An einem geheimen Ort in der Ukraine sitzt Robert Browdi – grauer Krausebart, schwarzes Basecap, dunkle Augenringe – vor einer Betonwand und zündet sich eine Zigarette an. Wüsste die russische Armee, wo er sich gerade befindet, hätte sie sein Quartier wohl längst in die Luft gejagt.

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Denn Browdi ist der in Russland derzeit gefürchtetste Kommandeur der ukrainischen Armee.

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Seine Einheiten schießen mit Drohnen, die er „freiheitliebende ukrainische Vögel“ nennt, Tanklaster auf der Krim ab.
Sie kappten im Frühjahr die Benzinversorgung auf der annektierten Halbinsel und versetzten sie in den Ausnahmezustand. Sie setzen Ölraffinerien bei Moskau in Brand, zerstören Waffenfabriken in Westrussland und lassen ein Lager des Online-Händlers „Wildberries“ nach dem anderen explodieren.
Selbst Russlands Machthaber Wladimir Putin musste einräumen, dass Browdis „Vögel“ seinem Imperium Unannehmlichkeiten bereiten.

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Und damit nicht genug: „Wir haben 22 Lager von Wildberries zerstört und werden auch die restlichen zerstören“, sagt Browdi dem Tagesspiegel im Videocall.
Wenn Browdi über die Zukunft spricht, benutzt er keine Konjunktive: „Wildberries wird künftig nicht mehr in Russland arbeiten können.“
Hätte er zu Beginn der Vollinvasion so arbeiten können, manches wäre anders gekommen, da ist sich Browdi sicher. Als die Truppen der Atommacht Russland im Februar und März 2022 auf Kyjiw zumarschierten und die Hauptstadt innerhalb von wenigen Tagen einnehmen wollten – da hätte man sie allein mit den Drohnen von heute aufhalten können. Da ist Browdi sicher, er hält viel von dieser Militärtechnik.
„Wir hätten sie bereits in einer Entfernung von 150 Kilometern aufgespürt und ihre Zufahrtswege mit Drohnen vermint.“ Hätten.
Doch vor viereinhalb Jahren, als der Unternehmer Browdi sich freiwillig zum Dienst meldete, feuerte er noch mit einer „ganz normalen Kalaschnikow“ auf russische Soldaten.

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Drohnen kamen kaum zum Einsatz.
Er und seine Kameraden hätten damals also gar nicht „richtig gekämpft“. Alles vor der Drohnenwende erscheint ihm, dem Kommandeur der ersten Drohnenteilstreitkräfte der Welt, rückblickend dilettantisch.
Die Front stockte, Drohnen machten sie tödlicher
Zwar wurde die Kampfdrohne weder in Russland noch in der Ukraine erfunden. Die USA etwa intensivierten ihre Nutzung in Anti-Terror-Einsätzen nach dem 11. September. Doch der Umfang, in dem Kampfdrohnen heute in Russlands Angriffskrieg zum Einsatz kommen, ist beispiellos.
Der Drohnendurchbruch nahm Ende 2022 seinen Ursprung. Die Ukraine hatte die russische Armee gerade in den Osten des Landes zurückgedrängt. Und dann stockte die Front.

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Soldaten buddelten sich in Schützengräben ein, sie verminten ganze Landstriche. Stellungskrieg.
Dabei sind die kleinen, agilen Drohnen besonders praktisch. Denn sie ermöglichen Aufklärung und Angriffe, ohne dass ein Soldat oder Panzer seine Stellung verlassen muss. Doch je stärker sie zum Einsatz kommen, desto tödlicher wird das Schlachtfeld. Für die Soldaten an der Front bedeutet das zuallererst, dass sie den Himmel im Blick behalten müssen. Jederzeit könnte von dort ein tödliches Geschoss auf sie herabstürzen.

