Das Highlight aus Duisburger Sicht bei der 1:3-Pokalniederlage gegen die SV Elversberg begann mit einem Einwurf. Von Elversberg. Der landete jedoch umgehend bei MSV-Stürmer Lex-Tyger Lobinger. Und das weit in der Duisburger Hälfte. Gut 65 Meter entfernt vom Tor der Gäste. Und doch zappelte der Ball gut zehn Sekunden später genau dort. Zum zwischenzeitlichen 1:1. Ein Tor für den Jahresrückblick. Ein Tor für „immer mal wieder bei Youtube gucken als MSV-Fan“.
„Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es entstanden ist. Ich erinnere mich, dass ich den Ball bekommen habe und dann ging es Vollgas vors Tor“, sagte Lobinger nach der Partie zu seinem Sololauf. Wohl die wenigsten hatten gedacht, dass die Aktion in einem Tor münden könnte. Zu viele Elversberger Hunde schienen auf dem Weg noch des Duisburger Hasen Tod zu sein können. Und Lobinger ist ja nicht als Top-Sprinter bekannt, seine Fähigkeiten liegen eher woanders.
„Das ist instinktiv, da muss man nicht viel nachdenken“
Doch der 27-Jährige gab Gas, ließ einen Verteidiger in Rot mit einem Haken ins Leere laufen und befand sich eine Turbo-Zündung später tatsächlich in einer Position, aus der er den Ball mit einer Überzeugung ins Tor drosch, die das Stadion zum Beben brachte. „Das ist instinktiv, da muss man nicht viel nachdenken“, sagte Lobinger später. „Mich hätte es mehr gefreut, wenn wir uns auch noch belohnt hätten.“
Nachdenken – das dürfte aber im Nachgang so mancher MSV-Fans getan haben. Wann man so einen Sololauf schon mal gesehen hatte. Nicht in Duisburg. Im Fußball insgesamt. Und wer nachdachte, musste irgendwann bei der Mutter aller Sololäufe landen: Diego Maradonas Tor 1986 bei der WM gegen England. Auch die Legende bekam den Ball damals in der eigenen Hälfte, allerdings gut fünf Meter näher zur Mittellinie als Lobinger am Samstag. Dafür hatte Maradona danach auch deutlich mehr Engländer zu umkurven als Lobinger Saarländer. Und Maradona hatte in dem Spiel zuvor bereits das legendäre Tor mit der „Hand Gottes“ erzielt.
Dass sich Maradona und Lobinger mal über eines ihrer Tore kurz in der Fußballwelt begegnen würden, schien vor Samstag utopisch. Verrückt. Irrational. Seit Samstag ist es immerhin mit einem leichten Augenzwinkern erlaubt. Weil der Fußball eben solche Geschichten schreibt, schreiben will. Und weil die Fans solche Geschichten lieben.
„Da bleibt keine Zeit zum Trübsal blasen“
Für Maradona endete die WM 1986 mit dem Finalsieg gegen Deutschland. Für Lobinger endete das Spiel am Samstag mit dem Ausscheiden aus dem Pokal. Doch von Tristesse wollte der Angreifer nichts wissen. „Wir können heute traurig sein, aber morgen geht der Fokus auf den Niederrheinpokal. Wir haben eine wichtige Zeit, und da bleibt keine Zeit zum Trübsal blasen“, sagte er.
Überhaupt überwog für den Winterzugang des MSV absolut das Positive des eigenen Auftritts. „Man hat nicht gemerkt, dass es hier zwei Ligen dazwischen sind. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, dass in alle Richtungen hätte kippen können. Gegen einen Erstligisten wie Elversberg musst du solche Chancen sofort nutzen. Man ist auch neben dem Platz Feuer und Flamme und versucht die Mannschaft zu pushen und heiß zu machen. Das haben wir alle extrem gut gemacht, wir wurden nur leider nicht belohnt. Man kann trotzdem vieles Positives aus dem Spiel mitnehmen.“
Er selbst ganz besonders. So oft trifft er ja nicht wie Maradona.