Museen und Galerien sind die klassischen Orte, Kunst zu präsentieren. Dabei bleiben die Betrachtenden passiv und die Kreativen haben ihre Arbeit bereits vollendet. Ein innovatives Format verfolgt in Düsseldorf nun einen anderen Ansatz. Denn dabei wird Kunst zum unterhaltsamen Event. In Anlehnung an die Battles, die es im Tanz oder im Rap gibt, treten dabei die Künstler vor den Augen des Publikums in einen kreativen Wettstreit. Passend dazu haben Christian und Tsilla Thömmes von EchterHand ihre Idee mit „Art Battle“ überschrieben.
Das Konzept sieht so aus: Zehn Künstler haben eine leere Leinwand vor sich. Sie wissen nicht, auf welches der beiden vorgegebenen Motive sich das Publikum einigen wird. Steht es fest, heißt es ran an die Staffelei. In zwei Runden und mit insgesamt einer Stunde Zeit, können sie ihre Vision davon umsetzen. „Auf diese Weise entsteht ein limitiertes Kunstwerk, das vom Publikum in einer stillen Auktion erworben werden kann“, erklärt Christian Thömmes die Grundidee. Und weil es ein Wettstreit ist, entscheidet eine Jury, welches Werk das mit 500 Euro dotierte Battle gewonnen hat. Bewertet werden dabei Technik, Farbton, Komposition und Themenumsetzung. „Wir wollen die Kunst zu den Menschen bringen und rausholen aus dem Schattendasein, das sie in Ateliers, Galerien und Museen führt“, ergänzt Tsilla Thömmes.
Der Impuls zum „Art Battle“ kam von ihr. Die Niederländerin ist selbst Künstlerin, besuchte eine Akademie und fühlte sich von den Vorgaben der Dozenten „eingeengt“. Kreativität werde so erstickt, führt sie aus. Sie entschied daraufhin, sich den Freiraum für ihre Kunst zu nehmen. Genau da setzt das Eventformat an. „Wir möchten, dass Künstler, die sonst als Einzelkämpfer unterwegs sind, mehr Sichtbarkeit bekommen“, sagt Christian Thömmes.
Denn der Kunstmarkt, das ist beiden klar, hat seine ganz eigenen Regeln. Die wenigsten Kunstschaffenden können von ihren Werken leben, malen eher im stillen Kämmerlein und in ihrer Freizeit neben dem Beruf. „Wenn jemand nicht an einer Kunstakademie war, wird es schwer, eine Galerie zu finden, die Werke ausstellen will. Hinzu kommt, dass die dann zwar in Kommission genommen werden, die Künstler oft dafür aber auch noch bezahlen müssen“, sagt Tsilla Thömmes.
Ein weiterer Aspekt, der die Veranstalter umtreibt, sind die Preise und der Erwerb von Kunst. „Wir wollen einerseits zeigen, dass gute Kunst erschwinglich sein kann und andererseits mit dem ‚Art Battle‘ auch die Messlatte niedriger hängen, sie erwerben zu können“, fasst ihr Mann zusammen. „Die Frage sollte nicht sein, ob ich mir das leisten kann, sondern ob ich mir ein Unikat ins Wohnzimmer hängen möchte?“ Die beiden wollen Künstler motivieren, mehr im Auftrag zu arbeiten. Denn auch Größen wie Rembrandt haben ihren Lebensunterhalt mit Auftragsarbeiten bestritten.
Das Paar weiß wohl, dass ein Wettstreit mit Zeitlimit und ohne Vorbereitung nicht für jeden Künstler geeignet ist. Doch sie hoffen, dass die Herausforderung angenommen wird, um neue Wege, kreativ zu werden und sich zu vermarkten, kennenzulernen. „Wir möchten damit auch den Austausch zwischen den Kreativen und den potenziellen Kunden fördern“, sagen sie.
Die Premiere des „Art Battle“ vor wenigen Wochen kam bei Publikum und Teilnehmenden sehr gut an. Das Paar hofft, das Format monatlich zu etablieren. Mitmachen können Künstler, die malen oder zeichnen, Lust auf den Live-Wettstreit haben und sich zutrauen, ein Bild mit Zeitlimit als Auftragsarbeit zu erstellen. „Für die Kunden ist es eine Möglichkeit, sich ein Unikat auf Wunsch erstellen zu lassen“, bringt Christian Thömmes das Ziel auf den Punkt. Wohl wissend, dass in der Kunstszene dieser Ansatz oft negativ bewertet wird. Schließlich soll ein Maler oder Bildhauer seinen eigenen Stil entwickeln. „Dabei schließt das eine das andere ja nicht aus“, meint er und verweist darauf, dass man sich bis heute Familienporträts von bekannten Künstlern erstellen lässt oder das Lieblingspferd gern als Gemälde an der Wand sehen würde. „Also warum sollen wir im digitalen Zeitalter genau diesen klassischen Ansatz ungenutzt lassen und nicht zeitgemäß umsetzen?“