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Soldaten wie Browdi bezweifeln deshalb, dass sich der Einsatz Millionen Euro teurer Panzer künftig noch lohnt.
Wenn sie doch von Drohnen, die um ein Tausendfaches billiger sind, innerhalb von Sekunden zerstört werden können. „Das ist pure Mathematik, eine Kosten-Nutzen-Rechnung“, sagt Browdi. Die Drohne ist im russischen Angriffskrieg das, was der Panzer im Ersten Weltkrieg war: ein Gamechanger. Und auf den Drohnendurchbruch folgte ein weiteres, aus der Kriegsgeschichte bekanntes Muster: Das Wettrüsten hat begonnen. Und es wird bestimmen, wie die Kriege der Zukunft geführt werden.
Welche Drohnen kommen wie zum Einsatz?
Dass im Kontext des Krieges von „Drohnen“ die Rede ist, kann zu einem großen Missverständnis führen. Viele Deutsche dürften bei dem Wort an kleine Freizeit- oder Filmdrohnen denken, die in der Produktion für YouTube, Fernsehen und Kino immer häufiger zum Einsatz kommen, weil sie Aufnahmen aus neuen Perspektiven ermöglichen.

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Auch solche Drohnen kommen zur Aufklärung an der Front zum Einsatz.
Jeder einfache Soldat kann handelsübliche Drohnen bedienen, um seine Umgebung auszuspähen. Die Ukrainer nannten Drohnen deshalb schon früh „die Augen der Armee“. Doch fortschrittliche Kriegsdrohnen ähneln mittlerweile eher Raketen und sind teils größer als ein hochgewachsener Mensch.
Zwei Drohnentypen: ferngesteuert oder selbstständig
Die Ukraine und Russland schicken je nach Einsatzzweck unterschiedliche Objekte in den Kampf. Manche von ihnen, die First-Person-View-Drohnen (FPV), werden per Funkverbindung von Piloten ferngesteuert. Sie haben Kameras, übertragen ein Livebild und werden an der Front genutzt, wo sie gegnerische Soldaten im Sturzflug mit Sprengsätzen töten.
Etwa 90 Prozent der dokumentierten Verluste im Krieg zwischen Russland und der Ukraine gehen auf Drohnen zurück, sagt Andreas Rapp.

Andreas Rapp ist Oberstleutnant und Militäranalyst am German Institute for Defence and Strategic Studies (GIDS), der Denkfabrik der Bundeswehr in Hamburg. Er arbeitet unter anderem zum Thema Drohnenkriegsführung.
Der Drohnenexperte von der Denkfabrik der Bundeswehr spricht von einem „hochtransparenten Gefechtsfeld, in dem Bewegungen kaum unbeobachtet stattfinden können“. Wer sich bewegt, wird also entdeckt – und getötet. Darum könne man inzwischen nicht mehr von einer klaren Frontlinie sprechen, sondern besser von breiten und langen „Todeszonen“.
Die Russen seien dadurch im Nachteil, müssen sie doch Gelände überwinden, um Gebiete zu besetzen, sagt Rapp. Auch deshalb übersteigen ihre Verluste die der Ukraine im ersten Halbjahr 2026 um ein Achtfaches, wie das Center for Strategic and International Studies (CSIS) schätzt. Viele Experten rechnen daher damit, dass Russland nach den Parlamentswahlen im September eine neue Zwangsmobilisierung einleitet.

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Doch im Stellungskrieg ist nicht allein das Geschehen in der Todeszone entscheidend.
Es geht auch um den Bereich dahinter. Von dort aus bekommen die vorn kämpfenden Soldaten ihre Befehle, von dort aus werden sie mit Nachschub versorgt. Wer hier für Zerstörung sorgt, schneidet den Soldaten die Lebensadern ab. Drohnen haben auch diese Angriffe erleichtert.
Sogenannte „Middle Strike“-Drohnen überqueren die Front und fliegen 50 bis 150 Kilometer weit ins Hinterland, erklärt Rapp. Ihre Ziele seien unter anderem Artillerie, Flugabwehrsysteme sowie Radaranlagen. „Die rückwärtigen Räume sind um ein Vielfaches gefährdeter als noch vor einigen Jahren.“
Geran-2: Russlands Waffe für die Distanz
Andere Drohnentypen folgen festgelegten Strecken, sie navigieren per Satellit und können weite Distanzen überbrücken. Ein typisches russisches Langstrecken-Modell heißt Geran‑2. Es geht ursprünglich auf eine Drohne des russischen Verbündeten Iran zurück und ist besser bekannt als Schahed.

