„Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“ – dieser bekannte Spruch kam jenen in den Sinn, die über die Benrather Bierbörse flanierten. Allenthalben hört man von Absatzkrise der Brauereien, rückläufigem Bierkonsum, ja Brauereisterben. Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes wurden in Deutschland zuletzt rund 7,8 Milliarden Liter Bier, also circa 88 Liter pro Kopf und Jahr getrunken. 1995 lag der Pro-Kopf-Verbrauch noch bei 136 Litern. Doch in Benrath müssen diese Zahlen wohl der Vergangenheit angehören, zu gut besucht war die 33. Bierbörse.

An keinem der rund 50 Ausschankstände, die meistens verschiedene Sorten der Gersten- oder Weizenkaltschalen vertrieben, blieben die Zapfhähne trocken. Die durstigen Liebhaber der nationalen und internationalen Brauereiprodukte mussten so nicht lange auf den jeweiligen Probeschluck warten. „Die Absatzkrise betrifft meistens die großen, industriell gefertigten Biere, die auf Massentauglichkeit ausgelegt sind“, vermutet Bierbörsen-Veranstalter Werner Nolden. „Die meisten Biere, die wir in Benrath anbieten, gehören nicht zu dieser Kategorie, sondern sind eher in ihren Regionen bekannt.“

Für Nolden ist es unabdingbar, dass bei seinen Veranstaltungen nicht nur deutsche Biere zu finden sind. „Die Exoten sind doch das Salz in der Suppe. Unbekannte Biere aus Brasilien, Estland, Spanien, aus Tschechien oder Polen machen doch neugierig“, so Nolden. Er trifft damit genau die Motivation so einiger Bierbörsen-Gänger. „Wir sind doch nicht hier, um Altbier zu trinken, das bekommen wir jeden Tag an jeder Ecke“, erklärt Sven Horn. „Für die ehemalige Schlossgräfin Janine muss es jedenfalls immer ein Kirschbier sein.“ Sven Horn und seine Gattin Janine waren in der Karnevalssession 2025/26 das Schlossgrafenpaar der Benrather Schlossnarren.

Die beiden sind nicht zum ersten Mal auf der Bierbörse und wissen ganz genau was sie tun. „Wir schlendern über die Börse und suchen uns drei, vier Biere aus, von denen wir genau wissen, dass wir sie noch nicht probiert haben“, sagt Horn. „Weil wir neugierig auf die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen sind, gehen wir auch gerne zweimal zur Bierbörse.“ Doch so ganz treu blieb das Ex-Schlossnarrenpaar ihrer selbst gewählten Börsen-Marschrichtung nicht, denn irgendwann stand ein Glas Altbier auf dem Tisch. „Freunde hatten uns das Bier der Brauerei ‚Im Dom‘ empfohlen, da wussten wir nicht dass es sich um eine Altbierbrauerei aus Neuss handelt“, gesteht Horn. „Das Bier ist leicht malzig und herb zugleich, es ist lecker.“

Für einen eher exotischen Touch auf der Bierbörse ist Thomas Prochotta verantwortlich. Der Mann aus Dresden war in Benrath mit dem Prager Bier Staropramen und dem estnischen Produkt Saku vertreten. Das Prager untergärige Gerstengetränk holt Prochotta höchstpersönlich mit einem Lkw ab und kutschiert es anschließend nach NRW. Das Bier aus Estland wird per Spedition geliefert. „Den Staropramen-Stand gibt es nur bei der Bierbörse in Benrath, weil er ganz genau in die Einfahrt der Kirche passt“, erklärt Prochotta. „Bei den anderen Bierbörsen in Westdeutschland bin ich mit litauischen und estnischen Bieren vertreten.“ Mit dem Absatz ist der Dresdner zufrieden. „Es läuft gut“, urteilt er. Während seine Kunden, die in Benrath ja nicht nur aus Benrath, sondern auch aus vielen umliegenden Stadtteilen und Düsseldorf-nahen Kommunen kommen, das goldgelbe tschechische Getränk genießen, weiß der Bierverkäufer nicht, wie es schmeckt. „Ich bin kein Biertrinker. Mein Lieblingsgetränk ist Kakaomilch“, gesteht Prochotta. „Aber in Benrath macht es richtig Spaß, zu sehen, wie es den Leuten schmeckt.“

Prochotta ist auf Bierspezialitäten aus dem europäischen Osten spezialisiert. Er musste sich aber vor ein paar Jahren neu orientieren. „Ich hatte auch russische Biere im Portfolio, aber das hatte sich für mich ja sofort mit dem Krieg in der Ukraine erledigt“, so der Dresdner.

Er gehört sozusagen zum Inventar der Benrather Bierbörse, ist er doch bereits seit mehr als 20 Jahren immer mit von der Partie. Das Bayreuther Brauhaus hingegen ist genau wie das Hamburger Astra, Hacker Pschorr aus München oder der Hohenthanner Schlossbrauerei aus der Nähe von Landshut neu dabei. „Das Bayreuther Brauhaus habe ich während eines Urlaubs entdeckt und sofort gedacht, das wäre was für Benrath“, sagt Nolden. Gedacht, getan. Da werden die Benrather Bierbörsen-Fans Nolden noch viele schöne Urlaubsreisen gönnen.