Wasserförderung im Fuhrberger Feld.

Stand: 25.08.2026 15:54 Uhr

Das Fuhrberger Feld ist das größte Wasserschutzgebiet Norddeutschlands. Hier entscheidet sich gerade eine Frage, die weit über die Region Hannover hinausweist: Wie viel Grundwasser können wir uns in Zeiten des Klimawandels noch leisten?

von Nicola von Hollander

Seit mehr als hundert Jahren wird hier Grundwasser gefördert. Enercity versorgt mit dem Wasser aus dem Fuhrburger Feld 740.000 Menschen der Region Hannover. Doch inzwischen hat sich die Ausgangslage verändert. Es regnet weniger, beziehungsweise anders, Trockenperioden werden länger, die Verdunstung nimmt zu. Das Wasser, das von oben nachkommt und den Grundwasserkörper wieder auffüllt, reicht vielerorts nicht mehr so selbstverständlich aus wie früher.

Trockenperioden nehmen zu – Grundwasserbedarf steigt

Jens Palandt (Die Grünen), erster Regierungsrat und Dezernent für Umwelt, Klima, Planung und Bauen der Region Hannover.

Jens Palandt (Grüne) hat die Aufgabe über zukünftige Wasserrechte zu entscheiden und nachhaltige Lösungen zu suchen, um auch in Zukunft alle Verbräuche zu decken.

„Man kann fast sagen, es wird einen Kampf ums Wasser geben“, sagt Jens Palandt (Die Grünen), erster Regierungsrat und Dezernent für Umwelt, Klima, Planung und Bauen der Region Hannover. Er entscheidet über zukünftige Wasserrechte und sucht nachhaltige Lösungen, um auch in Zukunft den Verbrauch zu decken. Der Wasserversorger „Enercity“ hatte bis 2020 im Fuhrberger Feld ein Wasserrecht über rund 41 Millionen Kubikmeter jährlich. Dieses Recht ist ausgelaufen. Seitdem wird provisorisch weitergefördert. Beantragt sind erneut bis zu 41 Millionen Kubikmeter Fördermenge aus dem Grundwasser.

Grundwasserspiegel sinkt: Bäume leiden

Damit ist aus einem ausgelaufenen Wasserrecht eine Zukunftsfrage geworden. Denn im Fuhrberger Feld treffen mehrere Interessen auf denselben, immer tiefer sinkenden Grundwasserspiegel: Trinkwasserversorgung, Landwirtschaft, Wald und Natur. Jeder einzelne Anspruch ist nachvollziehbar. Zusammen aber entsteht ein neuer Nutzungsdruck. Klimawandel und trockene Sommer erhöhen diesen Druck auf das Grundwasser. Besonders sichtbar wird das im Wald. Im Fuhrberger Feld sterben Eichen, deren Wurzeln das Grundwasser heute offenbar nicht mehr so erreichen wie früher. Für die Waldbesitzer ist daher klar: Sinkt das Wasser tiefer, geraten Bäume unter zusätzlichen Stress.

Baumsterben durch Klimawandel?

Ein toter Baum am Fuhrberger Feld.

Ein toter Baum am Fuhrberger Feld.

Enercity sieht den Klimawandel als Ursache des Eichensterbens. „Das ist ein klimabedingtes Phänomen, was deutschlandweit zu beobachten ist und uns alle als Gesellschaft betrifft. Hitze und klimabedingte Trockenheit wirkt sich sehr schnell auf die Vegetation aus“, sagt Mahan Moradi Tehrani, Betriebsleiter Wasserwerke bei Enercity. Der Klimawandel verändert die Ausgangslage – und macht damit eine jahrzehntelang funktionierende Nutzung des Grundwassers zu einem neuen Problem. Was früher möglicherweise verkraftbar war, kann unter den Bedingungen zunehmender Trockenheit zum Konflikt werden.

Wie kann Grundwasser künftig bewirtschaftet werden?

