Rund einen Monat ist es her, dass ein heftiges Unwetter über Karlsruhe hinwegzog und einer Person das Leben kostete. Auch in der Vergangenheit richteten Unwetter in Karlsruhe beachtliche Schäden an. Am Abend des 10. August 1959 zog ein schweres Gewitter mit Sturmböen bis zu 100 Kilometer pro Stunde über die Fächerstadt hinweg.

Gewitter. (Symbolbild)

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Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

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Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Die Johanniskirche am Werderplatz wird mehrmals beschädigt

Durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg am 9. August und 5. September 1944 wird die im Jahr 1889 gebaute Johanniskirche am Werderplatz bis auf den Glockenturm zerstört. Der Turm hat nur leichte Schäden erlitten. Zwischen 1949 und 1954 konnte sie dank Spenden wieder aufgebaut werden. Aber während Dacharbeiten wird der über sechs Tonnen schwere Turmhelm der Kirche durch schweren Sturm abgerissen und landet – ohne Personenschaden – auf der Kreuzung Marienstraße/Werderstraße.

Der Turm verursacht ein 50-Zentimeter tiefes Loch in dem Pflasterbelag auf der Straße. Ein vorbeifahrender Autofahrer entkommt knapp den Absturz, aber schwere Schäden entstehen an einem Eckhaus, wo Fensterscheiben und Schilder zerstört werden.

Blitze. (Symbolbild)

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Blitze. (Symbolbild)
Foto: Andreas Rosar/dpa

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Blitze. (Symbolbild)
Foto: Andreas Rosar/dpa

Zur Zeit des Sturms wird der Kirchenturm gerade repariert und er ist von einem Gerüst umgeben. Dieses Gerüst hat bei dem Sturm offensichtlich wie ein Windfang gewirkt. Der Sturm erfasst das Gerüst und wirbelt das Dach des Turms mehrmals um seine eigene Achse herum. Der Turm wird daraufhin zusammen mit Teilen des Gerüsts auf die Straße geschleudert.

Das Wetter verursacht Störungen auf den Straßen und bei der Bahn

Vor dem Sturm ist das Wetter in Karlsruhe heiß, um 31 Grad. Am frühen Abend fängt es jedoch an, so heftig zu regnen, dass etliche Keller und Straßen unter Wasser gesetzt und überschwemmt werden. Um diese Zeit fallen in der Stadt 40 Liter Wasser pro Quadratmeter. Zudem wirft das Gewitter zahlreiche Bäume auf die Straßen und Fahrbahnen, die geräumt werden müssen. Die Feuerwehr wird zu etwa 60 Einsätzen gerufen.

Blitze am Freitag, 31. Juli über Karlsruhe. (Archivbild)

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Blitze am Freitag, 31. Juli über Karlsruhe. (Archivbild)
Foto: Thomas Riedel

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Blitze am Freitag, 31. Juli über Karlsruhe. (Archivbild)
Foto: Thomas Riedel

Die Fahrleitungen der Straßenbahnen werden in vielen Fällen beschädigt und es kommt zu mehreren vorübergehenden Fahrstörungen in der Weststadt, in der Oststadt und in der Stadtmitte. Manche Straßen sind komplett blockiert.

Zahlreiche Bäume entwurzelt

An der Ecke Lammstraße und Kaiserstraße wird das Dach eines Gebäudes vom Sturm abgerissen und landet auf einem Auto, das gerade dort gehalten hat. Die Insassen sind eine Familie aus Wien, die auf Ferienreise sind. Die Frau und ihr Sohn müssen mit Verletzungen ins Krankenhaus geliefert werden.

Unwetterschäden an der Johanniskirche in der Marienstraße 42/Werderplatz.

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Unwetterschäden an der Johanniskirche in der Marienstraße 42/Werderplatz.
Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Bildstelle | 362/6

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Unwetterschäden an der Johanniskirche in der Marienstraße 42/Werderplatz.
Foto: Stadtarchiv Karlsruhe 8/BA Bildstelle | 362/6

Zudem entwurzeln die Sturmböen zahlreiche Bäume, reißen Dachziegel ab und beschädigen Straßenbahnleitungen. Ein Lkw-Fahrer wird verletzt, als ein Baum auf sein Fahrzeug stürzt, und am Durlacher Tor erleidet eine Frau Verletzungen durch herabfallende Äste.

Brände im Hardtwald am Nachmittag

Die Folgen des Orkans in Karlsruhe waren nicht die einzigen Katastrophen an diesem Tag. Am frühen Nachmittag brechen zwei Brände in dem Hardtwald um Karlsruhe aus. Hunderte von Leute, darunter mehrere amerikanische Pioniere, die zu den US-Truppen gehören, müssen eingesetzt werden, um die schweren Brände zu bekämpfen.

Die Brände brechen an zwei verschiedenen Stellen im Hardtwald aus und zerstören elf Hektar jungen Kiefernwald. Da die Brände kurz nacheinander ausbrechen, wird Brandstiftung vermutet. Die Helfer leiden teilweise an Rauchvergiftung und müssen mit Sauerstoffgeräten behandelt werden, während sich der Wert des verloren gegangenen Waldes auf rund 100.000 Mark beläuft.

Das Unwetter hat sich in West- und Südeuropa verbreitet

Der Orkan macht sich in verschiedenen Teilen von West- und Südeuropa bemerkbar. Die schlimmsten Stürme ereignen sich in der Schweiz, wo es sechs Tote gibt, und in Südengland, wo es zu gewaltigen Überschwemmungen kommt. In manchen Ortschaften stehen die Häuser und Straßen unter meterhohem Wasser. In der Grafschaft Surrey bleiben manche Autos auf den Landstraßen im Wasser stecken.

Blitze am Freitag, 31. Juli über Karlsruhe. (Archivbild)

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Blitze am Freitag, 31. Juli über Karlsruhe. (Archivbild)
Foto: Thomas Riedel

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Blitze am Freitag, 31. Juli über Karlsruhe. (Archivbild)
Foto: Thomas Riedel

Am Bodensee werden 50 Menschen aus der Seenot gerettet. Hier schlägt der Sturm schnell die Wellen meterhoch. Die Wasserschutzpolizei ist nicht in der Lage, alle Boote rechtzeitig an Land zu lotsen und mehrere kleine Boote kentern innerhalb weniger Minuten. Bundesbahnschiffe, Fähren und Motorboote eilen zu den Katastrophenstellen, um die Menschen zu retten.

Fünf Menschen ertrinken in den Schweizer Seen und eine Schweizerin stirbt auf einem Campingplatz, als in der Nähe von Lausanne ein Baum umstürzt. Ein weiterer Baum zerbricht ein Auto in zwei Teile, und der Sturm schleudert ein Hausdach auf ein anderes Auto. Die Bahnlinien und Straßen zwischen Genf und der Zentralschweiz sind teilweise komplett blockiert.

Auch in Norditalien und Frankreich werden Bäume entwurzelt und Fensterscheiben zertrümmert, die Schornsteine von den Häusern abgerissen. Es gibt auch schwere Hagelstürme, mit taubeneigroßen Hagelkörnern.