
AUDIO: Frauenkirche Dresden: Wissenswerte Fakten zu Geschichte und Wiederaufbau (3 Min)
300. Jahrestag der Grundsteinlegung
Stand: 26.08.2026 04:00 Uhr
Am 26. August 1726 wurde der Grundstein für die Dresdner Frauenkirche gelegt, wie wir sie heute kennen. 300 Jahre später ist sie weit mehr als ein berühmtes Bauwerk, das bei einem Ausflug in die Stadt an der Elbe unbedingt besucht werden sollte. Für viele Dresdnerinnen und Dresdner ist der evangelische Sakralbau mit der markanten, barocken Kuppel auch mehr als ein Wahrzeichen, sie ist ein emotionales Stück Stadtgeschichte. Zehn wissenswerte Fakten:
17 Jahre von der Grundsteinlegung bis Fertigstellung
Mit der Grundsteinlegung am 26. August 1726 begann offiziell der Bau der Dresdner Frauenkirche. Zuvor war die mittelalterliche Vorgängerkirche, die ebenfalls den Namen Frauenkirche truf, zunehmend baufällig geworden, sodass eine neue Kirche geplant wurde. Den Entwurf lieferte George Bähr, der als Ratszimmermeister mit seinem Bau eine völlig neue, barocke Frauenkirche schaffen wollte. Bis zur Fertigstellung des monumentalen Baus vergingen anschließend 17 Jahre.

Historische Postkarte von Dresden, Neumarkt mit Blick zur Frauenkirche (1935)
George Bähr war Autodidakt
George Bähr kam als gelernter Zimmermann nach Dresden und arbeitete sich dort zum Ratszimmermeister hoch. 1722 erhielt er den Auftrag, die neue Frauenkirche zu planen – obwohl er sich seine architektonischen Kenntnisse weitgehend selbst angeeignet hatte. Mit der markanten Kuppel schuf er sein berühmtestes Bauwerk, dessen Fertigstellung er 1743 allerdings nicht mehr erlebte. Er starb 1738 und wurde ursprünglich auf dem Johannisfriedhof in Dresden bestattet, aber sein Grabmal und seine Gebeine wurden im Jahr 1854 in die Unterkirche der Frauenkirche umgebettet.
Die Kuppel ist ein echtes Schwergewicht
Die Kuppel der Frauenkirche ist komplett aus Sandstein gefertigt und bringt mehr als 12.000 Tonnen auf die Waage. Mit 24 Metern Höhe und 26 Metern Durchmesser ist sie die größte steinerne Kuppel nördlich der Alpen. Ihre besondere Form erinnert an eine Glocke – daher der berühmte Beiname „Steinerne Glocke“.

Die Kuppel der Dresdner Frauenkirche wiegt mehr als 12.000 Tonnen.
Bach spielte in der Frauenkirche auf der Silbermann-Orgel
Am 1. Dezember 1736 spielte Johann Sebastian Bach (1685–1750) auf der neu eingebauten Silbermann-Orgel in der Dresdner Frauenkirche. Rund zwei Stunden lang begeisterte er die zahlreichen Zuhörer mit seinem Orgelspiel. Die Frauenkirche gilt damit bis heute als authentischer Wirkungsort des berühmten Komponisten, der in seiner Hauptschaffensperiode als Thomaskantor und Musikdirektor in Leipzig tätig war.

Johann Sebastian Bach war einer der weltberühmten Komponisten, die in der Frauenkirche Orgel spielten.
Zerstörung der Frauenkirche 1945
Im Zweiten Weltkrieg wurde Dresden in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 bombardiert. Die Frauenkirche wurde zwar nicht direkt getroffen, die Hitze der Brände brachte ihre Sandsteinkuppel jedoch zum Einsturz. Am 15. Februar 1945 stürzte die berühmte „Steinerne Glocke“ ein – die Kirche blieb als Ruine zurück.

Dresden Trümmerberg der nach dem Bombeangriff vom 13.2.1945 ausgebrannten und später eingestürzten Dresdner Frauenkirche.

Die Dresdner Frauenkirche war in der DDR ein Mahnmal
Nach der Zerstörung blieb die Frauenkirche jahrzehntelang als Ruine stehen. In der DDR wurde sie 1966 offiziell zum Mahnmal erklärt und entwickelte sich in den 80er-Jahren zu einem wichtigen Treffpunkt der christlichen Friedensbewegung. Erst nach der Wende kam mit dem „Ruf aus Dresden“ im Jahr 1990 die Idee eines Wiederaufbaus ins Rollen. Im Mai 1994 begannen schließlich die Bauarbeiten.