Im Fuhrberger Feld wird deshalb nicht nur über Wassermenge, die Enercity entnehmen darf, gestritten. Es geht um die Frage, wie ein Grundwasserkörper künftig bewirtschaftet werden kann, wenn die Bedarfe steigen, aber weniger Wasser zur Verfügung stehen. Etwa zehn bis fünfzehn Prozent des Grundwassers braucht die Landwirtschaft zur Beregnung. Der Bewässerungsbedarf wächst, wenn Böden austrocknen und Niederschläge unzuverlässiger werden.

Wasser: Konkurrenz zwischen Stadt und Land?

Mahan Moradi Tehran in einem Wasserwerk von Enercity.

Mahan Moradi Tehrani ist ist leitender Ingenieur des Wasserwerkes Elze.

Die Region Hannover steht vor einem Dilemma: Sie muss die Versorgung sichern und gleichzeitig berücksichtigen, was ein Grundwasserkörper und die von ihm abhängigen Ökosysteme dauerhaft verkraften. Auch Enercity spricht von einem erheblichen Nutzungsdruck. „Wir können nicht so weitermachen. Wasser ist ein extrem knappes Gut. Wir bei Enercity wollen unsere Kundinnen und Kunden mit sauberem Trinkwasser beliefern. Aber der Kuchen wird nicht größer“, sagt Mahan Moradi Tehrani.

Unterschiedliche Wasserbedarfe

Regionsrat Jens Palandt beschreibt den Konflikt im Interview mit dem NDR so: „Wasserbedarf ist eine ganz harte, auch gesellschaftspolitische Debatte, die wir zwischen Stadt und Land führen. Auf dem Land sieht man, dass sehr viel Wasser aus dem Fuhrberger Feld in den städtischen Raum abtransportiert wird. Und auch, wie möglicherweise Schäden entstehen, die wir natürlich vermeiden wollen. Das ist eine Debatte, die geführt werden muss und die kann auch hart werden.“

Regeln aus dem Jahr 1911 noch aktiv

Auch ein Wasserrecht beantwortet nicht die Frage, ob sich die ökologischen Bedingungen, unter denen dieses Recht ursprünglich erteilt wurde, inzwischen verändert haben. Im Fuhrberger Feld zeigt sich genau diese Verschiebung. Hier gilt noch ein altes, preußisches Wasserrecht von 1911. Was damals als dauerhaft nutzbar erschien, muss heute unter völlig anderen klimatischen Bedingungen bewertet werden. Aber dieses Recht, mit dem Enercity jährlich fast sieben Millionen Kubikmeter Grundwasser fördern darf, ist beständig und unkündbar.

Der Wald kann für Grundwasser sorgen

Außerdem ist entscheidend, wie viel Wasser im Kreislauf bleibt. Enercity besitzt 30 Tausend Hektar Wald und versucht diesen zum Laubmischwald umzubauen – ebenso wie die Landesforsten der Region Hannover. Denn: An Nadelbäumen bleibt Regenwasser in den Nadeln hängen und erreicht weniger den Boden als bei Laubbäumen. Diese sind in der niederschlagreichen Jahreszeit unbelaubt, das Regenwasser erreicht den Boden und kann zum Grundwasser durchsickern.

Waldeigentümer fordern Rückführung des Abwassers

Die vierte Reinigungsstufe von Kläranlagen wird in den Gesprächen als Teil einer möglichen Lösung genannt. Wasser könnte stärker gereinigt und wieder in den Wasserkreislauf des Fuhrberger Feldes zurückgeführt werden. Dazu kommen Einsparung, Wiederverwendung und eine veränderte Bewirtschaftung. Es geht also um einen Perspektivwechsel: „Wir brauchen mehr Wasserkreisläufe und müssen mehr Wasser sparen“, sagt Jens Palandt.

Fuhrberger Feld könnte zum Musterfall werden

Das Fuhrberger Feld ist hinsichtlich der Grundwassersituation ein exemplarischer Ort. Hier lässt sich beobachten, was künftig vielerorts zum Problem werden könnte: Eine Ressource, die lange ausreichend erschien, wird durch den Klimawandel knapper. Gleichzeitig steigen die Ansprüche. Vielleicht ist die wichtigste Erkenntnis aus dem Fuhrberger Feld: Wir sollten lernen, mit weniger verfügbarem Wasser anders zu wirtschaften – bevor aus Nutzungskonkurrenz ein echter Kampf ums Wasser wird.

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