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Die ersten aus Iran gelieferten Schaheds setzte Russland bereits 2022 gegen die Ukraine ein – später stellte Russland sie mit einer Lizenz selbst her. In Massenproduktion in der Sonderwirtschaftszone Jalabuga in Tatarstan, wo laut Schätzungen mittlerweile rund 5000 Drohnen pro Monat vom Band gehen.

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Das CSIS schätzt die Kosten für die russische Geran-2 auf rund 20.000 bis 50.000 US-Dollar pro Stück.
Die Geran-2 kann einen 90 Kilogramm schweren Sprengkopf mehr als tausend Kilometer weit tragen, bis das ganze Geschoss im Ziel explodiert. Putins Armee feuert diese Drohne daher aus Distanz auf militärische und zivile Ziele ab – in Schwärmen von mehreren Hundert Stück.
Viele dieser Drohnen werden abgefangen, doch das muss die Invasoren nicht stören. Denn die Billigwaffe dient auch der Überlastung der Flugabwehr. Die Geran-2 werden ganz bewusst zusammen mit schwierig abzuwehrenden ballistischen Raketen und neuen Drohnen mit Jetantrieb losgeschickt.

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Das Ziel: die Zivilbevölkerung zu terrorisieren.
Drohnenterror – und was dagegen hilft
Die Geran-Drohne nähert sich mit einem bedrohlichen Surren: Bsssssssss. Plötzlich: tschu tschu tschu tschu. Schüsse der Flugabwehr. Kurze Stille. Buuuuuuumm. Eine laute Explosion? Dann wurde die Drohne abgeschossen, Treffer. So gut wie alle Menschen in der Ukraine haben gelernt, diese Geräusche zu deuten: Drohnen erkennen sie am unverkennbaren Surren.

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Die Flugabwehr am schnellen Takt der Schüsse.

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In ukrainischen Städten sind oft mobile Flugabwehreinheiten unterwegs, die Drohnen mithilfe von Panzern oder per Hand mit Maschinengewehren oder tragbaren Abwehrsystemen abschießen.
Doch seit vergangenem Jahr nutzt die Ukraine vermehrt Drohnen, um damit wiederum Drohnen abzufangen. Wie so oft in diesem Krieg, ist der Kostenfaktor entscheidend.
Auch Abfangraketen holen Geran-2-Drohnen vom Himmel, aber sie kosten um ein Hundertfaches mehr. Ukrainische Hersteller haben deshalb eigens Abfangdrohnen entwickelt.

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Die wohl bekannteste ist die „Sting“, Englisch für Stich.
Sie sieht aus wie eine überdimensionierte Patrone mit vier Propellern und ist mit einer Wärmebildkamera sowie einem KI-System ausgestattet. Sie zerstört die gegnerische Drohne, indem sie sie rammt oder einen Sprengsatz in der Nähe detonieren lässt.
Sobald Zivilisten bei nächtlichen Drohnenattacken Explosionen hören, können sie nur hoffen, dass die Drohnenteile nicht auf ihr Haus stürzen.

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Oder die Drohne der Abwehr ganz entgeht und geradewegs in einen Häuserblock kracht.
Russlands Drohnen attackieren aber auch, was für die Menschen in der Ukraine lebensnotwendig ist: Energieinfrastruktur, Eisenbahnstrecken, Häfen für den Export am Schwarzen Meer.
Bis Mai 2026 registrierte der monatliche Analysebericht „Monitor Luftkrieg Ukraine“ einen deutlichen Anstieg der russischen Einsätze von Langstreckendrohnen. Bis zu 7500 davon feuerte Putins Armee demnach monatlich auf die Ukraine ab. Meist waren es Drohnen vom Typ Geran-2.
Auffällig: Seit Juni geht die Zahl der Drohnen demnach zurück, stattdessen würden mehr Marschflugkörper und ballistische Raketen eingesetzt. Damit nutzt Russland wahrscheinlich den Mangel Kyjiws an Abwehrraketen gegen Ballistik aus.
Doch was den Drohnenrückgang angeht, vermuten die Experten die Ursache insbesondere in einer Fortsetzung der Rüstungsspirale. Denn Russland verbessert bei den Geran-2 den Antrieb. „Sobald diese Umstellung abgeschlossen ist, könnte Russland mit seinen Langstreckendrohnen wieder größere Schäden an der Energieinfrastruktur erzielen – so wie in den Winterkampagnen der letzten Jahre.“
Offensichtlich soll damit in der Ukraine der Wille gebrochen werden, den Verteidigungskrieg weiter mitzutragen.
Der Wettlauf um Geschwindigkeit und Reichweite
Höher, schneller, weiter gilt besonders im Drohnenkrieg. Russland hat die Geran-Drohne deshalb mehrfach weiterentwickelt. Das Nachfolgemodell soll nach ukrainischen Armeeangaben viermal so schnell wie die Vorgängerversion sein und nur noch 35 Minuten von der belarussischen Grenze in die ukrainische Hauptstadt benötigen.
Und die neue Version seiner BM-35-Kampfdrohne verband Russland mit dem Satellitennetzwerk Starlink von Techmilliardär Elon Musk. So wurde sie resistenter gegen Störmaßnahmen. Das berichtete das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) Anfang des Jahres.
Allerdings haben Vorteile im Drohnenwettlauf nur eine kurze Halbwertszeit: Der ukrainische Ex-Verteidigungsminister Mychailo Fedorow, der gute Kontakte ins Silicon Valley pflegt, konnte Musk schon kurz darauf überzeugen, den Russen Starlink abzustellen.

