Die Apotheken in Duisburg warnen vor dem unkontrollierten Bezug von Arzneimitteln und hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln über zweifelhafte Internetangebote. Aktuelle Fälle rund um eine neue verschreibungspflichtige Semaglutid-Tablette zur Gewichtsreduktion und die schwere Vitamin-D-Vergiftung eines Säuglings zeigten: Bei Gesundheitsprodukten könnten falsche Berater, eine unpassende Produktauswahl, eine fehlerhafte Dosierung oder eine unsachgemäße Anwendung gravierende Folgen haben.
„Arzneimittel sind keine gewöhnlichen Konsumgüter, aber auch Nahrungsergänzungsmittel können – insbesondere bei Fehlgebrauch – massive Auswirkungen auf die Gesundheit haben“, erklärt Christoph Herrmann, Pressesprecher der Apotheken in Duisburg. Eine Beratung in der Apotheke könne vor Fehlanwendungen und vermeidbaren Gesundheitsschäden schützen.
Bereits vor der erwarteten Markteinführung von Semaglutid-Tabletten zur Gewichtsreduktion im September würden fragwürdige Internetportale mit Verordnungen und Vorbestellungen werben. Das verschreibungspflichtige Arzneimittel stehe zwar auf der Liste der „Lifestyle-Arzneimittel“, sei aber dennoch ein hochwirksames verschreibungspflichtiges Medikament mit möglichen unerwünschten Wirkungen und Risiken sowie mit besonderen Einnahmebedingungen.
Pharmazeutische Kontrolle ist aber aus Sicht der Apotheker entscheidend für eine sichere und erfolgreiche Behandlung. „Für eine sichere Therapie reicht nicht ein Klick auf einen Bestellbutton“, betont Apotheker Herrmann. „Sie braucht eine ärztliche Diagnose und eine qualifizierte pharmazeutische Begleitung. Gerade bei komplexen Arzneimitteln können Apotheken Anwendungsfehler erkennen, Risiken vermindern und die Patientinnen und Patienten während der Behandlung persönlich und individuell unterstützen.“
Wie schwerwiegend die Folgen einer falschen Produktauswahl sein könnten, zeige ein im Juli dieses Jahres bekannt gewordener Fall in Deutschland: Ein sechs Monate alter Säugling habe wegen einer schweren Vitamin-D-Vergiftung stationär behandelt werden müssen. Statt eines für Säuglinge geeigneten Präparats war ein hochdosiertes Vitamin-D-Produkt für Erwachsene verabreicht worden.
Eltern sollten deshalb ausschließlich Präparate verwenden, die ausdrücklich für Säuglinge geeignet sind. Hochkonzentrierte Erwachsenenprodukte dürften nicht eigenständig auf eine Dosierung für Kinder umgerechnet werden. „Ähnlich aussehende Produkte können völlig unterschiedliche Wirkstoffmengen enthalten“, warnt Herrmann.
„Apotheken sind weit mehr als Abgabestellen“, sagt Herrmann. „Sie sind eine zentrale Sicherheitsinstanz zwischen Verordnung und Anwendung. Sie erkennen Probleme, bevor daraus Schäden entstehen können, und sind für die Menschen persönlich, wohnortnah und unmittelbar erreichbar. Gerade in einem immer unübersichtlicheren Gesundheitsmarkt ist diese verlässliche Beratung unverzichtbar.“
Die Apotheken in Duisburg empfehlen, verschreibungspflichtige Arzneimittel ausschließlich nach ärztlicher Verordnung und mit pharmazeutischer Beratung anzuwenden. Insbesondere bei hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln sowie Präparaten für Kinder und Säuglinge sollten sich Verbraucher vor der Anwendung in ihrer Apotheke vor Ort zur richtigen Auswahl und Dosierung beraten lassen.