zu temporären Gesamtkunstwerken. Seine Leinwände sind keine weißen Galeriewände, sondern Opernhäuser, Kirchen, Leuchttürme und vor allem öffentliche Räume. 2020 verwandelte er etwa das Wuppertaler Opernhaus zur Eröffnung des Engelsjahres in eine monumentale Lichtprojektion über Friedrich Engels. Wenig später wurde die Arbeit für den Innenraum des gewaltigen Wuppertaler Gaskessels adaptiert.

Bahnhöfe wie jetzt in Münster gehören zu Eisenmanns bevorzugten Schauplätzen. Schon 2018 löste er die Fassade des Wuppertaler Bahnhofs am Döppersberg in Farben und Bildern auf. 2024 folgten im Auftrag der Deutschen Bahn große Lichtkunstprojekte an den Hauptbahnhöfen von Köln, Düsseldorf und Dortmund; in Hamm wurde das Empfangsgebäude im selben Jahr zur Projektionsfläche für seine Arbeit „#Wegpunkt“.

Dabei versteht Eisenmann Licht nicht als bloße Beleuchtung. Seine Arbeiten sollen den vertrauten Blick auf einen Ort verändern. Was sonst selbstverständlich wirkt – eine Bahnhofshalle, eine Kirchenfassade oder ein Industriebau – gerät für einen Moment aus dem gewohnten Zusammenhang. Genau dieses Prinzip bringt Eisenmann nun erstmals nach Münster: Mit „Peaceful Colours“ wird der Hauptbahnhof zur Projektionsfläche und damit zum Auftakt des NRW-Tags zu einem temporären Kunstraum. 

Michael wurde im niedersächsischen Celle geboren und kam 1990 zum Studieren nach Münster. Er ist Geograf und arbeitet heute in der Unternehmskommunikation. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Umwelt, Gesundheit und Soziales aber auch in den Naturwissenschaften. Michael ist leidenschaftlicher Radfahrer, Wanderer und Amateurfotograf.