
Fast hätte auch der Pokalmontag seine Sensation bekommen: Der VfL Wolfsburg zog bei Viertligist VSG Altglienicke gerade noch den Kopf aus der Schlinge. Der Bundesliga-Absteiger setzte sich beim Viertligisten mit 9:8 (0:1, 2:2, 3:3) nach Elfmeterschießen durch.
Held der Wölfe war Keeper Jakub Zielinski, der zwei Elfmeter der am Ende äußerst unglücklichen Gastgeber parierte. Die Treffer in den 120 Spielminuten (3:3) erzielten Jonas Nietfeld (6.), Jonas Saliger (71.) und Mehmet Ibrahimi (109.) für den Viertligisten. Für Wolfsburg war zweimal Maximilian Arnold (55., 83.) und kurz vor Ende Hauke Wahl (117.) erfolgreich.
Altglienicke will in die 3. Liga
Als Amateurverein genoss Altglienicke bei seiner zweiten Teilnahme am DFB-Pokal zwar Heimrecht, konnte davon allerdings keinen Gebrauch machen. Der Grund: Die Spielfeldlänge der Spree-Arena entspricht nicht den Infrastrukturvorgaben des DFB. Daher fand die Partie auf dem Platz der Hertha-Amateure vor dem Olympiastadion und damit quasi am anderen Ende Berlins statt.
Dieser Makel schien der VSG aber nicht allzuviel zu schaffen zu machen: Das Team der Gastgeber legte selbstbewusst los wie die Feuerwehr. Und nachdem Nietfeld nach fünf Minuten bereits einen Hochkaräter auf dem Fuß hatte, aber an VfL-Keeper Jakub Zielinski scheiterte, machte es der Mittelstürmer der Berliner zwei Minuten später besser: Nach einer Hereingabe von Lennart Czyborra spritzte er in den Ball und drückte diesen aus kurzer Distanz über die Linie zum 1:0 (7.).
VSG kein „normaler“ Viertligist
Es war nach mutigem Auftakt die verdiente Führung für die Volksportgemeinschaft, die sich selbst nicht als „normalen“ Viertligisten sieht, wie man so sagt. Unterstützt von potenten Sponsoren wollen die Berliner in diesem Jahr unbedingt in die 3. Liga aufsteigen, haben ihren Kader dementsprechend hochkarätig aufgerüstet.
Ein Blick auf die Sommertransfers der sportlichen Leitung um Torsten Mattuschka, der seine aktive Karriere einst in Altglienicke ausklingen ließ, unterstreicht die Ambitionen des Klubs. Mit den Ex-Wölfen Tolga Cigerci (zuvor Energie Cottbus) und John Brooks (Hertha BSC) sowie Lennart Czyborra (Miedz Legnica) wechselten gleich mehrere Spieler mit Erstliga- und internationaler Erfahrung zur VSG.
Nach Rückstand – VfL legt zu
Der frühe Gegentreffer hatte für den favorisierten VfL aber so etwas wie einen Wachmacher-Effekt. Die Wölfe übernahmen das Kommando, schnürten den Gastgeber zunehmend in dessen Hälfte ein. In der 15. Minute hätte Alexander Bernhardsson ganz allein auf das VSG-Tor zugehen können, dem Neuzugang aus Kiel misslang nach langem Pass von Vinicius Souza aber die Ballannahme.
Im Anschluss konte sich der Amateurverein bei seinem Keeper bedanken, der zur Hochform auflief. Zunächst fischte Luis Zwick einen 17-Meter-Knaller von Fabian Reese aus dem rechten Winkel (22.), anschließend parierte er reaktionsschnell einen Abschluss aus kurzer Distanz von Bernhardsson.
Wolfsburgs Sael Kumbedi im Zweikampf mit Altglienickes Emeka Oduah
Keeper Zwick läuft zur Hochform auf
Zwick lief richtig heiß. Nach 38 Minuten schlug Reese eine wunderbare Flanke auf den zweiten Pfosten, wo Bernhardsson schulmäßig hochstieg. Der Schwede fand bei seinem Kopfball aber ebenfalls seinen Meister im VSG-Keeper. Und als der dänische Nationalspieler Joakim Maehle ein regelrechtes Geschoss in Richtung VSG-Tor sendete, war auch Zwick zur Stelle (44.).
Die Dinge änderten sich auch nach dem Seitenwechsel nicht. Wolfsburg stürmte an, die VSG verteidigte mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mittel. Und sie strapazierte ihr Glück, denn nachdem Zwick auch in der 48. Minute wieder grandios gegen Bernhardsson gerettet hatte, kratzte Verteidiger David Kebe den Nachschuss von Muhammed Damar für seinen geschlagenen Tormann von der Linie.
Arnold bricht den Bann, Zielinski patzt folgenschwer
Der längst fällige Ausgleichstreffer wurde dann Chefsache. Der eingewechselte Kapitän Arnold nahm in der 55. Minute Maß und schickte die Kugel aus 22 Metern passgenau an den linken Innenpfosten. Da konnte auch Zwick nichts mehr machen.
Der VfL war drauf und dran – doch dann der Schock: VfL-Keeper Zielinski spielte die Kugel im Aufbau unbedrängt in die Füße von Saliger, der die Kugel seelenruhig ins leere VfL-Tor schieben konnte – der Underdog führte wieder: 2:1 (71.).
Und wieder: Arnold rettet den VfL
Die Sensation lag jetzt in der Luft – zumal die VSG plötzlich immer leichteres Spiel hatte, die zunehmend fahrigen Angriffe des Favoriten abzuwehren. Doch natürlich verfügt Wolfsburg über eine Menge individuelle Qualität. In Person von Arnold zum Beispiel. Der beförderte die Kugel in der 83. Minute per herrlichem direkten Freistoß erneut in die Maschen der VSG – 2:2.
Das Match ging in die Verlängerung. Altglienicke war mit den Kräften sichtlich am Ende, Krämpfe plagten gleich mehrere Akteure des Viertligisten. Und doch machte die VSG den nächsten Treffer. Und diesmal war es ausgerechnet der VfL-Held Arnold, der schwer patzte. Der Kapitän wollte einen Ball zu seinem Keeper zurückspielen, das geriet aber zu kurz.
Ibrahimi lässt den Wurfplatz beben
Ibrahimi ging dazwischen und verwandelte humorlos mit einem satten Schuss aus 15 Metern an Zielinski vorbei zum 3:2. Jetzt stand das Stadion am Wurfplatz auf dem Hertha-Gelände endgültig Kopf. Erneut stand der VfL Wolfsburg als großer Favorit vor dem sensationellen frühen Aus beim Viertligisten.
Doch auch das war noch nicht der Schlusspunkt: Der VfL kam noch einmal und es war Fabian Reese, der in der 117. Minute den Ball scharf vors Tor brachte und Abwehrmann Wahl goldrichtig stand, um die Kugel über die Linie zu drücken. Das Elfmeterschießen musste die Entscheidung bringen.
Für die VSG Altglienicke geht es schon am Freitag mit einem Heimspiel in der Regionalliga weiter. Gegner wird dann ab 19 Uhr Chemie Leipzig sein. Der VfL Wolfsburg tritt in der Zweiten Liga am Samstag ab 13 Uhr beim Karlsruher SC an.
