Jan Fierley hat einen ungewöhnlichen Weg hinter sich: Vor fast genau zwei Jahren übernahm der Wegberger das örtliche Easy Fitness. Aus dem Fitnessstudio hat er inzwischen eine moderne Sport- und Gesundheitsstätte gemacht. Doch Fierley denkt längst über die Grenzen des Studios hinaus. Sein Ziel: Gesundheit soll nicht nur in Wegberg, sondern auch digital und in Arztpraxen neu gedacht werden.

Dafür hat der studierte beziehungsweise aus der IT-Branche kommende Unternehmer mit Carevado ein digitales System entwickelt, das den Empfang in Arztpraxen entlasten soll. Im Mittelpunkt steht dabei nicht die große technische Revolution, sondern ein Problem, das Fierley im Alltag vieler Praxen beobachtet: volle Wartezimmer, klingelnde Telefone und Medizinische Fachangestellte, die sich gleichzeitig um Verwaltung und Patienten kümmern müssen.

„Ich kenne viele Medizinische Fachangestellte, weil sie bei uns im Fitnessstudio Kurse geben oder hier trainieren. Ärzte ebenso“, sagt Fierley. Er habe sich mit ihnen zusammengesetzt und die konkreten Schmerzpunkte im Arbeitsalltag analysiert. Daraus entstand die Idee für Carevado.

Das System versteht sich als digitaler Empfangsconcierge. Patienten können bei der Ankunft an einem Tablet einen Fragebogen ausfüllen und angeben, weshalb sie die Praxis aufsuchen und welche Leistung sie benötigen. Je nach Anliegen kann sich der weitere Ablauf dadurch vereinfachen. Muss der Patient beispielsweise nicht in ein Behandlungszimmer, kann er nach der digitalen Erfassung seine Versichertenkarte am Empfang einlesen und die Praxis wieder verlassen.

„Das funktioniert so simpel wie ein Netzwerkdrucker“, beschreibt Fierley das Prinzip. Carevado soll zunächst vor allem in Haus- und Facharztpraxen sowie kleineren medizinischen Versorgungszentren eingesetzt werden. Dabei setzt das System auf die vorhandene Infrastruktur der Praxis und soll unabhängig von der jeweiligen Praxissoftware funktionieren. Eine Cloud-Anbindung ist nach Angaben des Unternehmens nicht erforderlich.

Das Konzept zielt vor allem darauf, medizinisches Personal von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. „Für das Backoffice benötigt die Praxis dann keine MFA mehr, sondern eine Bürokraft. So kann sich das medizinische Personal um die Aufgaben am Patienten kümmern“, erklärt Fierley. In einer Praxis wird Carevado derzeit bereits im Alltag getestet.

Auch bei der Entwicklung hat Fierley bewusst auf eine Zusammenarbeit mit Fachleuten gesetzt. Unterstützt wurde er vom KI-Experten Ralf Friedrichs. „Alle schreien derzeit nach KI. Wir müssen die Probleme da lösen, wo sie sind“, sagt Fierley. Aus seiner Sicht liegt eine zentrale Schwachstelle nicht am Telefon und auch nicht auf der Internetseite einer Praxis, sondern unmittelbar am Empfang. „Und da reicht eine smarte Lösung für kleines Geld.“

Carevado ist allerdings nicht das einzige Projekt, mit dem Fierley sein Gesundheitsangebot aus Wegberg heraus weiterentwickeln will. Mit „Livéon“ hat er ein weiteres Programm aufgebaut, das Menschen über acht Wochen beim Erreichen einer persönlichen Wunschfigur unterstützen soll. Das Konzept setzt auf Coaching statt Crash-Diät und kombiniert acht Coachingeinheiten mit einem Zielplaner sowie alltagstauglichen Empfehlungen.

„Warum soll ich das, was wir hier für die Gesundheit tun, nur in Wegberg anbieten?“, fragt Fierley. Mit Livéon soll das Angebot deshalb ebenfalls über den Standort hinaus verfügbar werden. Die Inhalte wurden nach seinen Angaben aus einer Vielzahl bestehender Angebote ausgewählt und zusammengestellt.

Ein weiterer Anreiz: Gesetzlich Versicherte können sich die Kosten je nach Krankenkasse und Teilnahmebedingungen teilweise oder sogar vollständig erstatten lassen. Fierley verspricht mindestens 75 Euro Cashback bei vollständiger Teilnahme; möglich seien bis zu 200 Euro. Voraussetzung ist, dass die jeweilige Krankenkasse das Präventionsangebot entsprechend anerkennt.

Für Fierley sind beide Projekte Teile einer größeren Idee. Sein Fitnessstudio soll nicht nur ein Ort für Training sein, sondern ein Gesundheitshub, aus dem heraus neue Angebote entstehen. Carevado setzt dabei direkt an einem der drängendsten Probleme im Gesundheitswesen an: der knappen Ressource Zeit. Statt mit möglichst viel Technik auf die Praxen zuzugehen, will der Wegberger eine einfache Lösung für einen ganz konkreten Engpass anbieten.