Mehr als 50 Prozent der Wuppertalerinnen und Wuppertaler engagieren sich ehrenamtlich. Die Möglichkeiten, sich freiwillig einzubringen, sind vielfältig. Für alle dürfte etwas dabei sein, das den eigenen Fähigkeiten und Werten entspricht und vor allen Dingen: das zeitlich machbar ist. Denn die, die sich entgeltfrei einbringen, zahlen mit einem kostbaren Gut, bekommen dafür aber mindestens ebenso wertvolle Erfahrungen zurück.

Am Samstag wurde deshalb auf dem Außengelände von Utopiastadt der Ehrenamtstag gefeiert – mit vielen Ständen von lokalen Initiativen und Führungen durch Utopia-Stadt. Ab 14 Uhr geht es los und schon im Vorfeld arbeiten mehrere Ehrenamtliche daran, das Fest auf die Beine zu stellen: Die Bühne mit Lautsprechern und Mikrofonen muss aufgebaut werden, die einzelnen Stände ebenfalls. Die Helfenden lassen sich dabei auch von den immer wieder auftretenden Regenschauern nicht aufhalten und pünktlich zu den Redebeiträgen kommt dann tatsächlich auch die Sonne raus – der restliche Nachmittag bleibt weitgehend trocken.

„Alles, was uns hier gerade umgibt, wäre ohne die Hilfe der Ehrenamtlichen nicht möglich“, erklärt Moderator David J. Becher und scherzt, dass für so ein Fest eigentlich gar keine Zeit da sei. Tatsächlich findet – wie jeden Samstag – parallel dazu das Workout statt: Freiwillig Helfende bauen hier zusammen an Utopiastadt und allem, was dazugehört. „Container, Speditionshalle, Zirkuszelt, Gepäckabfertigung und natürlich die Sanierung des Bahnhofs – mittlerweile ist das eine zehn Millionen Euro schwere Aufgabe, der wir uns jedes Wochenende im Ehrenamt widmen“, sagt Becher. „Ehrenamt hat viele Gesichter: sich in der direkten Nachbarschaft zu engagieren, eine Baumscheibe zu bepflanzen oder sich um ein 40 000 Quadratmeter großes Gelände zu kümmern.“ Alle eine aber, dass sie dem Gemeinwohl zugutekommen, wie Becher weiter ausführt.

Das geht nicht ohne finanzielle Unterstützung. Viel Geld ist in den vergangenen Jahren von der NRW-Stiftung nach Wuppertal – unter anderem an Utopiastadt – geflossen. Diese Stiftung und vor allem ihr 40-jähriges Bestehen ist auch der Grund für das Fest. „Wir sind für den Sprint da und können schnell finanzielle Unterstützung bieten“, sagt Stefan Ast, Geschäftsführer der NRW-Stiftung, „aber wir können eben auch Marathon. Utopiastadt begleiten wir seit gut zehn Jahren.“ Es sei schön, den Fortschritt zu sehen, auch wenn es in den vergangenen Jahren immer mal wieder Rückschläge gegeben habe, die Pandemie, erhöhte Baukosten und einiges mehr. „Wir bleiben trotzdem mit viel Vertrauen an eurer Seite, weil hier etwas wirklich Tolles geschaffen wird“, so Ast. „Das Ziel ist das, was uns überzeugt und wir freuen uns darauf.“

Eine Stadt ohne Ehrenamt
wäre kaum denkbar

Auch Bürgermeisterin Dagmar Liste (Grüne) und Rüdiger Bleck, Leiter der Stadtentwicklung, weisen dem freiwilligen Engagement einen hohen Stellenwert und viel Wertschätzung zu: „Das Ehrenamt ist DNA dieser Stadt“, so Bleck – trotz aller unterschiedlichen Herangehensweise von Ehrenamt und Stadtverwaltung. „Die Impulse, die Initiativen setzen, können festgefahrene Bahnen durchaus mal so richtig wachrütteln“, sagt Dagmar Liste. „Die Stadt würde ohne Ehrenamt nicht funktionieren.“

Vor Ort können sich Interessierte dann auch direkt bei verschiedenen Projekten und Initiativen informieren – und ganz nebenbei auch noch Supagolf spielen. Die Mischung aus Veranstaltungen dürfte die Vielfalt an Menschen, die vorbeigekommen sind, deutlich beeinflusst haben, der Duft nach frischen Waffeln hat sein Übriges dazu beigetragen. Die Tafel war vor Ort, Utopiastadt Garten, Mampferando, Mirker Schrauba, die NRW-Stiftung, Tacheles, Im Quadrat, Kabäusken, Seebrücke Wuppertal, Die Linke hilft, Aufbruch am Arrenberg, Insel e.V. sowie die Bergischen Museumsbahnen. Viele, die hier aktiv sind, bringen sich nicht nur bei einem Projekt ein. Im Gespräch macht sich schnell bemerkbar: Sie alle eint, dass sie einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft ausüben möchten, etwas zurückgeben und an Herausforderungen wachsen wollen. „Und es gibt einfach ein gutes Gefühl, wenn man hinterher sagen kann: Da habe ich mitgeholfen“, wie Thomas Schmitt, einer der Ehrenamtlichen, erklärt.