Das sind die wichtigsten Spitzenkandidatinnen und -kandidaten für die Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 20. September:

CDU-Kandidat Stefan Evers – als Notnagel zum Wahlerfolg? PRODUKTION - 19.08.2026, Berlin: Stefan Evers (CDU), Berliner Senator für Finanzen und Spitzenkandidat der CDU für die Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses, steht nach einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa vor dem Newsroom der Nachrichtenagentur. (zu dpa: «Die Spitzenkandidaten bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus») Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Stefan Evers (CDU), Berliner Senator für Finanzen und Spitzenkandidat der CDU für die Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses, setzt eigene Akzente, die polarisieren.

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Stefan Evers (46) hatte wohl nie gedacht, dass er als CDU-Spitzenkandidat in die Wahl ziehen würde. Der Finanzsenator stieg erst Mitte Juli in die Bütt, als der Regierende Bürgermeister Kai Wegner wegen falscher Angaben zu seinem Krisenmanagement beim Stromausfall im Januar seine erneute Kandidatur aufgab.

Als Notnagel will Evers nicht fungieren, setzt sich langsam von Wegner ab und setzt eigene Akzente, die polarisieren. So forderte er, Asylbewerber zu gemeinnütziger Arbeit zu verpflichten, und stellte das kostenlose Schulmittagessen für alle in der 1. bis 6. Klasse infrage. Er wirbt mit dem Spruch „Freiheit statt Islamismus“ und positioniert sich betont als Konservativer.

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Evers wuchs in Paderborn auf und kam als junger Mann nach Berlin-Brandenburg. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Potsdam arbeitete er zunächst für Bundestagsabgeordnete, ehe er sich als Berater selbstständig machte.

Dem Abgeordnetenhaus gehört er seit 2011 an. Als Generalsekretär der Landes-CDU steuerte er maßgeblich Wegners erfolgreichen Wahlkampf 2023. Anschließend wurde er Finanzsenator und trieb milliardenschwere Haushaltseinsparungen voran, die für heftige Proteste sorgten. Evers ist seit mehr als zehn Jahren mit einem Mann verheiratet.

Werner Graf – Grüner Wahl-Kreuzberger mit rollendem R ARCHIV - 03.08.2026, Berlin: Werner Graf, Spitzenkandidat der Berliner Grünen zur Abgeordnetenhauswahl, steht vor der Bundesgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen, an deren Fassade ein Banner mit seinem Porträt und den Schriftzug "Raus aus dem Rückwärts" zu sehen ist. (zu dpa: «Die Spitzenkandidaten bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus») Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Werner Graf, Spitzenkandidat der Berliner Grünen zur Abgeordnetenhauswahl, bezeichnet sich als Kämpfer und Optimist.

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Nach dem Willen der Grünen soll Werner Graf (45) neuer Regierender Bürgermeister werden. Das Arbeiterkind aus Neumarkt in der Oberpfalz führt die Partei zusammen mit der Co-Fraktionsvorsitzenden Bettina Jarasch durch den Wahlkampf – mit rollendem R im feinsten süddeutschen Dialekt. Jarasch war 2021 und 2023 Grünen-Spitzenkandidatin.

Graf hat Politikmanagement in Bremen studiert. Der schwule Grünen-Politiker ist schon lange in der Berliner Landespolitik. Von 2016 bis 2021 war er Vorsitzender der Grünen in Berlin. 2021 zog er in das Abgeordnetenhaus ein, seit März 2022 ist er Co-Vorsitzender der Fraktion.

Berlin-Wahltrend: Mögliche Koalitionen

Politisch denkbare Bündnisse laut aktuellem gewichtetem Umfragedurchschnitt. Das Häkchen markiert eine rechnerische Mehrheit.

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Graf ist im mächtigen Grünen-Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg politisch verortet und gilt als Parteilinker. Bei der Listenaufstellung der Grünen auf einer großen Mitgliederversammlung bekam er viel Zuspruch, auch von Realos.

Graf bezeichnet sich als Kämpfer und Optimist. Er ist mit dem scheidenden Regierungschef Kai Wegner befreundet und gilt als jemand, der jenseits von linken Koalitionsoptionen auch Türen für ein mögliches Bündnis seiner Partei mit der CDU öffnen könnte. Der schwarz-roten Landesregierung wirft er eine Politik der Rückschritte vor, nicht zuletzt in der Verkehrspolitik und beim Klimaschutz.

Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp – vom Flüchtlingskind zur Regierenden Bürgermeisterin? ARCHIV - 02.07.2026, Berlin: Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Partei Die Linke für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, spricht  während einer Demonstration der Initiative Deutsche Wohnen Enteignen protestieren vor dem Willy-Brandt-Haus. (zu dpa: «Die Spitzenkandidaten bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus») Foto: Soeren Stache/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Partei Die Linke für die Berliner Abgeordnetenhauswahl, ist von Haus aus Juristin.

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Elif Eralp könnte die erste Regierende Bürgermeisterin der Linken werden und die erste mit Migrationsgeschichte. Die 45-jährige Spitzenkandidatin wurde in München geboren und wuchs in Dortmund und Hamburg auf. Ihre Eltern waren als Sozialisten und Gewerkschafter aus der Türkei geflohen.

