Ein Tontechniker an einem Mischpult.

Stand: 24.08.2026 • 19:50 Uhr

Seit Wochen wird über die Sparvorhaben der Bundesregierung diskutiert. Laut Haushaltsentwurf für 2027 soll auch bei der Kultur gespart werden. Wo und welche Folgen das haben könnte?

Von Annika Karoline Schleithoff, BR

In der Nähe von Augsburg hat in diesem Jahr das erste Mal das Hoi Festival stattgefunden. Drei Tage mit über 20 Acts, viele aus der Region, und etwa 300 Besucherinnen und Besuchern pro Tag. Möglich war das Hoi auch deshalb, weil es durch den Festivalförderfonds, also aus Bundesmitteln, unterstützt wurde.

„Das wäre bitter schade, wenn das nach einer Ausgabe schon wieder im Keim erstickt wird“, sagt Monika Nuber, die das Hoi Festival mitorganisiert hat. Denn für den Festivalförderfonds könnte es künftig weniger Geld geben, und auch bei anderen Kulturförderungen soll gekürzt werden. So steht es im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027, über den seit Wochen diskutiert wird.

Geplante Kürzungen treffen auch Musikbranche

An manchen Stellen sollen die Ausgaben steigen, zum Beispiel für Verteidigung. An einigen anderen aber soll gespart werden: zum Beispiel im sozialen Bereich beim Eltern- und beim Wohngeld. Und bei der Kultur. „Das ist, glaube ich kein gutes Zeichen, weil wir natürlich eine Kulturnation sind, und ich finde, wir müssen auch dieses Signal senden, dass uns Kunst und Kultur etwas wert sind und dass wir es unterstützen“, sagt Katja Lucker, Geschäftsführerin der Initiative Musik.

Laut Haushaltsentwurf könnte auch das Reeperbahnfestival, eine der wichtigsten Nachwuchsplattformen für die Musikbranche in Deutschland, weniger Geld bekommen. Drei Millionen statt bisher etwa sechs Millionen. Der Initiative Musik, einer der wichtigsten Fördereinrichtungen von Popkultur und Jazz in ganz Deutschland, könnten etwa 800.000 Euro an Zuwendungen gekürzt werden. Im Entwurf sind allerdings nicht alle Gelder aufgeführt, die in die Initiative Musik fließen. Oft ist deshalb die Rede davon, dass die Initiative Musik etwa vier Millionen Euro weniger bekommen soll.

Auch Kraftclub war des öfteren beim Reeperbahnfestival – kann sich die Party auf der Meile in Zukunft solche Acts noch leisten?

“Kulturförderung ist auch Demokratieförderung”

Akteure der Musik- und Kulturbranche kritisieren die Sparpläne. Der Bundesverband Popularmusik e.V. schreibt in einer Stellungnahme zu den geplanten Kürzungen. „Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung braucht unsere Demokratie starke kulturelle Räume. Popmusik schafft Begegnung, fördert Teilhabe, eröffnet Perspektiven und verbindet Menschen unabhängig von Herkunft, Alter oder sozialem Hintergrund. Kulturförderung ist deshalb immer auch Demokratieförderung.“

Die Kürzung für das Reeperbahnfestival könne dazu führen, dass die Veranstaltung verkleinert werden müsse und weniger Unternehmen, auch aus dem Ausland dabei seien könnten, die Nachwuchskünstler einkaufen oder vermitteln, sagt Alex Schulz, Geschäftsführer der RBX GmbH und Gründer des Reeperbahnfestivals. „Das wäre eine erhebliche Schwächung der kleinen und mittelständischen Unternehmen und ihrer Talente am Musikstandort Deutschland, weil sie nicht mehr ins internationale Geschäft kämen”, sagt Schulz.

Wie Förderbudgets doch noch erhöht werden könnten

Auch für den Festivalförderfonds der Initiative Musik könnte es weniger Geld geben. Sowohl im Haushaltsentwurf für 2026 als auch in dem für 2027 wurden für den Festivalförderfonds zwei Millionen Euro eingeplant. Gestartet war er 2023 mit einem Umfang von fünf Millionen Euro. Im vergangenen Jahr war es der Geschäftsführerin Katja Lucker aber gelungen, den Förderbetrag im parlamentarischen Verfahren wieder aufzustocken, auf vier Millionen Euro.

Newcomer besonders betroffen

Falls das jedoch nicht noch einmal gelinge, sei das vor allem für Newcomer ein Problem, sagt Lucker. „Der Festivalförderfonds unterstützt gerade die kleinen und mittleren Festivals, die der Nährboden sind für Bands, die da das erste Mal vor größerem Publikum spielen, die dort ihre Karrieren aufbauen können.“

Auch Ella Rohwer, Geschäftsführerin von Pro Musik, einer Interessenvertretung für freischaffende Musikerinnen und Musiker, fürchtet langfristige Folgen. Wenn Festival und Clubs wegfielen, wo Newcomer auftreten können, “gibt es diesen Nachwuchs irgendwann nicht mehr und das ist ganz konkret eine Gefahr für die Vielfalt der Musiklandschaft in Deutschland”, so Rohwer.

Das „Watt en Schlick“ in Dangast: ein eher kleineres Festival und damit auch Bühne für Newcomer

Besonders für den ländlichen Raum sei es problematisch, wenn Festivals nicht mehr stattfinden können, sagt Christian Ordon, Geschäftsführer der LiveMusikKommission e.V., denn dabei gehe es um mehr als nur Musik. Festivals seien Orte des Austauschs, an denen die Dorfgemeinschaft zusammenkommen und der gesellschaftliche Zusammenhalt gefördert werden könne.

Unterschiede zwischen Hochkultur und Popkultur

Dass generell gespart werden muss, ist zwar für viele Menschen in der Kultur- und Musikbranche schmerzhaft, aber doch nachvollziehbar. Was manche eher stört: Nicht überall in der Kultur wird gleichermaßen gekürzt. Denn während es an einigen Stellen weniger Geld geben soll, könnten die Bayreuther Festspiele etwa eine Million Euro mehr bekommen. Der Grund dafür ist laut einer Sprecherin des Staatsministers für Kultur und Medien, dass die Personalkosten tarifbedingt gestiegen seien.

Mit höheren Ausgaben haben aber auch Festivals zu kämpfen: Seit der Coronapandemie sind die Kosten, etwa für Gagen und Security, gestiegen. Hochkultur versus Popkultur, das sei „auch eine emotionale Debatte, weil es darum geht, gesehen zu werden und vor allem um die Wertschätzung als Wirtschaftsfaktor in der Musikindustrie“, sagt Ella Rohwer.

Noch ist der Haushalt nicht verabschiedet, das ist für November geplant. Davor debattieren die Abgeordneten im Bundestag darüber und in der Regel wird der Haushaltsentwurf überarbeitet. An den Förderbeträgen, die im Entwurf stehen, kann sich bis dahin also noch etwas ändern.