Karolina Burger RealschuleLudwigshafen / Metropolregion Rhein-Neckar – An der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen brodelt es schon seit Jahren massiv. Spätestens mit den jüngsten Entwicklungen zum Schuljahresbeginn ist der Konflikt öffentlich noch deutlicher sichtbar geworden. Nun melden sich Lehrkräfte zu Wort, die zum Schuljahresbeginn anwesend waren und die eine Versetzung von Schulleiter Herrn Kästel ablehnen. Mit ihrer nachfolgenden Stellungnahme wollen sie deutlich machen, dass die Probleme an der Schule aus ihrer Sicht keineswegs erst unter der jetzigen Schulleitung entstanden sind und dass die derzeitige Auseinandersetzung nicht auf die Person des Rektors reduziert werden dürfe. Zugleich räumen die Verfasser ein, dass bei Veränderungen unter Kästel Fehler in Führung, Kommunikation und Umsetzung gemacht worden seien. Im Mittelpunkt müsse ihrer Auffassung nach jedoch die Frage stehen, wie die Schule langfristig personell, pädagogisch und organisatorisch stabilisiert werden kann – und vor allem, wie die Interessen der Schülerinnen und Schüler wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Die Stellungnahme zeigt damit eine weitere Seite des inzwischen öffentlich ausgetragenen Konflikts an der Karolina-Burger-Realschule plus. Sie macht zugleich deutlich, dass es innerhalb des Kollegiums offenbar unterschiedliche Einschätzungen zur Situation der Schule, zur Arbeit der Schulleitung und zu den Ursachen der bestehenden Probleme gibt.

„Nachfolgend dokumentiert MRN-News die Stellungnahme der Lehrkräfte ungekürzt und im Wortlaut.“

Hintergrundinformationen zur Situation an der Karolina-Burger-Realschule plus

1. Die Probleme der Schule sind nicht erst unter der jetzigen Schulleitung entstanden

Die Karolina-Burger-Realschule plus ist ein großes Schulsystem mit einer in Teilen sehr herausfordernden Schülerschaft. Gewalt, massive Unterrichtsstörungen, Bedrohungen, Sachbeschädigungen und andere schwerwiegende Vorfälle gab es bereits lange vor dem Amtsantritt von Herrn Kästel.
Ein Beispiel ist ein Toilettenbrand im Jahr 2021. Auch Bedrohungen, Zerstörungen und Erpressungen durch Schülerinnen und Schüler waren bereits aus früheren Jahren bekannt.
Deshalb greift eine Darstellung zu kurz, nach der die heutigen Probleme der Schule erst mit der jetzigen Schulleitung entstanden seien.

2. Über viele Jahre fand kaum Schulentwicklung statt

Vor dem Amtsantritt von Herrn Kästel konzentrierte sich das schulische Leben im Wesentlichen auf den Unterricht. Ein darüberhinausgehendes aktives Schulleben, eine stärkere Öffnung der Schule nach außen und eine systematische Schulentwicklung waren nur wenig ausgeprägt.
Das hatte auch eine entlastende Seite: Zusätzliche Aufgaben wurden vom Kollegium weitgehend ferngehalten. Gleichzeitig entstand dadurch über viele Jahre eine Arbeitskultur, in der zusätzliche Verantwortungsübernahme, neue Projekte und Veränderungen von etablierten Abläufen eine eher geringe Rolle spielten.

3. Unter Herrn Kästel wurde versucht, die Schule deutlich weiterzuentwickeln

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Bereiche neu aufgebaut, wiederbelebt oder verstärkt:

• Wiederaufbau von Streitschlichtung
• Umsetzung des Startchancenprogramms
• Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern wie Hook Together
• Zusammenarbeit mit den Rapagogen, die allerdings innerhalb des Kollegiums keine ausreichende Zustimmung fanden
• stärkere Zusammenarbeit mit dem Stadtteil Mundenheim
• Kooperation mit St. Josef im Bereich Pflege
• Aufbau eines Schulsanitätsdienstes
• deutlicher Ausbau der Berufsorientierung
• Aufbau bzw. Weiterentwicklung eines Krisenteams
• Ausbildung von Brandschutzhelferinnen und Brandschutzhelfern
• Aufbau einer neuen Homepage
• stärkere Förderung und Ermutigung von Lehrkräften, Fortbildungen zu besuchen und sich beruflich weiterzuentwickeln

Der grundsätzliche Ansatz bestand darin, Schule nicht ausschließlich als Ort von Unterricht zu verstehen, sondern stärker mit Eltern, sozialen Einrichtungen, Berufsberatung, außerschulischen Partnern und dem Stadtteil zusammenzuarbeiten.
Gerade angesichts der sozialen und pädagogischen Herausforderungen der Schülerschaft erscheint eine solche Öffnung der Schule grundsätzlich notwendig.

4. Bei der Umsetzung wurden jedoch auch Fehler gemacht

Die Entwicklung verlief, unserer Ansicht nach, teilweise zu schnell. Herr Kästel wollte innerhalb kurzer Zeit sehr viele Veränderungen anstoßen.
Das traf auf ein System, das über Jahre mit deutlich anderen Strukturen und Erwartungen gearbeitet hatte.
Veränderungsprozesse hätten deshalb vermutlich langsamer, stärker moderiert und teilweise besser kommuniziert werden müssen. Nicht alle Beschäftigten fühlten sich bei Veränderungen ausreichend mitgenommen.
Gleichzeitig wurde von Lehrkräften teilweise deutlich mehr selbstständiges und eigenverantwortliches Arbeiten erwartet als zuvor. Auch dies führte zu Konflikten.
Es wäre deshalb falsch zu behaupten, bei der Führung und Kommunikation seien keine Fehler gemacht worden. Ebenso verkürzt wäre aber die Schlussfolgerung, dass die grundlegenden Probleme der Schule durch diese Führungsfehler entstanden seien.

