Für den geplanten U-Bahn-Betriebshof in Neuperlach Süd, den die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) nach eigenen Angaben „dringend“ benötigt, sind umfangreiche Umplanungen nötig. Dies geht aus einer Machbarkeitsstudie hervor, die die MVG jetzt veröffentlicht hat. Demnach soll das Projekt deshalb erst Mitte der 2030er-Jahre fertig sein und nicht, wie ursprünglich vorgesehen, Ende der 2020er. Die Studie untersucht, wie sich der Betriebshof am selben Standort mit einer Vorhaltemaßnahme für eine Verlängerung der U5 in den Landkreis und einem zweigleisigen Ausbau der S-Bahn realisieren ließe.
Die neuen Planungen werden nach Einschätzung der MVG etwa zwei Jahre dauern. Für das darauf folgende Planfeststellungsverfahren, das zur Baugenehmigung führt, sei mit circa anderthalb Jahren zu rechnen. Das Vorhaltebauwerk für die U-Bahn und die Trasse der S-Bahn müssen, vom Bahnhof Neuperlach Süd kommend, den geplanten U-Bahnbetriebshof queren. Das, so die Studie, sei technisch machbar.
Was sich nun ändern soll: Die ursprüngliche Verkehrsplanung sah vor, das bisher vorhandene Straßennetz stark auszubauen. So sollte die Arnold-Sommerfeld-Straße unter dem Betriebshof und der bestehenden S-Bahn-Trasse geführt werden. Die Rotkäppchenstraße sollte in ihrem bisherigen Verlauf verlängert und an die Unterführung der Arnold-Sommerfeld-Straße angeschlossen werden. Aber laut der in der Studie untersuchten Vorzugsvariante kollidieren die beiden Tunnelbauwerke der S- und U-Bahn von der Höhenlage her mit dem Unterführungsbauwerk. Zudem nimmt die Trasse des neuen S-Bahn-Gleises die ursprünglich geplante Trasse der Rotkäppchenstraße ein, da die Bahntrasse nach der Querung des Betriebshofs wieder oberirdisch geführt und in Richtung des bestehenden Gleises verschwenkt werden soll.
Auch die spätere Startbaugrube für den Tunnelvortrieb der U-Bahn stehe dieser Verkehrsführung im Weg, teilt die MVG mit. Die Verkehrsplanung müsse deshalb „neu gedacht“ werden. Neben den bereits genannten Vorhaben gebe es weitere Projekte im Umgriff, die nicht Gegenstand der Untersuchung waren. Um alle Projekte – inklusive der zu aktualisierenden Verkehrsplanung – in Einklang zu bringen, sei eine Aktualisierung der Rahmenplanung vorgesehen.
Bauarbeiten in Laim
:In diesem Stadtteil herrscht fast überall orchestriertes Chaos
Im Münchner Westen ächzen die Bewohner schon lange wegen des Lärms, Drecks und Verkehrs der vielen Baustellen. Nun wird der Laimer Bahnhof umgebaut – und das ist nur der Anfang einer mehrjährigen Belastungsprobe.
Um die Trassierung der beiden Linien und deren Rampenbauwerke im Engstellenbereich nach dem Bahnhof zu ermöglichen, müssen Gebäude des U-Bahnbetriebshofs an anderer Stelle gebaut werden, als zunächst geplant. Konkret betroffen sind die Infrastrukturhalle, die insbesondere als Lager und Werkstatt für die Netzinstandhaltung dient, sowie die zugehörige Fahrzeughalle für Baufahrzeuge der Netzinstandhaltung.
Der Flächenbedarf für den U-Bahnbetriebshof verändere sich dadurch nicht wesentlich, da Gebäude nur verschoben werden, um den Trassen der U- und S-Bahn zu weichen, so die MVG. Zudem sei zu erwarten, dass sich der Flächenbedarf für den verkehrlichen Ausbau verringert, da Rampenbauwerke für eine Unterführung des Betriebshofs entfallen.
Eine Zeichnung aus dem Jahr 2021 zeigt, wie der neue Betriebshof ursprünglich aussehen sollte. SWM/MVG
Ausweiten ließe sich der Betriebshof auf den angrenzenden Siemens-Parkplatz Süd, dessen Fläche einem Investor gehört, der dort ein Parkhaus errichten will. Mit diesem Investor, sei man in Kontakt, teilt die MVG mit. Er habe den Verkauf der Flächen des Parkplatzes Süd bereits in Aussicht gestellt. Zudem habe er für den Fall einer perspektivischen Entwicklung des Siemens-Areals die Freihaltung der Flächen für den ÖPNV-Ausbau zugesagt.
Allein für die Vorhaltemaßnahmen für U- und S-Bahn fallen laut Studie Kosten von 28,6 Millionen an, Stand 2024. Eine seriöse Gesamtsumme einschließlich des Betriebshofs, Straßen, S-Bahn-Ausbau und U5-Verlängerung liegt noch nicht vor.
Eine Bürgerinitiative hat auf die Veröffentlichung der Studie gedrängt
Die örtliche Bürgerinitiative (BI) U-Bahn Betriebshof Süd hatte auf eine Veröffentlichung der Studie gedrängt. Während nach Aussagen der MVG Neuperlach Süd als einziger Standort für den Betriebshof infrage kommt, ist für die BI das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die BI, die Bedenken wegen starker Lärm- und Verkehrsbelastung anmeldet, fordert eine neue, unabhängige Bewertung des Standorts, unter frühzeitiger Einbindung aller relevanten Betroffenen, also unter anderem Anwohner und BI, Naturschutzverbände oder Umlandgemeinden. Laut BI-Sprecher Weyhardt Bruns sei auch denkbar, eine funktionale Aufteilung zu prüfen. So könnte etwa in Neuperlach Süd ein reiner Infrastrukturstützpunkt verbleiben, die Wartung, Abstellung und das Bremsprüfgleis könnten an das U5-Streckenende nach Taufkirchen/Ottobrunn verlagert werden.
Das wäre der MVG aber zu spät. Ein Betriebshof außerhalb der Stadt, also im Landkreisgebiet Richtung Ottobrunn, wäre erst nach einer Verlängerung der U5 realisierbar, diese käme jedoch frühestens in den 2040er-Jahren.
Die Planungen für einen neuen U-Bahn-Betriebshof laufen schon seit 2010, 2016 hat der Stadtrat den Standort in Neuperlach genehmigt. Zuvor hatte eine Studie ergeben, dass der damals ebenso geprüfte Standort Riem aus betrieblichen, wirtschaftlichen und ökologischen Gründen nicht infrage komme, ebenso wie andere Standorte im Stadtgebiet. Die einzig sinnvolle Standortoption sei deshalb Neuperlach Süd.
