
AUDIO: Neuer Roman von Cécil Ludwig Röski: Wenn der trans König pumpen geht (4 Min)
Cécil Ludwig Röski
Stand: 24.08.2026 03:00 Uhr
In seinem neuen Roman „Trizeps Royal“ erzählt Cécil Ludwig Röski von einem Transmann, der zufällig auch König von Sachsen ist. Es geht um Liebe, Intrigen und die Frage nach Männlichkeit. Röski hat in Leipzig am Deutschen Literaturinstitut studiert. In seinem Debüt „Poussi“ hat er für Sexarbeit eine literarische Sprache gefunden. Zuletzt hat der Autor für die ARD-Serie „Haus Kummerveldt“ geschrieben, die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden ist.
- Im Zentrum von „Trizeps Royal“ steht Dedo II., trans Mann und König von Sachsen.
- Mit Liebeskummer und Machtkämpfen wirkt das Buch wie eine Telenovela – aber es funktioniert.
- Der Roman umkreist Männlichkeit, ist unterhaltsam, hätte aber noch mehr Seiten gebraucht.
Dedo ist gerade einigermaßen frisch von seinem Freund Marfa sitzengelassen worden und verbringt die meiste Zeit deprimiert im Bett. Das wäre auch nicht weiter schlimm, wäre Dedo nicht Dedo II., König von Sachsen.

Der Roman „Trizeps Royal“ spielt mit den Klischees von Adels-Dramen.
Irgendwann beschließt er, dass man dem Ex nicht ewig hinterher trauern kann. Es muss sich etwas ändern: „Letzte Nacht, als ich wieder meine Nase ins Kopfkissen bis zur Matratze drückte, um noch die letzte Duftnote meines Liebhabers aus dem Stoff zu pressen, und feststellen musste, dass es ausgerochen war, festigte sich der Gedanke, meinen Liebeskummer in Muskelmasse umzuwandeln.“
Sachsens König im Gym
Also lässt sich Dedo in der Orangerie seines Schlosses ein Gym einrichten – mit Hantelbank und allem was dazugehört. Allerdings: Erfolge lassen auf sich warten, und der Druck von außen nimmt stetig zu. Dedo soll sich dem Volk zeigen, Theaterpreise vergeben, Hengste auszeichnen und Reden halten.
Die Klatschpresse ist ihm immer auf den Fersen und seine schrecklichen Verwandten ebenfalls. Denen passt es gar nicht, dass mit Dedo ein König auf dem Thron sitzt, der ein Transmann ist. Ein öffentlicher Zitteranfall und eine Intrige sorgen schließlich dafür, dass Dedo in eine Klinik eingewiesen wird.
Literatur wie eine gute Telenovela
„Trizeps Royal“ wirkt an der Oberfläche wie eine trashige Adels-Telenovela aus dem Nachmittagsprogramm: Ein hadernder Monarch, Herzschmerz und Intrigen, beeindruckende Schauplätze – beim Lesen sind die Bildwelten von „Rote Rosen“ oder „Sturm der Liebe“ nicht weit. Das ist mit viel Liebe zum Detail und zeitweise auch sehr lustig erzählt. Cécil Ludwig Röskis Kunst ist es dabei aber vor allem, diese Welt wirklich ernst zu nehmen.

„Trizes Royal“ ist der zweite Roman von Cécil Ludwig Röski, Er ist Absolvent des Leipziger Literaturinstitut.
Dass es in der Gegenwart eine sächsische Monarchie gibt und dass ausgerechnet ein Transmann auf dem Thron sitzt, dafür findet Röski schlüssige Erklärungen: „Als mein Vater starb, befasste sich das Sächsische Verfassungsgericht mit der Frage der Thronfolge und urteilte, dass ich, da ich mittlerweile rechtlich als Mann lebte, die Thronfolge nach salischem Erbrecht würde antreten müssen.“
Queerness und die Frage nach Männlichkeit
Zum Ereignis macht den Roman aber vor allem die unverhohlene Queerness. Dedos Position als König potenziert natürlich viele Probleme und Konflikte, die er als (Trans-)Mann sowieso schon hat: Was ist überhaupt ein Mann? Was macht einen männlichen Körper aus? Wie verletzlich darf man sich zeigen? Wann ist man männlich genug? Und ist man männlich genug für den Bodybuilder-Partner?
Ein wahnsinnig unterhaltsamer Roman: Er wirft große Fragen über Männlichkeit heute auf – und ist dabei doch leicht und klug – und sehr sehr lustig.
Kais Harrabi über „Trizeps Royal“
Es sind Fragen, mit denen sich Männer aber auch aktuell konfrontiert sehen: Wo findet man seine Position zwischen Looksmaxing und kritischer Männlichkeit? Für Dedo passiert das alles auch noch unter den Augen der Öffentlichkeit, die nur so auf Fehltritte geiert: Beispielsweise erscheint in der „Freie Krone“ ein Artikel mit der Headline „Sachsens König auf Sexdate in Grünau?“. Sein Berater Richard ist sauer, dass sich Dedo erwischen ließ. „‚Was heißt denn erwischen?‘, antworte ich. ‚Ich bin erwachsen und habe ein Recht auf freie Entfaltung.'“
Der Roman hätte länger sein dürfen
In der zweiten Hälfte geht „Trizeps Royal“ trotzdem leider etwas die Puste aus. Der Roman entroyalisiert sich sozusagen. Ein bisschen mehr Telenovela-Logik wäre schön gewesen. Auch Dedos Transformation in der Muckibude rutscht irgendwann zu sehr in den Hintergrund.
Immerhin kriegt der König sein verdientes Happy End, auch wenn es etwas arg schnell kommt. Ein paar Seiten mehr hätten diesem Roman gut getan – allein, damit Dedos schurkische Verwandte noch bekommen, was sie verdienen. Nichtsdestotrotz ist „Trizeps Royale“ ein wahnsinnig unterhaltsamer Roman: Er wirft große Fragen über Männlichkeit heute auf – und ist dabei doch leicht und klug – und sehr sehr lustig.
Informationen zum Buch
„Trizeps Royal“
von Cécil Ludwig Röski
Leykam Verlag
224 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-701-18417-0
Redaktionelle Bearbeitung: tsa, tis