Lisa ist feiern in Augsburg. Techno läuft am Green Belt-Festival im Roten-Tor-Park, die Menge tanzt, die Stimmung ist friedlich. Doch nicht jede Nacht endet unbeschwert. Lisa erinnert sich an ein Erlebnis aus ihrer Vergangenheit.
Awareness-Teams und Safe Spaces für Party-Gäste
Vor vielen Jahren, auf einer anderen Party, wurden der jungen Augsburgerin K.o.-Tropfen verabreicht: „Mir ging’s sehr schlecht, ich habe mich an gar nichts mehr erinnert. Alle Leute, die mit mir unterwegs waren, haben gesagt, das ist nicht normal gewesen“.
Wenn so etwas beim Feiern passiert, können sogenannte „Awareness-Teams“ helfen. Geschultes Personal, das bei Veranstaltungen vor Ort ist und Betroffene unterstützt. Auch Rückzugsorte, sogenannte „Safe-Spaces“, gibt es auf Veranstaltungen immer häufiger. Doch nicht jeder Club oder Veranstalter bietet solche Angebote an.
Pilotprojekt in Augsburg: Safe Space im Moritzpunkt
Genau da setzt ein neues Angebot in Augsburg an. Die katholische Cityseelsorge hat im Moritzpunkt in der Maximilianstraße testweise einen Safe Space für junge Feiernde eingerichtet. Leiterin Miriam Zöller und Polizeiseelsorger Andreas Ihm bereiten den Raum vor: gedimmtes Licht, ruhige Musik, niedrige Tische, bequeme Sessel mit Decken, Wasser und Snacks. Es soll ein Ort zum Durchatmen sein.
Gedacht ist der Safe Space für Menschen, denen die Party zu viel wird, die ihre Gruppe verloren haben, deren Handy-Akku leer ist, bis hin zu Betroffenen von Übergriffen oder K.o.-Tropfen: „Dann schauen wir gemeinsam: Was braucht derjenige, was dürfen wir tun? Entweder die Rettung rufen oder wenn es wirklich eine Straftat ist, und der- oder diejenige damit einverstanden ist, dann würde man natürlich auch die Polizei holen“, erklärt Leiterin Miriam Zöller.
Niedrigschwellige Hilfe ohne Kirchenmitgliedschaft
Zöller betont, dass der Safe Space weder Polizei noch Rettungsdienst ersetzen soll. Wer gesundheitliche Probleme hat, etwa nach Drogenkonsum, wird im Zweifel an den Rettungsdienst verwiesen. Wer jedoch auf Substanzen Hilfe sucht, muss nicht mit einer Anzeige rechnen. Konsum im Safe Space ist tabu, aber Hilfe bleibt Hilfe.
Wichtig ist Zöller die Niedrigschwelligkeit: Für manche sei es einfacher, sich fremden Menschen anzuvertrauen als Freundinnen, Freunden oder Eltern. Gerade, wenn Scham eine Rolle spielt. Junge Erwachsene können im Moritzpunkt einfach anklopfen, ein Glas Wasser trinken, mit jemandem reden, ihr Handy aufladen und zur Ruhe kommen. Eine Kirchenmitgliedschaft oder ein persönlicher Glauben ist keine Voraussetzung.
Für Seelsorger Andreas Ihm ist das Angebot ein Kernauftrag der Kirche: „Wir stellen den Menschen in den Mittelpunkt. Das, was er jetzt gerade braucht. Und wenn sie gerade in Ausnahmesituationen sind: da zu sein und die Menschen zu unterstützen.“
Positive Bilanz nach erster Nacht
Der erste Praxistest: In der Nacht des Pilotprojekts kommt niemand mit einem dramatischen Notfall in den Moritzpunkt. Stattdessen bleiben viele junge Leute stehen, informieren sich. Vor allem Frauen nutzen den Raum, um dem Trubel der Innenstadt zu entfliehen. Für Zöller ist das dennoch ein Erfolg. Ein „erfolgreicher Testballon“, der sie und ihre Kollegen bestärkt.
Von der einen Nacht zum festen Angebot
Bereits vor dem ersten Einsatz stößt das Projekt auf breite Zustimmung: Die Stadt Augsburg signalisiert Interesse, die Polizei begrüßt das Angebot, man sei mit der Augsburger Club- und Kulturkommission in Kontakt.
Am 24. September wollen Cityseelsorge und die Antidiskriminierungsstelle der Stadt Augsburg die erste Nacht gemeinsam auswerten. Dann sollen weitere Termine geplant und die Zusammenarbeit mit der Clubszene vertieft werden.