Die Juristin war von 2018 bis 2023 Mitglied im Linke-Landesvorstand. Seit 2021 gehört sie dem Abgeordnetenhaus an und ist dort stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Der Wahltrend für Berlin Trend der Parteien in den letzten drei Monaten, gewichteter Durchschnitt aus Einzelumfragen , letzte Umfrage

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„Das Rote Rathaus muss endlich wirklich rot werden“, fordert sie. „Wenn ein Linker in New York gewinnen kann, dann genauso gut in Berlin“, kommentierte Eralp den Erfolg des linken Demokraten Zohran Mamdani bei der Bürgermeisterwahl in der US‑Metropole. Sie kündigte an, ihre Partei werde im September das beste Ergebnis holen, das sie in Berlin je eingefahren hat.

Im Wahlkampf setzt Eralp auf markige Worte. „Berlin kann zum Zentrum des Widerstands gegen den sozialen Kahlschlag und gegen den Rechtsruck werden“, sagt sie. Oder: „Wir sind bereit, uns mit den Immobilienkonzernen anzulegen.“ Eralp will „jeden verdammten Hebel umlegen“, um Berlin bezahlbar für alle zu machen. Große Wohnungsunternehmen will sie enteignen und einen Mietendeckel für landeseigene Wohnungen. Eralp ist verheiratet und hat zwei Kinder.

SPD-Reimport Steffen Krach auf schwieriger Mission ARCHIV - 29.07.2026, Berlin: Steffen Krach (SPD), Spitzenkandidat und Landesvorsitzender, nimmt an der Vorstellung der SPD-Kampagne zur Abgeordnetenhauswahl im Astra Kulturhaus vor Wahlplakaten teil. Krach will mit Kontrollen und hohem Bußgeld gegen Mietwucher vorgehen. (zu dpa: «Die Spitzenkandidaten bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus») Foto: Fabian Sommer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Steffen Krach (SPD), Spitzenkandidat und Landesvorsitzender, gilt in Berlin als frisches Gesicht.

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Für SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (47) hätte dieses Jahr auch anders laufen können. Der 2021 direkt gewählte Regionspräsident der Region Hannover hatte in seiner Geburtsstadt gute Chancen auf eine Wiederwahl. Doch Krach folgte im vorigen Sommer dem Ruf nach Berlin, um die SPD an der Macht zu halten und selbst ins Rote Rathaus einzuziehen.

Seither tourt er durch die Stadt, um bekannter zu werden, präsentiert sich als Kandidat der Vernunft, wettert gegen den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und gegen den neuen CDU-Spitzenmann Stefan Evers. Ein Spagat, schließlich regieren beide Parteien seit 2023 zusammen.

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Inzwischen hat Krach gemeinsam mit der Abgeordneten Bettina König auch den SPD-Vorsitz übernommen. Er kann in der von Flügeln geprägten Partei auf breite Unterstützung zählen – obwohl die SPD in Umfragen schlecht dasteht. Ob das nach einer möglichen Wahlniederlage so bleibt, ist offen.

Krach gilt in Berlin als frisches Gesicht, allerdings kennt er den hiesigen Politikbetrieb schon länger. Von 2014 bis 2021 war er Staatssekretär für Wissenschaft in der Stadt, in die er 2002 zum Studium kam. Anschließend arbeitete der Diplom-Politologe in der Verwaltung und in der SPD‑Bundestagsfraktion. Krach ist seit 1998 SPD-Mitglied, verheiratet und hat drei Kinder.

AfD-Chefin Brinker hofft auf großen Wurf 20.08.2026, Berlin: Kristin Brinker, AfD-Spitzenkandidatin für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2026, spricht während einer Pressekonferenz der Alternative für Deutschland mit dem Thema «Sieben-Punkte-Programm für bessere Schulen in Berlin». Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Kristin Brinker, AfD-Spitzenkandidatin für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2026, gilt als starke Frau in der von Männern dominierten Partei.

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Die Berliner AfD setzt wie schon 2021/2023 auf Kristin Brinker (54) als Spitzenkandidatin. Sie gilt als starke Frau in der von Männern dominierten Partei und beweist schon länger als Partei- und Fraktionsvorsitzende Führungsqualitäten. Brinker, die 2023 für die AfD nur neun Prozent einfuhr, geht mit neuem Selbstbewusstsein in die Wahl und gibt das Ziel aus, stärkste Partei zu werden. Im Wahlkampf setzt sie – wie auch bei ihren Reden im Abgeordnetenhaus – auf einen Mix aus sachlichen Argumenten und derber Sprache.

Brinker wurde 1972 in Bernburg (Sachsen-Anhalt) geboren, wuchs in der DDR auf und kam nach der Wende nach Berlin. Sie studierte von 1994 bis 1999 Architektur an der Technischen Universität, wo sie auch promovierte. Sie arbeitete als Selbstständige im Immobilienbereich, ehe sie in die Politik ging.

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Brinker ist seit 2013 AfD-Mitglied und gehört dem Abgeordnetenhaus seit 2016 an. Sie wurde lange Zeit eher dem liberal-konservativen Lager in der AfD zugerechnet, hat aber weder Berührungsängste zu stramm rechten Parteifreunden noch zu radikaler Programmatik. Sie fordert ein „Programm zur Remigration“ und die Vergabe neuer Wohnungen nur an langjährige Berliner. „Wohnungen sind keine Asylheime, und sie sind auch nicht für Asylanten da.“ Brinker ist verheiratet. (dpa)