Den Sänger Gregor Meyle zu beschreiben, fällt nicht schwer. Man sollte nur Attribute benutzen, die positiv belegt sind. Und fertig ist der sympathische Barde mit der sanften Stimme, den inhaltlich tiefgründigen, berührenden und emotionalen Texten und den warmen und schmeichelnden Melodien. Besucht man dann ein Konzert von ihm, stellt man fest: Genau so ist das.
Am Samstagabend war Meyle zu Gast auf der Landesgartenschau und die mehr als 800 Besucher der Sparkassen-Bühne waren alle gekommen, um den – das Wort fehlte noch – charmanten 47-Jährigen live zu erleben.
„Alles gut bei euch?“ So grüßt man, wenn es ein Wiedersehen mit Freunden gibt und genau so sollte es an diesem Abend sein. Gregor Meyle hat seine neunköpfige Begleitband, absolutes Fachpersonal, mitgebracht, die seinen Gitarren-Rock auch schon mal mit Funk-, Beat-, Reggae- und Jazzelementen akzentuiert und voluminös ergänzt. Acht Minuten nimmt er sich Zeit, um diesen fulminanten Klangkörper vorzustellen, und macht Katja Friedberg, Dominik Krämer, Mario Garruccio, Garrelt Sieben, Lorenzo Ludemann, Benni Steil, Chris Német, Markus Vollmer und Christian Herzberger ein herzliches Kompliment: „Ich bin froh, wenn ich bei denen mitspielen darf!“ Dann stellt er seiner Zuhörerschar nicht nur sein zuletzt erschienenes musikalisch facettenreiches Album „Individualität“ vor. Er lässt auch seine bisherige Karriere mit all ihren Erfolgssongs Revue passieren. Meist geht es um das Leben (Einer der Besten), den Alltag (Mein echtes Leben), Zweifel (Kommt eins zum anderen) und Liebe (Keine ist wie du), selten – aber doch manchmal – nähern sich seine Texte dem Kitsch (Individualität). Im Plauderton führt er durch den zweistündigen Abend, ist dabei immer ganz nah am Publikum, das sich mit jeder Liedzeile mitgenommen fühlt. Regina Beckmann (33) aus Hilden steht etwas abseits der vielen Leute: „Das ist bestimmt mein zehntes Konzert von Gregor, das ich besuche. Und ich habe immer noch nicht genug. Es ist aber auch jedes Mal ein wenig anders, die Setlist variiert oder auch die Zwischenmoderationen. Die sind nicht auswendig dahergeredet. Meine lieben Leute stehen ein paar Meter weiter, aber jetzt gerade habe ich das Gefühl“, lacht sie, „die Musik ist nur für mich.“
Bei einer – aus Protest entstandenen – Casting-Show von Stefan Raab wurde Meyle 2007 entdeckt und erreichte über Nacht eine kometenhafte Berühmtheit, für die manch anderer Jahre gebraucht hätte. Raab nannte ihn damals einen begnadeten Songwriter und: Recht hatte er. Meyle tat in dem ganzen Rummel das einzig Richtige, blieb auf dem Boden und verfolgte – schwäbisch geerdet – sein Ziel: Noch besser zu werden. Tourneen durch kleine Clubs, Kneipen und überschaubare Hallen ließen ihn reifen. Seine spürbar ehrliche Nähe zum Publikum ist wahrscheinlich auch auf diese Zeit zurückzuführen. 2011 war er übrigens mit zwei weiteren Musikern im Hamtorkrug auf der Büttger Straße und die Zuhörer, die dabei waren, erinnern sich an einen magischen Abend. Heute ist das anders, da spielt er auch schon mal mit Superstars wie Robbie Williams zusammen.
Ob die Musik für Gregor Meyles Stimme geschrieben ist oder die Stimme sich wie ein weiteres Instrument in die Kompositionen einfügt, ist nicht leicht erkennbar, auffallend ist aber die durchgehend klangliche Harmonie der Songs. Meyle hat einmal gesagt, dass „…ein guter Musiker fühlt, was er spielt.“ Im Idealfall, wie am Samstag, fühlt dann auch das Publikum sein Spiel. Dann entwickelt sich diese magische Wechselwirkung, die solch eine dichte und private Atmosphäre erzeugen kann und die die Zahl der sich umarmenden Paare steigen lässt. „Ihr habt die Wolken vertrieben, danke, dass ihr da seid, und habt noch einen schönen Abend!“ Der sympathische Barde mit der sanften Stimme verbeugt sich samt Band zum Abschied und der frenetische Applaus hallt noch lange, lange nach.