Blau wie der Himmel und Gelb wie die weiten Kornfelder der Ukraine – die Farben der ukrainischen Fahne sind leicht zu merken. Am Sonntag wehten sie am Vortag des 35. ukrainischen Unabhängigkeitstages und anlässlich des Tages der Staatsflagge wieder auf dem Rathausplatz. Rund 220 Menschen waren gekommen, um gegen den russischen Angriffskrieg auf das Land zu protestieren und auch um Deutschland für seine Unterstützung zu danken. Die Farben Blau und Gelb waren dabei Thema in fast allen Ansprachen.

Die Farben waren allgegenwärtig. Nicht nur auf Fahnen und Wimpeln waren sie zu sehen, Frauen trugen sie als Armbänder oder Schleifen im Haar. Männer hatten sie sich als Abzeichen auf ihre Taschen oder Kleidungsstücke befestigt. „Für Geflüchtete sind die Farben ein Stück Heimat“, sagte der Augsburger Generalkonsul der Ukraine, Philipp Blobel.

„Heute kennt jedes Kind die ukrainische Fahne“

„Jedes Kind kennt heute die ukrainische Flagge“, sagt Philipp Blobel, Honorarkonsul der Ukraine.

Icon vergrößern

„Jedes Kind kennt heute die ukrainische Flagge“, sagt Philipp Blobel, Honorarkonsul der Ukraine.
Foto: Klaus Rainer Krieger

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

„Jedes Kind kennt heute die ukrainische Flagge“, sagt Philipp Blobel, Honorarkonsul der Ukraine.
Foto: Klaus Rainer Krieger

„Früher kannte jedes Kind die US-Flagge – heute ist es die ukrainische Fahne“, so Blobel weiter. Für die Menschen in der Ukraine habe sie noch eine ganz besondere Bedeutung. „Wenn die blau-gelbe Fahne in einem von den Russen befreiten Gebiet gehisst wird, wissen die Bewohner, dass wieder Demokratie und Recht und Ordnung in ihre Ortschaft eingekehrt sind“, sagt der Konsul. Befreiten Kriegsgefangenen werde sie umgelegt, damit sie wüssten „Du bist jetzt in Sicherheit, die Folter hat ein Ende!“. „Ich kenne kein Symbol, das so sehr für das Streben nach Europa und den Wunsch nach Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung steht, wie die ukrainische Flagge“, so der Honorarkonsul.

Augsburgs Oberbürgermeister Florian Freund, der den Demonstrationszug begleitete, sagte auf der anschließenden Kundgebung, die Blau-Gelbe Flagge stehe für Freiheit und Selbstbestimmung. Er erinnerte daran, dass die ukrainische Flagge vor 35 Jahren erstmals ins ukrainische Parlament getragen worden sei. Ein Jahr später, am 24. August 1991, erklärte die Ukraine ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion und wurde zu einem souveränen Staat. Die Flagge verbindet Freund damit unmittelbar mit der staatlichen Unabhängigkeit der Ukraine und ihrem Anspruch, selbst über ihre Zukunft zu bestimmen.

Flagge als Symbol der Unabhängigkeit der Ukraine

Durch den russischen Angriffskrieg habe die Flagge jedoch eine zusätzliche Bedeutung bekommen, so der Oberbürgermeister. Flaggentag und Unabhängigkeitstag stünden heute auch für den „ungebrochenen Willen“, den Stolz und die Durchhaltekraft der Ukrainer, ihre Freiheit zu verteidigen. Die Flagge wird in Freunds Rede damit vom Symbol der 1991 errungenen Unabhängigkeit zugleich zum Symbol ihres heutigen Kampfes um den Erhalt dieser Unabhängigkeit. Sie erinnere daran, dass dieser Kampf noch nicht beendet sei.

Die Vorsitzende des ukrainischen Vereins, Kateryna Matey-Babenko erlebte einen schweren russischen Raketenangriff auf Kiew hautnah mit.

Icon vergrößern

Die Vorsitzende des ukrainischen Vereins, Kateryna Matey-Babenko erlebte einen schweren russischen Raketenangriff auf Kiew hautnah mit.
Foto: Klaus Rainer Krieger

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Die Vorsitzende des ukrainischen Vereins, Kateryna Matey-Babenko erlebte einen schweren russischen Raketenangriff auf Kiew hautnah mit.
Foto: Klaus Rainer Krieger

Die ukrainischen Farben waren nicht das einzige Thema der Kundgebung. Die frisch aus Kiew zurückgekehrte Vorsitzende des Ukrainischen Vereins Augsburg, Kateryna Matey-Babenko berichtete, wie sie einen schweren russischen Raketenangriff auf die ukrainische Zivilbevölkerung miterlebte, der Wohngebäude traf und zahlreichen Menschen das Leben kostete.

„Innerhalb von 35 Minuten sind 40 Raketen auf die Stadt niedergeprasselt“, erzählt sie. „Ich war im 19. Stock. Uns blieb nicht mal Zeit, um zu reagieren oder in den Luftschutzkeller zu gehen, denn die Zirkon-Raketen, die ballistischen Raketen, brauchen nur wenige Minuten, bis sie die Hauptstadt erreichen“ so die Ukrainerin. „Ich hatte noch an keinem Tag solch eine Angst wie in dieser Nacht in Kyiv“, berichtete sie.