Die vielen Solidaritätsbekundungen und Grußbotschaften zum Unabhängigkeitstag der Ukraine sind wichtig. Sie geben den Menschen dort das Gefühl, dass sie in ihrem Abwehrkampf gegen Russland nicht im Stich gelassen werden. Sogar US-Präsident Donald Trump soll dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein Glückwunschschreiben geschickt haben. Darin sprach er von „dauerhafter Freundschaft“, von „mutigen, tapferen und talentierten Menschen“ und von einem bewundernswerten „widerstandsfähigen Geist“. Das Schreiben soll mit dem Appell geendet haben, „den Konflikt zu beenden und einen dauerhaften, langlebigen Frieden aufzubauen“.
Dass Trump sich gegenüber den Ukrainern derart respektvoll äußert, ist nicht selbstverständlich. Das war schon einmal anders.
Russland setzt seit Wochen zunehmend auf solche Waffen. Ballistische Raketen steigen auf einer hohen, bogenförmigen Flugbahn auf. Dann rasen sie mit großer Geschwindigkeit auf ihre Ziele zu. Für die Abwehr bleiben oft nur wenige Minuten. Die Folgen der russischen Angriffe sind verheerend: Der Juli war für die Zivilbevölkerung der tödlichste Monat seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022.
Doch gerade bei der Abwehr dieser Hochgeschwindigkeitsraketen wachsen die Probleme. Die US-Bestände an Patriot-Abfangraketen sind Schätzungen zufolge infolge des Iran-Kriegs stark geschrumpft. Bei der Verteilung der knappen Munition muss die Ukraine daher mit dem Eigenbedarf der USA sowie mit Sicherheitsinteressen europäischer Staaten und der Golfstaaten konkurrieren. Zugleich ist der Bedarf der Vereinigten Staaten zum Schutz ihrer eigenen Truppen und Stützpunkte im Nahen Osten gestiegen. Das macht sich bemerkbar: So hat die Ukraine in der ersten Hälfte dieses Jahres nur etwa ein Drittel so viele Flugabwehrraketen erhalten wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Genau das könnte Kremlchef Wladimir Putin in die Hände spielen: Leere Versprechen aus Washington gepaart mit nicht ausreichend entschlossenem Handeln in Europa. Doch ein dauerhafter Frieden kommt nicht von selbst. Wer diesen Krieg beenden will, muss beides tun: diplomatische Lösungen suchen und den Druck auf Putin erhöhen. Gefordert sind dabei neben Europa vor allem die USA.