Das Wetterphänomen El Niño wird eng mit der aktuellen Hitzeperiode verknüpft. Auch der Herbst soll nach Angaben der World Meteorological Organization (WMO) überdurchschnittlich hohe Temperaturen bringen. Doch wie sieht die Lage im Winter aus, vor allem, da vereinzelt wieder Begriffe wie „Rekordwinter“ oder „Jahrhundert-Winter“ fallen?

Severe Weather Europe sieht Trend zu mehr Regen im Winter

Zur Erinnerung: El Niño beeinflusst Europa und damit auch Deutschland im Sommer meist indirekt. Etwa, wenn durch Ernteausfälle die Preise hochgetrieben werden. Die Effekte sind in Nordamerika und Teilen der Tropen oft klarer. Für Mitteleuropa hängt sehr viel davon ab, wie sich unter anderem der Nordatlantik entwickelt und wie andere Muster (z. B. NAO) mitspielen. Die WMO betont: Regionale Auswirkungen können variieren.

Die nach eigenen Angaben „weltweit führende Instanz für meteorologische Vorhersagen und die Analyse von Unwetterlagen“ Severe Weather Europe betont, dass Modellkarten lediglich Trends, aber keine festen Zusagen für einzelne Länder oder Zeiträume geben könne. Für den Winter 2026/27 in Europa würden sich aktuell überwiegend mildere Signale und eine eher westliche Strömung zeigen. Unterm Strich: Eine Tendenz zu mehr Niederschlag in vielen Teilen Europas, weil Tiefdruckgebiete vom Atlantik leichter durchkommen könnten.

El Niño kann zu Kälteeinbrüchen in Europa führen

„In Europa macht sich El Niño manchmal mit einer Auswirkung über den polaren Windwirbel bemerkbar, sodass es in Europa oder Nordamerika zu Kälteeinbrüchen kommen kann“, sagte schon die El Niño Expertin Kristina Fröhlich im Juni auf Nachfrage von ka-news. Tatsächlich erreicht das Wetterphänomen gegen Weihnachten meist seinen Höhepunkt. Darum erhielt es auch seinen Namen, welcher übersetzt so viel, wie „das (Christ)kind“ bedeutet.

Winter in den Bergwäldern.

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Winter in den Bergwäldern.
Foto: Thomas Riedel (Archivbild)

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Winter in den Bergwäldern.
Foto: Thomas Riedel (Archivbild)

Viele dürften sich in diesem Zusammenhang an den Winter 2009/2010 erinnern, als es in Deutschland, sogar im wärmeren Baden-Württemberg, weiße Weihnachten und dicke Schneedecken gab. „Alle drei Wintermonate waren unterdurchschnittlich kalt. Die eisigste Nacht wurde im Januar mit minus 24,3 Grad in der Lausitz, der mildeste Tag mit plus 16 Grad noch im Dezember bei Freiburg registriert“, schreibt Wetter Online.

„Wer jetzt Eiseskälte oder Rekordwinter verspricht, übertreibt maßlos“

Fest steht allerdings auch, dass sich aus dem El Niño Ereignis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine zu 100 Prozent sicheren Winter-Prognosen ableiten lassen. Der Diplom-Meteorologe Dominik Jung teilte bereits gegenüber anderen Medien mit, dass zwei Szenarien möglich wären: ein Winter mit Dauerregen oder mit viel Frost. Bedeutet: Noch steht alles offen!

Schnee und Frost oder Dauerregen? Es bleibt spannend!

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Schnee und Frost oder Dauerregen? Es bleibt spannend!
Foto: Lars Penning/dpa (Archivbild)

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Schnee und Frost oder Dauerregen? Es bleibt spannend!
Foto: Lars Penning/dpa (Archivbild)

Die in vielen Medienberichten in diesem Kontext oft zitierte Bauernregel „Ist’s von Petri bis Lorenzi (1. bis 10. August) heiß, dann bleibt der Winter lange weiß“, sei jedoch „physikalisch nicht begründbar“. Der Grund: Atmosphäre besitze kein Gedächtnis über solche Zeiträume. „Wer Ihnen jetzt Eiseskälte oder einen Rekordwinter verspricht, übertreibt maßlos“, so Jung in seiner Wetterkolumne am 13. August.

El Niño im Steckbrief

  • Tritt meist alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert oft neun bis zwölf Monate.
  • Beginnt überwiegend zwischen März und Juni.
  • Erreicht seine stärkste Phase oft in den Wintermonaten
  • Den stärksten Einfluss auf die globalen Temperaturen hat es oft im Jahr nach dem Start.
    Die WMO betont: Nicht jede Region reagiert gleich. Auch ohne El Niño kann es zu Extremwetter kommen.