Bielefeld. Über Gleichberechtigung wird in der evangelischen Kirche schon lange gesprochen. Im Kirchenkreis Bielefeld soll es künftig aber nicht beim Reden bleiben: Eine neue Initiativgruppe will sich gezielt für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen und Diskriminierung innerhalb der Kirche und darüber hinaus entgegentreten.
Die Kreissynode hat die Gruppe bei ihrer Sommersitzung mit großer Mehrheit offiziell mit dieser Aufgabe betraut. Dabei geht es den Initiatoren nicht allein um die Frage, welche Rolle Frauen und Männer innerhalb der Kirche einnehmen. Im Blick sind ebenso Queerfeindlichkeit, gesellschaftliche Ausgrenzung und der Umgang mit politischen Strömungen, die aus Sicht der Gruppe demokratische und christliche Grundwerte infrage stellen. „Dieses Thema betrifft unsere Kirche als Ganzes“, sagt Superintendent Christian Bald.
Heidemarie Winkel, Soziologie-Professorin an der Universität Bielefeld und Sprecherin der Initiative, sieht vor allem angesichts gesellschaftlicher Polarisierung Handlungsbedarf.
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Verrohung gesellschaftlicher Debatten und Gewalt
Frauen- und queerfeindliche Einstellungen seien sichtbare Zeichen einer Entwicklung, die mit der Verrohung gesellschaftlicher Debatten und zum Teil auch mit Gewalt einhergehe.
Dass sich die Kirche dabei selbst nicht außerhalb dieser Entwicklungen sehen könne, gehört ausdrücklich zum Ansatz der Gruppe. Eine YouGov-Umfrage im Auftrag der Katholischen Nachrichten-Agentur hatte vor wenigen Wochen erst ergeben, dass 24 Prozent der Mitglieder evangelischer Landeskirchen derzeit die AfD wählen würden.
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Damit liegt der Anteil zwar unter dem Wert für die Gesamtbevölkerung von 29 Prozent. Für die Initiativgruppe ist es dennoch ein bemerkenswert hoher Wert – und Anlass, sich stärker mit politischen Einstellungen innerhalb der eigenen Kirche auseinanderzusetzen.
Offenheit im Denken und Neugier aufeinander
Winkel will dabei allerdings nicht allein auf Abgrenzung setzen. Es gehe ebenso darum, Ängsten, Zukunftssorgen und gesellschaftlicher Spaltung etwas entgegenzusetzen. Dafür brauche es „Offenheit im Denken und Neugierde aufeinander“. Beim Thema Migration etwa werde aus ihrer Sicht zu selten darauf geschaut, was gesellschaftlich bereits gelungen sei.
Zugleich soll deutlicher werden, wofür die evangelische Kirche selbst steht. Grundlage dafür sei eine historisch-kritische Auslegung der Bibel, aus der sich Werte wie Menschenwürde, Gleichheit und Gerechtigkeit ableiten ließen. „Wir Christinnen und Christen müssen Haltung zeigen und menschen- und demokratiefeindlichen Strömungen klar entgegentreten“, sagt Winkel.
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Das bedeutet nach Auffassung der Initiative auch, die eigenen kirchlichen Strukturen immer wieder zu hinterfragen: Wo gibt es Benachteiligungen? Wie kann Kirche tatsächlich inklusiv sein? Und wie gelingt es, Menschen unterschiedlicher Herkunft, sexueller Orientierung und Lebensweise gleichermaßen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein? Nach dem Beschluss der Kreissynode beginnt für die Gruppe nun die konkrete Arbeit.
Sie will gemeinsam mit der Leitung des Kirchenkreises Schwerpunkte und Ansätze entwickeln und das Thema in die kirchlichen Gremien tragen. Anfang kommenden Jahres soll es eine erste Veranstaltung geben.
Wer am Thema Geschlechtergerechtigkeit mitarbeiten und in der Initiativgruppe aktiv werden möchte, kann sich mit Heidemarie Winkel per Mail in Verbindung setzen. heidemarie.winkel@uni-bielefeld.de