Der Stadtteil Angermund trägt seinen Beinamen „Rosenstadt“ nicht ganz zufällig – Düsseldorfs nördlichster Stadtteil ist für seine Rosenzucht bekannt. Doch hier gibt es nicht nur schöne Rosen, sondern seit vielen Jahrzehnten auch Stauden. Die „Angermunder Staudenkulturen“ wurde 1959 gegründet und wird von Peter Neis in der dritten Generation am Kalkweg geführt. Unter dem Namen NicePlant GmbH werden die Stauden vermarktet.

Der 61-jährige studierte Produktionsgartenbauer ist mit der Gärtnerei praktisch aufgewachsen: Schon als kleiner Junge saß er bei seinem Papa mit im Auto, um zu Messen und Geschäftskunden zu fahren. 2004 übernahm er dann den Betrieb offiziell – und führte ihn seither in eine neue Zeit, ohne die Wurzeln zu kappen. „Farbe im Garten durch Stauden“ – dieses Motto, vor Jahren von seinem Vater geprägt, gilt bis heute unverändert.

Über 200 verschiedene Staudensorten umfasst das Sortiment mittlerweile, dazu Gräser und Farne für sonnige, halbschattige und schattige Standorte. Ein Teil davon wächst nach wie vor im eigenen Betrieb heran: Peter Neis‘ Vater, mit stolzen 86 Jahren noch immer aktiv, zieht bis heute Katzen- und Bergminze- sowie Rosmarinstecklinge. Was im eigenen Sortiment fehlt, aber dazugehören soll, kauft Peter Neis bei Kollegen zu – eine enge Zusammenarbeit, die den Betrieb erst in seiner heutigen Breite möglich macht.

Von Angermund aus gehen die Pflanzen an Galabauer, Baumschulen und Gartencenter, direkt an Privatkunden verkauft NicePlant auch schon mal, aber das ist die Ausnahme. Über die enge Zusammenarbeit mit namhaften Architekten legen die Stauden manchmal einen weiten Weg zurück: bis in die Schweiz, nach Österreich und nach Berlin gingen die Reisen bereits. „Ich selbst habe heute kaum noch die Zeit, draußen mitzuarbeiten.“ Vielmehr kümmert sich Neis um den Einkauf und vor allem den Verkauf. Selbstständig zu sein, sei nicht immer ein Zuckerschlecken – schon gar nicht mit der gewachsenen Bürokratie, aber er liebe die sportliche Herausforderung, Aufträge an Land zu ziehen. „Das reizt mich bis heute an meiner Arbeit – neben der Tatsache, dass Pflanzen einfach eine nachhaltige, wertvolle Ware sind.“

Nach einer persönlichen Lieblingsstaude muss man Peter Neis gar nicht erst fragen – die gibt es nicht. Was ihn stattdessen begeistert, ist ein Garten, in dem es summt und brummt und Schmetterlinge unterwegs sind. Insektenfreundlichkeit ist ihm ein echtes Anliegen. „Wir müssen uns in eine Biene hineinversetzen, die über unsere Gärten fliegt. Sie möchte ja auch mal Pause machen und einen Snack zu sich nehmen, anstatt über die Wüste Gobi zu fliegen“, sagt Neis und lacht.

Ganz so leicht wie der Scherz klingt, ist die Arbeit allerdings nicht. „Pflanzen zu produzieren, bedeutet großen Einsatz, ähnlich wie auf einem Bauernhof: Die Pflanzen brauchen je nach Jahreszeit viel Pflege und Aufmerksamkeit. Wer diesen Job macht, muss wissen, dass es kein Job ist, der in 40 Stunden zu erledigen ist“, sagt Neis. Wie wahr dieser Satz ist, zeigte sich in diesem Jahr besonders deutlich: Ende Mai, mitten in der ersten großen Hitzephase des Jahres – ausgerechnet am Geburtstag seines Vaters – fiel die Brunnenpumpe aus. Um die Stauden vor dem Vertrocknen zu retten, blieb nur eines: Handarbeit, bis die über 50 Jahre alte Pumpe wieder instand gesetzt war.

Der Einsatz hat sich an diesem Tag jedenfalls gelohnt – am Ende hielten die Stauden durch, auch wenn der Geburtstag dafür warten musste.