Sie sollen aus der Schleusung von Menschen aus Syrien und anderen Ländern in die EU ein lukratives Geschäft gemacht haben: Seit gestern stehen ein Sprockhöveler (27) und sein Bruder (33) aus Mettmann deswegen vor dem Wuppertaler Landgericht. Die Verteidigung kündigte Teilgeständnisse an.

Die Anklage wirft ihnen vor, mit anderen Beteiligten eine Organisation zum Einschleusen von Menschen ohne gültige Papiere nach Deutschland und in die EU aufgebaut zu haben. 244 Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak und der Türkei sollen sie in Lkw über die türkisch-griechische Grenze geschmuggelt haben, darunter einige Kinder.

Der ältere Bruder soll die Hauptorganisation übernommen und auf Tiktok Werbung für ihr Angebot gemacht haben, der Sprockhöveler soll die Finanzen organisiert und mit den geschleusten Personen kommuniziert haben, die 4700 Euro pro Person gezahlt haben sollen. Die Gruppe soll mit elf Fahrten mit jeweils 16 bis 31 Personen mehr als eine Million Euro eingenommen hat.

Laut Anklage wurden die „Kunden“ erst in einem Haus in Istanbul untergebracht. Für die Fahrt über die Grenze mussten sie auf die Ladefläche eines Lkw aus Albanien steigen, hatten dort keine weitere Sicherung. Sie durften den Lkw nicht verlassen, keine Geräusche machen. Für die Kinder sollten die Eltern Schlafmittel besorgen. Über ein Handy für die Gruppe hielt der Sprockhöveler Kontakt mit ihnen. Mehrfach sollen die Fahrten besonders lang gedauert haben, einmal mehr als 48 Stunden. Einmal soll der Lkw 39 Stunden in der Sommerhitze vor der Grenze gestanden haben. Dabei erhielten die Flüchtlinge, darunter ein vierjähriges Kind, nur wenig Wasser.

Zum Teil wurden die Eingeschleusten von griechischen Beamten gefunden und in Flüchtlingscamps gebracht. Andere wurden mit gefälschten Papieren weiter in EU-Länder gebracht. kati