5. Der Konflikt ist inzwischen stark personalisiert

Die Diskussion dreht sich mittlerweile sehr stark um die Person des Schulleiters. Dadurch geraten die strukturellen Probleme der Schule zunehmend aus dem Blick.
Auch die Darstellung, das Kollegium vertrete geschlossen eine bestimmte Position, entspricht nicht der Wahrnehmung aller Beschäftigten. Innerhalb des Kollegiums bestehen unterschiedliche Einschätzungen zur Schulentwicklung und zur aktuellen Situation.
Beschäftigte, die sich keiner klaren Seite zuordnen oder die Entwicklungen differenzierter beurteilen, erleben die derzeitige Atmosphäre teilweise als schwierig.
Die Auseinandersetzung sollte deshalb nicht weiter als Konflikt „Schulleiter gegen Kollegium“ geführt werden. Die tatsächlichen Positionen innerhalb eines großen Kollegiums sind wesentlich vielfältiger.

6. Die derzeitige Situation belastet diejenigen, die den Schulbetrieb aufrechterhalten

Trotz der aktuellen personellen Situation wird versucht, so viel Unterricht und schulischen Alltag wie möglich aufrechtzuerhalten.
Für die weiterhin anwesenden Lehrkräfte bedeutet dies teilweise eine erhebliche Mehrbelastung. Gleichzeitig müssen organisatorische Aufgaben übernommen und Lösungen gefunden werden, damit die Schülerinnen und Schüler weiterhin beschult werden können.
In der öffentlichen Diskussion wird diese Arbeit bislang nur wenig wahrgenommen.

7. Die Schülerinnen und Schüler geraten aus dem Blick

Besonders problematisch ist, dass letztendlich die Schülerinnen und Schüler die Folgen des Konflikts tragen.
Die große Mehrheit der Jugendlichen hat mit den öffentlich bekannt gewordenen Vorfällen nichts zu tun. Trotzdem müssen sie mit dem Ruf leben, eine bundesweit als besonders problematisch dargestellte Schule zu besuchen.
Gerade für Jugendliche, die einen Schulabschluss erreichen und anschließend einen Ausbildungsplatz finden möchten, kann eine dauerhaft negative öffentliche Wahrnehmung ihrer Schule problematisch sein.
Gleichzeitig gefährdet der interne Konflikt genau diejenigen Angebote, die diesen Jugendlichen zusätzliche Perspektiven ermöglichen sollen: Berufsorientierung, Kooperationen mit Unternehmen und Einrichtungen, sozialpädagogische Projekte, Präventionsangebote und ein aktives Schulleben.

8. Ein Personalwechsel allein wird die Probleme vermutlich nicht lösen

Die zentrale Frage sollte deshalb nicht ausschließlich lauten, wer die Schule zukünftig leitet.
Eine Schule mit dieser Größe und diesen Herausforderungen benötigt aus meiner Sicht eine wesentlich intensivere und längerfristige Unterstützung.
Denkbar wären insbesondere:
• eine engmaschige Begleitung durch Schulaufsicht und Schulträger
• professionelle Supervision für Schulleitung und Kollegium
• externe Moderation zur Aufarbeitung des inzwischen verhärteten Konflikts oder eben Aufbau eines komplett neuen Kollegiums und eines neuen Schulleitungsteams
• zeitweise Unterstützung durch erfahrene Schulmanager bzw. zusätzliche Führungskräfte
• eine Stärkung multiprofessioneller Teams
• ausreichend Schulsozialarbeit und sozialpädagogische Unterstützung
• zusätzliche Unterstützung bei Schulentwicklung und Organisationsentwicklung
• klare Strukturen und Zuständigkeiten
• ein langfristiger Entwicklungsprozess statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen

Nach den inzwischen entstandenen Konflikten dürfte es nicht ausreichen, lediglich einzelne Personen auszutauschen und anschließend zu erwarten, dass die Schule wieder funktioniert.
Kernbotschaft
Die Karolina-Burger-Realschule plus hat erhebliche Probleme. Diese sollten weder kleingeredet noch beschönigt werden.
Sie sind jedoch nicht innerhalb weniger Jahre entstanden und lassen sich deshalb auch nicht ausschließlich einer einzelnen Person zuschreiben. In den vergangenen Jahren wurden gleichzeitig viele Entwicklungsprozesse angestoßen, die für eine Schule mit dieser Schülerschaft notwendig sind. Bei Geschwindigkeit, Kommunikation und Umsetzung dieser Veränderungen wurden auch Fehler gemacht.

Die derzeitige Personalisierung des Konflikts droht jedoch den Blick auf die entscheidende Frage zu verstellen:
Welche dauerhaften personellen, pädagogischen und organisatorischen Strukturen braucht diese Schule, damit die Schülerinnen und Schüler die Unterstützung und Bildung erhalten, die ihnen zusteht?

Zuletzt aktualisiert am 24. August 2026, 18:32