Der eine misstraut dem Braten noch, den anderen freut’s: In der bayerischen Landeshauptstadt sollen Fahrgäste künftig in Autos ohne menschliches Fahrpersonal einsteigen können. Die Google-Schwesterfirma Waymo plant, Ende 2027 in München einen regulären fahrerlosen Fahrdienst für die Öffentlichkeit in Betrieb zu nehmen. Das kündigte das Unternehmen in einem Blogeintrag an. München wird damit die erste Stadt des Anbieters innerhalb der Europäischen Union.
Testphase mit Fahrpersonal
Bereits in den kommenden Wochen sollen die ersten Fahrzeuge auf den Münchner Straßen zu sehen sein. In dieser Erprobungsphase werden die Wagen das Straßennetz erfassen und zunächst noch von geschultem Fachpersonal am Steuer gelenkt, um das Fahrsystem auf die Besonderheiten des örtlichen Verkehrs einzustellen. Bei Tests mit autonomen Waymos in London war es im Juni dieses Jahres mehrfach zu Beschwerden von Anwohnern gekommen, weil Autos beim Kartieren von Straßenabschnitten unter nervtötenden Geräuschen auf engen Straßen pausenlos vor- und zurückrangiert waren (externer Link).
Aiwanger: „Meilenstein für das autonome Fahren in Bayern“
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger freut sich über die Ankündigung des US‑Unternehmens. „Die Ankündigung von Waymo ist ein Meilenstein für das autonome Fahren in Bayern. Die ersten Testfahrzeuge werden in den kommenden Wochen zunehmend im Münchner Stadtbild sichtbar sein“, sagte Aiwanger in einer Mitteilung und fügte hinzu, das sei ein starkes Signal für den technologischen Fortschritt in Bayern.
Kraftfahrt-Bundesamt und Behörden haben das letzte Wort
Für den späteren Betrieb ohne Fahrerin oder Fahrer arbeitet das Unternehmen mit dem Kraftfahrt-Bundesamt sowie den zuständigen Landes- und Kommunalbehörden zusammen, um die rechtlichen Zulassungen zu erhalten. Deutschland hatte bereits im Jahr 2021 mit entsprechenden gesetzlichen Regelungen die Grundlage für den fahrerlosen Straßenverkehr im Alltag geschaffen.
Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger sieht in den angekündigten Testfahrten von Waymo einen wichtigen Schritt hin zur praktischen Anwendung: „Wir streben an, Robotaxis zur IAA Mobility 2027 auch praktisch in Bayern einzusetzen.“ Das wäre dann bereits im September kommenden Jahres.
Autonomes Fahren soll sicherer sein
Waymo verweist auf umfangreiche Erfahrungen aus den Vereinigten Staaten, wo der Fahrdienst derzeit in elf Großräumen und Städten – Atlanta, Austin, Dallas, Houston, Los Angeles, Miami, Nashville, Orlando, Phoenix, San Antonio sowie der Bucht von San Francisco – für die Öffentlichkeit im Einsatz ist.
Die Fahrzeuge haben dort nach Unternehmensangaben bereits über 350 Millionen Kilometer ohne menschliche Steuerung zurückgelegt und mehr als 20 Millionen bezahlte Fahrten durchgeführt. Laut Waymo ist das System dabei deutlich sicherer unterwegs als Menschen am Steuer – das Unternehmen meldet auf Grundlage eigener Erhebungen unter anderem ein Vielfaches weniger an Unfällen mit Schwerverletzten sowie beim Fuß- und Radverkehr.
Auch Uber und Autobrains wollen auf die Straße
Zuletzt hatten der Fahrdienstvermittler Uber und das israelische KI-Unternehmen Autobrains ein gemeinsames Robotaxi-Programm in München gestartet. In der bayerischen Landeshauptstadt soll eine Flotte autonomer Fahrzeuge der Stufe 4 aufgebaut werden, hatte das Unternehmen im Juni auf der Technologiekonferenz GTC in Taipeh angekündigt. Bei einem Level 4 ist keine Fahreraufmerksamkeit mehr nötig. Das Taxi kommt ohne Fahrer aus und die Passagiere können während der Fahrt schlafen, arbeiten oder Filme ansehen.