Die Parkstadt Solln ist ein gutes Beispiel für die Stadtplanung der 1960er-Jahre – und dafür, wie es heute läuft. Freistehende Wohnhäuser mit mehreren Stockwerken reihen sich aneinander, die Grünflachen dazwischen sind oft mit Tiefgaragen versiegelt. Geschlossene Altbauten mit Innenhöfen, wie zum Beispiel in der Maxvorstadt, gibt es hier nicht. Ein brachliegendes Grundstück in der Parkstadt Solln soll nun nach Jahren des Stillstands bebaut werden, 120 Wohnungen könnten entstehen. Nur: So einfach wie damals ist es nicht mehr.
Der Stadtentwicklungsplan von 1963 sah eine große Karriere für München vor: Die Stadt sollte in den folgenden Jahrzehnten zur Weltstadt heranwachsen. Dazu gehörten Großsiedlungen am Rand des Stadtgebiets, in München sollten mehrere Zentren außerhalb der Altstadt entstehen.
Ab 1965 baute die Deutsche Baugruppe (Deba) des Unternehmers Max W. Schlereth nach den Plänen des Architekten Ernst Maria Lang 2000 Wohnungen für die neue Parkstadt Solln, die ersten Bewohner zogen 1967 ein. Im Sinne der autogerechten Stadt wurde die Drygalski-Allee als breite Fahrbahn angelegt, und im Zentrum der Parkstadt befindet sich schließlich das Deba-Hochhaus. 20 Stockwerke hoch, mit einer gewissen Ähnlichkeit zum Arabella-Hochhaus in Bogenhausen, benannt nach dem Bauträger der Siedlung.
Bewundernswert, sagt Architekt Markus Allmann, „mit welcher Euphorie damals gebaut wurde“. Er sitzt in einem Besprechungsraum des Münchner Büros Allmannwappner und erklärt, dass es heutzutage deutlich komplexer sei, Wohnungen zu bauen. Das Architekturbüro hat einen Entwurf vorgelegt, der auf einem brachliegenden Grundstück in der Parkstadt Solln circa 120 neue Wohnungen vorsieht, gestalterisch sollen die Gebäude sich an den Bauten der 1960er-Jahre orientieren.
Das Grundstück an der Springerstraße 3, direkt neben dem Deba-Haus, ist provisorisch eingezäunt und überwuchert. In einem eingeschossigen Bau war einmal ein Supermarkt untergebracht, der ist seit Jahren geschlossen. Ursprünglich sollte er abgerissen und durch ein Hotel ersetzt werden. Dagegen gab es Klagen aus der Nachbarschaft und auch der örtliche Bezirksausschuss lehnte das Projekt einer Firma der Derag (Nachfolgerin der Deba und mitverantwortlich für den Bau des Olympischen Dorfes) ab. Die Mitglieder des Bezirksausschusses befürchteten zusätzliches Verkehrsaufkommen, sie bevorzugten an der Stelle Wohnungsbau. Das Projekt scheiterte.
Mit Monvest wagt sich nun ein neuer Bauherr an das Grundstück. Für die 120 Wohnungen sind bislang zwei fünfeckige Türme auf einem gemeinsamen Sockel vorgesehen. In dem Gebäude soll wieder Platz für einen Supermarkt sein. Weil der Bebauungsplan von 1967 nur eine Grundfläche von rund 900 Quadratmetern und zwei Stockwerke vorgesehen hat, musste Architekt Markus Allmann mit seinen Ideen im Juli in die Kommission für Stadtgestaltung.
Denn sein Entwurf sah zu diesem Zeitpunkt eine Grundfläche von mehr als 2000 Quadratmetern und 13 Stockwerke – rund 45 Meter Höhe – beim größeren der beiden Türme vor. Die Bebauung würde an diesem Ort also deutlich dichter ausfallen – deswegen wollte das Planungsreferat die Meinung der Fachleute aus der Kommission hören.
Die Kommission bewertet vor allem gestalterische Aspekte und forderte für den Entwurf von Allmannwappner eine stärkere Unterscheidung der Türme: statt zwei ähnlich großer Türme also lieber einen hohen und einen kleinen. Im Sockelgebäude sah die Kommission einen Bruch zur Umgebung, auch wenn es darauf eine öffentliche Fläche geben soll. Abgelehnt hat sie den Entwurf damit aber nicht, das Architekturbüro überarbeitet ihn nun entsprechend (die Simulation zeigt noch die Variante, die der Kommission vorgelegt wurde).
Der Blick von oben auf die Gebäude mit 120 Wohnungen. Im Moment liegt die Fläche brach. ©allmannwappner
Die Mitglieder des Bezirksausschusses freuen sich über den Entwurf, darüber, dass „nach Jahren des Stillstands endlich wieder ein Antrag vorliegt“. Wichtig sei es, wieder einen Lebensmittelmarkt anzusiedeln für die Anwohnerinnen und Anwohner, so heißt es in einer Stellungnahme des Bezirksausschusses. Derzeit gibt es in der Umgebung nur eine Penny-Filiale.
Was der Bezirksausschuss kritisch sieht, ist die Höhe des größeren Turmes, außerdem befürchtet man, der Neubau könnte zu dicht an das Deba-Hochhaus heranrücken. Und das wiederum, so die Sorge, könnte erneut Klagen von Eigentümern aus der Nachbarschaft auslösen. Ein neues Bebauungsplanverfahren, bei dem die Öffentlichkeit eingebunden ist, hätte nach Ansicht des Bezirksausschusses mehr Rechtssicherheit gegeben.
Wann Architekt Markus Allmann den Bauantrag stellen kann, das ist für ihn nicht absehbar. Unklar ist auch, wie viele der 120 Wohnungen gefördert werden können. Und je länger sich ein Projekt ziehe, desto größer werde die Unsicherheit für Investoren, sagt er in seinem Büro. In diesem Fall sei Monvest aber gute Dinge. Und er ohnehin: Als Architekt müsse man immer auf eine positive Zukunft spekulieren. „Wenn ich den Optimismus nicht hätte, könnte ich nicht entwerfen.“
Vielleicht wird also bald wieder gebaut in der Parkstadt Solln. Ob die Wohnungen so schnell fertiggestellt sein werden wie in den 60er-Jahren, die neuen Bewohner so schnell einziehen können, das wird sich herausstellen.