Im ehemaligen Stadtbezirks-Amtssitz am Fritz-Foerster-Platz in Dresden residiert heute die ZDI. Was aus der Zeiss-Tochter wird, ist derzeit unklar. Foto: Heiko Weckbrodt
„Es herrschen Verwirrung und Angst“
Dresden/Oberkochen/Coswig, 25.08.26. Der Optikkonzern „Zeiss“ will seine Dresdner Software-Tochter „Zeiss Digital Innovation“ (ZDI) umstrukturieren. Das hat Unternehmenssprecherin Stefanie Fanta auf Oiger-Anfrage bestätigt. Nähere Angaben dazu wollte sie aber nicht machen. Zeiss-Mitarbeiter in Sachsen fürchten derweil starke Veränderungen und Umzüge über Stadtgrenzen hinaus.
„Interne Strukturanpassung“ bestätigt – Konzernzentrale hält sich ansonsten bedeckt
„Softwareentwicklung ist für die Zeiss-Gruppe eine wichtige Kompetenz, die wir mit einer internen Strukturanpassung künftig noch näher an die Kundenbedürfnisse bringen, schneller und flexibler“, erklärte Fanta. „Die Arbeit für unsere Kunden läuft dabei unverändert weiter.“ Zu „firmeninternen Details“ werde Zeiss nicht Stellung nehmen. Es handele sich aber nicht um einen generellen Konzernumbau.
Mitarbeiter fühlen sich verunsichert
Deutlich kritischer sehen das Zeissianer in Dresden und Coswig: Sie gehen einerseits davon aus, dass Teile der ZDI-Programmierer in die Zeiss-Fabrik in Coswig nahe Meißen umziehen müssen. Zeiss wolle dort Soft- und Hardwareentwicklungen bündeln, die sich mit den Steuer-Aktuatoren für Lithografie-Spezialspiegel beschäftigen, die Zeiss an den Chipwerk-Ausrüster ASML in den Niederlanden liefert.
Quelle: ZDI wird in neue „ZDI Future“ und Dachsparte ZDP aufgeteilt
Inzwischen hat sich ein weiterer Zeissianer – der namentlich nicht genannt werden will – mit weiteren Informationen bei uns gemeldet, die Zeiss aber wiederum trotz Anfrage nicht konkret kommentiert hat. Demnach will die Konzernmutter aus Oberkochen im Herbst 2026 zirka 270 von rund 500 deutschen ZDI-Mitarbeiter in Dresden, Berlin, Leipzig, München und Görlitz einer neuen Gesellschaft „ZDI Future“ zuordnen. Die restlichen Beschäftigten sollen in die Zeiss-Mikroelektroniksparte „SMT“ – zu der auch die Coswiger Fabrik gehört – sowie in die ZDI-Dachsparte „Zeiss Digital Partners“ (ZDP) wechseln. „Die Belegschaft befürchtet, dass ein Teil des Unternehmens zum 1. Oktober 2026 ausgegliedert beziehungsweise verkauft werden soll“, heißt es von unserer Quelle. „Es herrschen Verwirrung und Angst.“
Nachwende-Gewächs „Saxonia Systems“ von Gründern verkauft
Die Vorgeschichte: 1990 hatten Viola Klein und Andreas Mönch die „Saxonia Computertechnik GbR“ und das „Saxonia Bildungsinstitut“gegründet, aus denen 1994 die Softwareschmieede „Saxonia Systems“wurde. 2020 verkauften die Gründer ihre Firma an den Zeiss-Konzern, der daraus die „ZDI“ formte und am Hauptsitz nahe der Dresdner Uni auch Investitionen tätigte. Ursprünglich waren auch millionenteure Aus- und Neubauten am Standort geplant. Zählt man die ausländischen Standorte dazu, beschäftigt die ZDI derzeit über 600 Menschen an sieben Standorten in Europa.
Das Archivbild zeigt die Coswiger Fabrik, nachdem aus der „Hoch Technologie Systems“ (HTS) die „Ruag Space Germany“ wurde. Hier im Foto montierte ein Spezialist im Reinraum der Coswiger Raumfahrttechnik-Fabrik ein Potenziometer, das später im All einem Satelliten helfen wird, seine Solarsegel richtig auszufahren. Foto: Heiko Weckbrodt
Raumfahrt, Rüstung, Mikroelektronik: Zeiss Coswig gehörte erst HTS, dann Ruag und Beyond Gravity
Die Fabrik in Coswig wiederum geht auf eine Nachwende-Gründung der Dresdner TU-Ingenieure Dr. Wolfgang Göhler und Dr. Klaus Seifart zurück. Deren „Hoch Technologie Systeme GmbH“ (HTS) spezialisierte sich in Coswig auf besonders präzise Baugruppen für die Luft- und Raumfahrt. 2016 übernahm der staatliche Rüstungskonzern „Ruag“ aus der Schweiz die HTS, gliederte sie 2022 seiner Raumfahrttochter „Beyond Gravity“ zu. 2024 verkauften die Eidgenossen die Coswiger Fabrik an Zeiss. Die Oberkochener gliederten das Werk ihrer Halbleitersparte „Zeiss Semiconductor Manufacturing Technology“ (SMT) an und spezialisierten es auf Aktuatoren für DUV- und EUV-Lithografiespiegel für Chipfabriken. Die Raumfahrtaktivitäten fuhr Zeiss am Standort herunter.
Autor: Heiko Weckbrodt
Quellen: Zeiss-Mitarbeiter, Zeiss-Konzernzentrale, ZDI, Oiger-Archiv