Prof. Tavassol und Dr. Tilsen (v.l.) können die OP-Daten in der Navigationssoftware abrufen. – Foto Universitätsmedizin Halle
von hallelife.de – Redaktion
24. August 2026
Universitätsmedizin Halle setzt mit „Loop-X“ auf dreidimensionale Bildgebung, Navigation und virtuelle OP-Planung – Klinik ist bundesweit Vorreiter in ihrem Fachgebiet
Mehr Präzision bei komplizierten Operationen, eine geringere Strahlenbelastung und kürzere Eingriffszeiten: In der Universitätsklinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Universitätsmedizin Halle kommt seit Mai 2026 der moderne Bildgebungsroboter „Loop-X“ zum Einsatz.
Das mobile High-Tech-System kann noch während einer Operation zwei- und dreidimensionale Schnittbilder erstellen, bei der Navigation von Instrumenten unterstützen und bereits bei der Planung komplizierter Eingriffe eingesetzt werden.
Für die Patientinnen und Patienten bedeutet die neue Technik vor allem mehr Sicherheit und Präzision. Behandlungsergebnisse können noch im Operationssaal kontrolliert und gegebenenfalls unmittelbar korrigiert werden. Gleichzeitig lassen sich Strahlenbelastung und OP-Dauer reduzieren.
Eine Besonderheit: Die Universitätsklinik in Halle ist nach eigenen Angaben die erste Klinik ihrer Fachrichtung in Deutschland, die das innovative Gerät angeschafft hat.
Besonders hilfreich bei komplizierten Eingriffen
Seine Stärken kann das System insbesondere bei Operationen ausspielen, bei denen Chirurginnen und Chirurgen in anatomisch schwer zugänglichen Regionen arbeiten müssen.
„Insbesondere Rekonstruktionen des Mittelgesichts oder die Entfernung von schwer zugänglichen Tumoren lassen sich mithilfe des neuen Systems optimierter planen und schonender durchführen“, erklärt Dr. Felix Tilsen, Leitender Oberarzt und Stellvertretender Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Universitätsmedizin Halle.
Gerade bei solchen komplexen Eingriffen können bereits geringe Abweichungen entscheidend sein. Die Möglichkeit, die Anatomie während der Operation dreidimensional darzustellen und die Position von Instrumenten beziehungsweise Implantaten zu überprüfen, verschafft dem OP-Team zusätzliche Informationen unmittelbar während des Eingriffs.
Schrauben und Implantate millimetergenau platzieren
Loop-X kombiniert Bildgebung, Navigation und Planung in einem System.
Während einer Operation kann das Gerät hochauflösende zwei- oder dreidimensionale Aufnahmen erstellen. Anhand dieser Bilder können Chirurginnen und Chirurgen beispielsweise Schrauben oder Implantate millimetergenau platzieren.
Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass das Ergebnis unmittelbar überprüft werden kann. Zeigt die Bildgebung noch während des Eingriffs, dass eine Korrektur notwendig ist, kann diese sofort vorgenommen werden.
Eine weitere Operation kann dadurch vermieden werden. Damit entfällt gegebenenfalls auch eine zusätzliche Narkose, was neben der geringeren Belastung für die Patientinnen und Patienten nach Angaben der Klinik einen Nachhaltigkeitseffekt mit sich bringt.
Untersuchungen bereits während der Operation
Auch spätere Untersuchungen können teilweise entfallen, weil die erforderliche Bildgebung bereits während des Eingriffs durchgeführt wird.
Hinzu kommt ein weiterer Vorteil: Das mobile System kann gezielt die betreffende Körperregion anfahren. Dadurch muss nicht unnötig ein größerer Bereich der Strahlung ausgesetzt werden und die Strahlenbelastung für die Patientinnen und Patienten kann reduziert werden.
Die intraoperative Bildgebung selbst ist zwar keine völlig neue Technik. Loop-X liefert nach Einschätzung der Hallenser Mediziner jedoch wesentlich umfangreichere Informationen als herkömmliche Röntgenaufnahmen.
„Die intraoperative Bildgebung ist nicht neu, aber im Vergleich zu herkömmlichen Röntgenaufnahmen bietet das neue System eine viel bessere Übersicht und präzisere Informationen über die Anatomie des Patienten“, erläutert Tilsen.
MRT und Bilder aus dem OP werden zusammengeführt
Eine weitere Möglichkeit ist die Verbindung bereits vorhandener Aufnahmen mit den während der Operation gewonnenen Daten.
„Außerdem lassen sich auch präoperative MRT-Aufnahmen einlesen und mit den intraoperativen Bildern fusionieren“, erklärt Tilsen.
Damit können Informationen aus unterschiedlichen bildgebenden Verfahren zusammengeführt werden. Die Operateure erhalten dadurch eine zusätzliche Orientierung für ihre Arbeit.
Mit Virtual Reality die Operation vorbereiten
Die Digitalisierung beginnt in Halle allerdings nicht erst im Operationssaal. Loop-X wird bereits während der Planungsphase vor einem Eingriff eingesetzt.
Für die möglichst genaue Planung des operativen Zugangsweges nutzen die Ärztinnen und Ärzte zusätzlich Virtual-Reality-Brillen. Gemeinsam kann das Team damit die anatomischen Gegebenheiten betrachten und eine optimale Operationsstrategie festlegen.
Die bei der Vorbereitung gewonnenen Daten werden anschließend in die Navigationssoftware übertragen und können während der eigentlichen Operation wieder abgerufen werden.
Besonders bei Tumoren im Bereich der Schädelbasis verspricht sich die Klinik von dieser Kombination eine weitere Steigerung der Präzision.
Gleichzeitig kann die digitale Vorbereitung Zeit sparen und sowohl die Patientinnen und Patienten als auch das OP-Team entlasten.
High Tech hilft auch bei der Ausbildung
Von den neuen Visualisierungsmöglichkeiten profitieren nicht nur erfahrene Operateure.
Auch für Assistenzärztinnen und Assistenzärzte sowie Studierende ergeben sich neue Möglichkeiten. In den virtuell unterstützten Planungskonferenzen können sie komplexe anatomische Strukturen und geplante Operationswege räumlich nachvollziehen.
Auch während eines Eingriffs ermöglicht die Visualisierung einen detaillierteren Einblick in die einzelnen Arbeitsschritte. Die Klinik sieht darin einen hohen Lerneffekt für die medizinische Aus- und Weiterbildung.
Halle setzt auf digitale Unterstützung bei komplexen Operationen
Für Klinikdirektor Univ.-Prof. Dr. Dr. Frank Tavassol ist die neue Technik deshalb mehr als nur ein zusätzliches bildgebendes Gerät.
„Mit dem neuen Bildgebungssystem optimieren wir unseren Workflow bei komplexen Eingriffen, verbessern die Patient:innensicherheit und setzen einen wichtigen Impuls für die Weiterentwicklung der Mund-, Kiefer- und Plastischen Gesichtschirurgie in Mitteldeutschland“, so Tavassol.
Mit der Kombination aus dreidimensionaler Bildgebung im laufenden Eingriff, präziser Navigation, Einbindung vorhandener MRT-Aufnahmen und Virtual-Reality-gestützter Operationsplanung rücken Planung und tatsächliche Operation damit noch enger zusammen.
Für Patientinnen und Patienten soll sich die High-Tech-Unterstützung ganz praktisch bemerkbar machen: präzisere Eingriffe, weniger Strahlenbelastung, kürzere Operationszeiten und die Möglichkeit, das Ergebnis noch im OP zu kontrollieren und bei Bedarf unmittelbar zu korrigieren.