Reuls Antwort liegt unserer Redaktion nun vor. Der CDU-Politiker schreibt darin, dass er sich bei seinen Äußerungen nicht auf einen schriftlich festgelegten Begriff bezogen habe. „Ein solcher existiert sicherheitsbehördlich nicht“, stellte er klar. Vielmehr habe er zum Ausdruck gebracht, dass ihm – damals wie heute – kein islamistischer Personenzusammenschluss in NRW bekannt sei, mit dem der Attentäter Issa al H. die Tat geplant, vorbereitet oder durchgeführt habe. „Dies ist im Übrigen nicht nur das Ergebnis intensiver und umfangreicher Ermittlungen, sondern letztlich auch des vom Oberlandesgericht Düsseldorf verhängten und vom Bundesgerichtshof bestätigten Urteils zu den Taten von Issa al H.“

SPD-Fraktionsvize Lisa Kapteinat kritisierte, dass Reul auf die entscheidende Nachfrage, was für ihn überhaupt ein solches Netzwerk sei, keine konkrete Antwort geben könne. „Stattdessen laviert er um die Frage herum, was einmal mehr den Eindruck nährt: Ihm scheint sehr wohl bewusst zu sein, dass Issa al H. nicht der einsame Wolf gewesen sein könnte, als den er ihn die ganze Zeit versucht darzustellen.“

„Vermehrte Hinweise auf Mitgliedschaft in Netzwerk“

Für Kapteinat würde ein solches Eingeständnis seitens des Landes bedeuten, dass Reul und seine Sicherheitsbehörden eine eklatante Fehleinschätzung des Attentäters hatten. Reuls Argument, dass die Ermittler und Richter seine These teilen, ficht die Sozialdemokratin nicht an: „Er war im Sinne des Gerichtsurteils zwar ein Einzeltäter. Das bedeutet aber eben nicht, dass seine Vortat-Radikalisierung nicht doch innerhalb eines islamistischen Netzwerks erfolgt sein könnte. Dafür gibt es jedenfalls inzwischen vermehrte Hinweise. Und in diesem Zusammenhang stellt sich nun einmal immer wieder die Frage: Warum ist das niemandem aufgefallen?“

Wer wissen wolle, wie es zu dem Anschlag kommen konnte, müsse auch fragen, wie sich der Täter radikalisiert habe, welche Kontakte er hatte und ob es ein Umfeld gab, das seine Radikalisierung begünstigt habe. „Der Eindruck drängt sich deshalb auf: Minister Reul will diese Fragen nicht beantworten – oder von ihnen ablenken. Beides wäre angesichts der politischen Verantwortung, die er trägt, höchst problematisch“, so Kapteinat.