Mona Franz und Sebastian Berbig vom Designstudio Just Your Type machen in ihrem Pop-Up im Ruffinihaus Schrift und Typographie zum Anfassen.

Wichtig ist nicht nur, was wir schreiben, sondern auch, wie wir es schreiben – damit sind hier allerdings nicht nur Wortwahl, Stilmittel und Satzbau gemeint. Für das Designer-Duo Just Your Type, aka Mona Franz und Sebastian Berbig, steht ein ganz anderer Aspekt im Mittelpunkt: die Form und Gestaltung der Buchstaben, die Typografie, ist für sie eine ganz eigene Sprache. Ob filigran und minimalistisch, mit Serifen und Schnörkeln, oder retro und verspielt, die Gestaltung von Schrift trägt entscheidend zur Wahrnehmung eines Produkts, einer Marke oder einer Message bei, erklärt Sebastian im Pop-Up „Take Your Type“ im Ruffinihaus direkt am Rindermarkt. Dort lädt Just Your Type noch bis zum 29. 08. dazu ein, Schrift und Buchstaben näher zu betrachten – ganz handfest und dreidimensional. 

Einblicke in die nicht-so-geheime Welt der Typografie

Schon das Schaufenster verspricht ästhetisch anregende Entdeckungen: statt einfach mit Klebefolie ist das Glas mit selbst aufgemalten Buchstaben in einem frischen rosa verziert. „Take Your Type“, steht da, denn bei den Workshops, die das Designer-Team hier anbietet, kann jeder und jede ein Stück Schrift selbst gestalten und mit nach hause nehmen. In Form kleiner Anhänger und großen Styroporbuchstaben machen Mona, Sebastian und Praktikantin Carmen Typografie anfassbar, anmalbar und beklebbar. Und natürlich ist auch hier auf die Form zu achten: die Buchstaben, wie auch der Slogan auf der Vitrine sind in der von Mona selbst entworfenen Schriftart „Bang Sans“ gehalten. Die leicht retro anmutende, doch gleichzeitig moderne Schrift wirkt warm, frisch und kreativ – was so eine Schriftart nicht alles sagen kann, wenn man erst einmal darauf achtet! Im öffentlichen Raum begegnen uns Schrift und Typografie aber oft eher unterbewusst. Genau das wollen Mona, Sebastian und Carmen mit ihrem Pop-Up ändern: auch außerhalb der Workshops stehen die Drei für Fragen zur Verfügung und bieten spannende Einblicke in die Arbeit eines Designstudios. Dazu gehört zum Beispiel, eigene Schriftarten für Events und Firmen zu entwerfen, ganz passend zur Ausrichtung des jeweiligen Projekts. Mit so einem Hintergrundwissen läuft man gleich mit ganz anderen Augen durch die Stadt, sagt Sebastian, denn was Marken uns über sich verraten wollen, sieht man nirgends so gut, wie an der Schriftart, die sie für Logo oder Slogans auswählen. Die schlanke sans-serif Kleinschrift von Fritz Cola will sich zum Beispiel relaxed und modern, während die mit Serifen geschmückten goldenen Blockbuchstaben, die die Fassade des Hofbräuhauses zieren, den Passanten Qualität, Tradition und Authentizität geradezu unter die Nase reiben. 

Schrift zum Anfassen und Mitnehmen

So eine eigene Schriftart zu entwickeln, das kann schon einmal ein bis zwei Jahre dauern. Schließlich will jeder Strich und jeder Bogen auf den Millimeter genau austachiert sein – und zwar nicht nur für die 26 Buchstaben des Alphabets, sondern auch jede Menge Satz- und Sonderzeichen. Wie zum Beispiel den Ampersand (so heißt das „&“- Zeichen unter Profis), der glitzernd wie eine Diskokugel von der Decke des Pop-Up spaces hängt (solche Meisterwerke könnt ihr übrigens beim Workshop „Disco-Donnerstag“ selber basteln). Um die Feinheiten der Schrift materiell erfahrbar zu machen holt Take Your Type die Buchstaben aus dem digitalen Raum heraus in einen dreidimensionalen Raum des spielerischen Experimentierens. In den Small Letters Workshops werden die Buchstaben als Schlüsselanhänger, Ohrringe oder Magnete zum Alltagsbegleiter, während die Schrift in den Big Letter Workshops durch die übergroßen Styroporbuchstaben zum echten Raum-Objekt wird. Noch bis 29.08. könnt ihr Mona, Sebastion und Carmen im Ruffinihaus am Rindermarkt besuchen und Schrift aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachten lernen!