Bielefeld. Seit fünf Jahrzehnten ist das Wohnstift Salzburg eine Instanz unter den Bielefelder Senioreneinrichtungen. Nun kommt das Haus in Stieghorst selbst langsam ins vorgerückte Alter: 50 Jahre wird die 1976 eröffnete Einrichtung in diesem Jahr. Im Vergleich zu vielen seiner Bewohner ist das Wohnstift damit allerdings weiterhin ein ziemlich junger Hüpfer.

Und genauso will es sich auch bei seinem großen Jahresfest am Sonntag, 20. September, ab 11 Uhr präsentieren: bunt, lebendig und generationsübergreifend. Das traditionelle Fest am dritten Sonntag im September fällt zum runden Geburtstag diesmal etwas größer aus als gewöhnlich. Dass ein Seniorenzentrum mitten in Stieghorst ausgerechnet „Wohnstift Salzburg“ heißt, sorgt allerdings bis heute gelegentlich für geografische Verwirrung. Heimleiterin Sabine Lauer-Vdovic kennt das von Fortbildungen: „Viele sagen: Du hast aber eine weite Anreise.“ Manchmal werde sie am Telefon gefragt: „Oh, bin ich jetzt in Österreich gelandet?“

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Und tatsächlich führt die Spur in die Alpen – allerdings mit einem ziemlich großen historischen Umweg über Ostpreußen. 1731 und 1732 mussten etwa 20.000 evangelische Salzburger ihre Heimat wegen ihres Glaubens verlassen. Viele siedelten sich in Ostpreußen an. In Gumbinnen entstand 1740 ein Hospital zur Versorgung alleinstehender und pflegebedürftiger Salzburger. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele ihrer Nachfahren erneut zu Flüchtlingen. Aus dieser Tradition heraus entstand schließlich in Bielefeld, der Patenstadt der Gumbinner und Salzburger, das heutige Wohnstift. Der Salzburger Verein war bereits 1911 gegründet worden, 1966 folgte in Bielefeld der Trägerverein für das spätere Wohnstift. Zehn Jahre später wurde das Haus Ravensberg feierlich eingeweiht.

Bewohner mit Wurzeln in Gumbinnen – aber auch in Stieghorst

Ursprünglich spielte der Gedanke eine Rolle, auch Nachfahren der Salzburger Emigranten ein Zuhause zu bieten. Ausschließlich auf diese Gruppe beschränken konnte und wollte man sich allerdings nicht. „Sonst wäre das etwas dünn besetzt gewesen“, sagt Sozialdienstleiter Dirk Althoff. Er erinnert sich noch an einzelne Bewohner mit Salzburger Wurzeln. Häufiger seien lange Zeit Menschen aus Ostpreußen und Schlesien ins Wohnstift gezogen. Heute ist die Einrichtung längst vor allem eine Anlaufstelle für Senioren aus Bielefeld und besonders aus Stieghorst. Doch noch immer gebe es aber Bewohner mit direktem Bezug zur alten Heimat – erst vor wenigen Tagen sei eine Frau gestorben, die in Gumbinnen geboren worden war. Ganz abgerissen ist die historische Verbindung ohnehin nie. Kontakte nach Österreich werden weiter gepflegt, bei Treffen in Salzburg kommen Nachfahren und Vertreter der Vereinigungen zusammen.


Das Wohnstift liegt an der Memeler Straße in Stieghorst - direkt am Park im Grünen. - © Eike J. Horstmann

Das Wohnstift liegt an der Memeler Straße in Stieghorst – direkt am Park im Grünen.
| © Eike J. Horstmann

In Bielefeld selbst braucht das Wohnstift Salzburg trotz seines alpenländisch anmutenden Namens kaum noch eine Erklärung. Mit 180 Bewohnern gehört es zu den größten Senioreneinrichtungen der Stadt. Hinzu kommen Seniorenwohnungen und eine Tagespflege mit 15 Plätzen. Fast 200 Mitarbeiter arbeiten im Wohnstift. Besonderheit des Hauses: Es verfügt weiterhin über eine eigene Küche und eine eigene Wäscherei, die sogar Dienstleistungen für andere Unternehmen übernimmt. Unterstützt wird die Einrichtung zudem von Ehrenamtlichen, von denen manche schon seit Jahrzehnten dabei sind.

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Und natürlich feiern Bewohner, Mitarbeiter, Angehörige und Gäste den 50. Geburtstag gemeinsam. Nach Gottesdienst und Festreden folgt ein Punkt, der für viele Stammgäste offenbar mindestens ebenso wichtig ist: die Suppe. Traditionell kommt sie aus der Gulaschkanone, inzwischen gibt es neben der deftigen Erbsensuppe auch eine vegetarische Möhrensuppe.

Hutmacherin, Feuerwehrautos und Gitarrenmusik

Dazu gibt es ein Programm, das bewusst auch Kinder und jüngere Besucher ansprechen soll: ein nostalgisches Feuerwehrauto, Seifenblasenkunst und Kutschfahrten gehören dazu. Für bettlägerige Bewohner gibt es Gitarrenmusik direkt auf den Wohnbereichen. Ehrenamtliche treten mit einer Tanzgruppe auf, und eine Hutmacherin verwandelt alle möglichen Materialien in fantasievolle Kopfbedeckungen. „Dann laufen hier viele mit den Hüten herum“, erzählt Lauer-Vdovic. „Eine tolle Sache.“

Dass das Wohnstift nach einem halben Jahrhundert weit über Stieghorst hinaus bekannt ist, schreibt die Heimleiterin dabei vor allem den Menschen zu, die dort arbeiten. Noch heute werde sie von Angehörigen auf Begegnungen angesprochen, die viele Jahre zurückliegen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben über die Jahre einen wesentlichen Teil dazu beigetragen, dass das Wohnstift Salzburg heute das ist, was es ist“, sagt Sabine Lauer-Vdovic. „Wir haben einen sehr guten Ruf, auch über Stieghorst hinaus.“