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Denn dass die Ukraine im Wettrüsten mit dem ungleich größeren und vermögenderen Russland mithalten kann, ist auch sein Verdienst.
Noch als Minister für Digitale Transformation entwickelte er die Plattform „Brave1“ mit. Ein „Amazon für die Armee“, das Hersteller und Militärs direkt miteinander vernetzte. Soldaten können Prototypen der Hersteller kaufen und unter Kriegsbedingungen testen. Versagt ein Modell, wird es nicht gekauft. Innovation durch Wettbewerb.
Die ukrainische Antwort auf Geran-2
Die ukrainische Antwort auf die russischen Geran-Langstreckendrohnen heißt FP-1. Die Abkürzung FP steht für Fire Point, den Hersteller des Modells. Wie so viele Rüstungsfirmen in der Ukraine mauserte dieser sich vom Garagen-Start-up zum Großunternehmen. Heute produziert es eigenen Angaben zufolge 200 Drohnen pro Tag und hat einen der größten Rüstungsverträge mit dem ukrainischen Verteidigungsministerium. Zwischenzeitlich überschattete ein Korruptionsskandal den Medienhype um die Firma – doch fest steht:

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Die FP-1 fliegt zuverlässig bis nach Moskau – oder weiter.
Und mit einem Preis von rund 55.000 Dollar pro Stück ist sie nicht maßgeblich teurer als die russische Geran-Drohne.
Auch Browdi und seine Drohnenpiloten fliegen mit der FP-1. Sie trägt jeweils einen bis zu 60 Kilogramm schweren Sprengkopf und kommt mehr als 1000 Kilometer weit. Für Abstriche bei der Reichweite montiert Fire Point auch einen mehr als 100 Kilogramm schweren Sprengkopf (FP-2).

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Um ein strategisches Ziel in Russland oder auf der Krim zu treffen, benötigten Browdis Einheiten im Durchschnitt drei Drohnen, sagt er.
In Russland selbst wurden zwischen Januar und Ende Juni allein 22 Öl-Raffinerien getroffen, wie das US-Institut für Kriegsstudien zählte. Teils war die Öl-Infrastruktur demnach bis zu 2000 Kilometer von der russisch-ukrainischen Grenze entfernt. Manche Militärexperten sagten, die Ukraine habe den Krieg damit „in eine neue Phase“ gebracht.
Die Strategie hinter den ukrainischen „Deep Strikes“, wie Angriffe mit Langstreckendrohnen genannt werden, kann Browdi auswendig herunterbeten.
Die Ukraine will Russlands Finanzquellen trockenlegen
Zuerst hätten sie Russlands mehrstufiges Flugabwehrsystem aus Ortungsgeräten, Radarsystemen und Abfangraketen aufspüren müssen.