Blick auf die zerstörte Frauenkirche in Dresden um 1975
Mehr als eine Million Menschen spendeten weltweit für den Wiederaufbau
Der Wiederaufbau der Frauenkirche wurde zu einem internationalen Gemeinschaftsprojekt. Aus dem In- und Ausland kamen Spenden, insgesamt wurden mehr als 130 Millionen Euro gesammelt. Mehr als eine Million Menschen sollen sich daran beteiligt haben – ein Zeichen dafür, wie stark die Frauenkirche über Dresden hinaus bewegt.

Alte Steine kehrten an ihren ursprünglichen Platz zurück
Beim Wiederaufbau zwischen 1994 und 2005 wurden 8.425 historische Sandsteine aus den Trümmern wiederverwendet. Sie machen rund 45 Prozent der historischen Bausubstanz aus und wurden nach ihrer Bergung vermessen und möglichst an ihrem ursprünglichen Platz eingesetzt. Die dunkleren Originalsteine sind heute deutlich in der helleren Fassade zu erkennen und geben der Frauenkirche ihr charakteristisches, „gepunktetes“ Aussehen.

Dresden Frauenkirche: Beim Wiederaufbau wurden auch 8.425 Sandsteine aus den Trümmern geborgen und wiederverwendet.
Als ich die fertige Frauenkirche damals zum ersten Mal gesehen hab, hatte ich das Gefühl, etwas sehr Vertrautes wiederzusehen. Plötzlich war das alte Dresden wieder da. Ich konnte nicht wegsehen und kann bis heute nicht durch die Stadt gehen, ohne auf die Kuppel zu starren.
Robert Kühne aus Dresden, Redakteur bei MDR KULTUR
Das britische Nagelkreuz wurde zum Symbol für Frieden und Versöhnung
Seit 2005 gehört die Dresdner Frauenkirche zur internationalen Nagelkreuzgemeinschaft. Das Nagelkreuz geht auf die Kathedrale von Coventry zurück, die 1940 durch deutsche Bomben zerstört wurde. Aus Nägeln der Ruine entstand ein Kreuz – verbunden mit den Worten „Vater vergib“. Heute steht es auch in Dresden für Frieden, Vergebung und Versöhnung zwischen ehemaligen Feinden.

Der Pfarrer Stephan Fritz (li.) und Dekan John Irving aus Großbritannien bei der Übergabe des Nagelkreuzes aus Coventry in der Krypta der Dresdner Frauenkirche.
Die Frauenkirche hat eines der vielstimmigsten Geläute Sachsens
Heute erklingen in der Frauenkirche acht Glocken, die ihr einen ganz eigenen Klang verleihen. Sieben davon wurden zwischen 2002 und 2003 neu gegossen, eine historische Glocke namens Maria kehrte 1998 nach Dresden zurück. Jede Glocke trägt einen eigenen Namen und ist einer besonderen Aufgabe oder Bedeutung gewidmet – etwa Frieden, Gebet, Taufe oder Hochzeit.

Die Dresdner Kirchenglocken wurden in einer Glockengießerei in Bad Friedrichshall gegossen.
Dresdner Frauenkirche
Georg-Treu-Platz 3
01067 Dresden
Öffnungszeiten:
Offene Kirche
Montag bis Freitag: 10 bis 11:30 Uhr und 13 bis 17:30 Uhr
Samstag und Sonntag: wechselnde Zeiten
Wort und Orgelklang mit Kirchführung
Montag bis Samstag: 12 Uhr
Montag bis Mittwoch, Freitag: 18 Uhr
Eintritt:
Offene Kirche: Eintritt frei
Wort und Orgelklang mit Kirchführung: Eintritt frei
Barrierefreiheit:
Die Frauenkirche ist grundsätzlich für alle Menschen zugänglich, allerdings sind aufgrund der historischen Bauweise nicht alle Bereiche barrierefrei. Für Rollstuhlfahrende gibt es einen Aufzug und einen stufenlosen Zugang zum Kirchenschiff, während Emporen und Kuppel nicht zugänglich sind. Für Menschen mit Hörbehinderung stehen Induktionsanlagen zur Verfügung, Führungen in Gebärdensprache sind auf Anfrage möglich.
Mehr Informationen finden Sie auf der Website der Frauenkirche.
Redaktionelle Bearbeitung: Kristin Franke
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