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„Wir haben Hunderte von Anlagen ausfindig gemacht, zerstört, vom Strom getrennt und unbrauchbar gemacht.“

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Das erst ermöglichte die Deep Strikes auf Ölraffinerien, Fabriken und Häfen im europäischen Teil Russlands.
„Es geht darum, Russlands Finanzquellen trocken zu legen. Auch alle Waffenproduzenten sind legitime Ziele und haben bei uns die oberste Priorität.“ Auf diese Art könne die ukrainische Armee das Gleichgewicht an der Front halten, obwohl Russland über mehr Ressourcen verfüge. Experte Rapp formuliert es so: „Die strategische Drohnenkampagne der Ukraine zielt auf die Zerstörung der russischen, staatlichen Fähigkeit, den Krieg mit finanziellen und materiellen Ressourcen zu versorgen“.
Doch was Browdi und seine Einheiten machen, ist auch politisch: „Putin kann der eigenen Bevölkerung vor den Wahlen keine Erfolge verkaufen.“

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Den Menschen in Russland, sagt Browdi, würde jetzt das Sicherheitsgefühl abhandenkommen. „Und dann stellt sich bei ihnen die logische Frage: Wozu tun wir das alles eigentlich?“
Die Drohne ersetzt nicht mehr nur zunehmend Artillerie, Abfangraketen und Scharfschützen – sie ist auch eine Waffe zur psychologischen Kriegsführung.
Welche Seite ist momentan im Vorteil – und was ist mit KI-Drohnen?
Wer die Oberhand im Drohnenkrieg behält, führt. Aber gewinnt er auch? Die Ukraine und Russland führen einen Abnutzungskrieg, bei dem nicht einzelne Siege auf dem Schlachtfeld maßgeblich sind, sondern das Durchhalten. Wem die Puste ausgeht, der verliert. Drohnenexperte Andreas Rapp sagt: „In dieser Konstellation kann keine der beiden Seiten auf Drohnen verzichten.“ Sie würden den Sieg nicht erzwingen können, aber womöglich die Voraussetzungen für entscheidende Ereignisse schaffen.

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Im Luftkrieg nutzt Russland derzeit den offensichtlichen Vorteil aus, dass die Ukraine mangels US-amerikanischer Patriot-Abwehrraketen kein Mittel gegen die ballistischen Raketen hat.
Doch im brutalen Wettkampf der Drohnen scheint die Ukraine vorn zu liegen. Sie setze diese Waffen momentan jedenfalls planvoller und effektiver ein als Russland, sagt Experte Rapp. Das sind die Gründe:
- Auf dem Schlachtfeld sei der Kampf zwar recht ausgeglichen, doch die Ukraine habe als verteidigende Kriegspartei den Vorteil, sich weniger exponieren zu müssen.
- Die Drohnenattacken auf die russische Logistik hinter der Front stellten Russland vor erhebliche Probleme bei der Versorgung von Soldaten und der Krim.
- Die Angriffe auf die russische Ölindustrie verringerten die russische Kriegsfähigkeit.
Doch all das muss nicht so bleiben. Viel dürfte vom Einsatz Künstlicher Intelligenz abhängen. Die Ukraine hat laut dem Ex-Verteidigungsminister Fedorow eine Datenbank aus Millionen von Kriegsaufnahmen, mit denen ein Computersystem im ukrainischen Militär trainiert wurde. Wie ChatGPT oder Google Gemini könnten auch die KIs von Kampfdrohnen mit gigantischen Datenmengen gefüttert werden, nur dass es bei ihnen darum geht, den Krieg zu lernen.
Russland hat in der Zwischenzeit eine neue Version der Geran-Drohne entwickelt: Die „Geran Seeker“ verfügt über einen Jetantrieb und macht ihre Ziele selbstständig mithilfe von KI aus. Doch auch ukrainische Abfangdrohnen nutzen diesen Mechanismus – um wieder russische KI-Drohnen vom Himmel zu holen.

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Ganz ohne Menschen werden Drohnen aber nie auskommen, da ist sich Drohnenkommandeur Browdi sicher.
Militärexperten sagen: Kriege werden weiterhin auch mit Soldaten, Panzern und Artillerie geführt.
Dennoch scheint Browdis Prognose düster: Die Drohne der Zukunft werde der Menschheit „sehr viel Ärger bereiten”. Mehr noch: „Die Drohne wird die Plage unseres Jahrhunderts.“
Text und Recherche: Tobias Mayer, Maria Kotsev
Bildredaktion: Julia Brigasky
Grafik: Fabian Bartel
Artdirektion: Anke Dessin