Liebe Leserin, lieber Leser,

seit dem Wochenende
steht die Frage im Raum, ob die Fertigstellung des Elbtowers
scheitert. Offenbar sind sich Senat und Investoren bei diesem
Vorhaben weniger einig als angenommen. Was wird dann aus dem
geplanten Naturkundemuseum, einem der wichtigsten
Wissenschaftsvorhaben der Stadt?

Gebaut werden muss es,
die Frage ist nur wo. Hamburg verfügt über bedeutende
naturwissenschaftliche Sammlungen, die
bislang in der Stadt verstreut sind (Z+)
. Im Jahr 2021 ging der Senat ein Bündnis mit der Leibniz-Gemeinschaft
ein, die von Bund und Ländern finanziert wird: Ein neues
Forschungsinstitut, das LIB, nimmt sich seitdem der Pflege und
Erforschung der Sammlungen an. Die laufenden Kosten teilt sich
Hamburg mit den anderen Trägern der Leibniz-Gemeinschaft,
ein »starker finanzieller Vorteil«, sagt Wissenschaftssenatorin
Maryam Blumenthal (Grüne). Hamburg verpflichtete sich dafür, einen
Neubau zu stellen.

Im vergangenen Oktober
präsentierte der Senat die Idee, mit dem Museum in den Elbtower zu
ziehen. Es wirkte, als könne er dadurch zwei
Probleme auf einmal lösen:
Die Bauruine verschwindet. Und das Museum bekommt ein repräsentatives
Gebäude, das schneller fertig wäre als ein Neubau, der bei null
anfängt.

Auch Bernhard Misof, der
Generaldirektor des LIB, klang bei der Präsentation des Vorhabens
sehr angetan. Inzwischen betont
er:

Der Zweck des Museums sei es nicht, den
Elbtower zu retten
.

Damit hat er recht. Aber
ein spektakulärer Bau würde helfen. Das zeigt die Elbphilharmonie,
die bald ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Seit ihrer Eröffnung ist
Hamburg nicht mehr nur als Hafen- und Handelsstadt bekannt, sondern
als Stadt der Musik. Dass Hamburg auch eine Stadt der Wissenschaft
sei, wird zwar oft betont, ist aber nirgends auf ähnliche Weise zu
erleben.

Es geht bei dem
Ort für das neue Museum deshalb
nicht allein um Stahl und Beton. Es geht auch
nicht nur um das Walross
Antje oder Dinosaurierknochen. Es geht darum, was diese Stadt sein
will – und kann.

© Pia Bublies für die ZEIT/​DIE ZEIT

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Ihr Oskar Piegsa

Was heute wichtig ist

© Christian Charisius/​dpa

Im
Prozess um die Entführung ihrer Kinder hat die angeklagte Christina
Block eine frühere Aussage korrigiert
.
Ihre Erinnerung habe sie in einigen Punkten getäuscht. Die
53-jährige Unternehmerin räumte vor dem Landgericht ein, dass es
bereits bei dem ersten Gespräch mit dem mutmaßlichen Chef der
Entführer um die Kinder gegangen sei – aber nur um die Beschaffung
von Informationen, die im Sorgerechtsstreit helfen sollten.

Die
neue
Oper in der Hafencity
soll
trotz des Todes von Klaus-Michael Kühne gebaut und bis 2034
fertiggestellt werden. »Das hat keine Auswirkungen, da der Vertrag
zum Neubau der Oper mit der Kühne-Stiftung geschlossen wurde und
unverändert weitergilt«, sagte ein Sprecher der Kulturbehörde. Die
Stadt stellt dafür ein Grundstück am Baakenhöft unentgeltlich zur
Verfügung.

Hamburg
will Kredite
für ausschließlich klimafreundliche Projekte
aufnehmen.
Diese sogenannten Green Bonds, also grüne Anleihen, sollen dabei
helfen, die Klimaziele der Stadt zu erreichen. Von Ende 2026 an
können die Wertpapiere der Stadt mit einem festen, noch nicht
bekannten Zinssatz erworben werden. Pro Anleihe ist ein Volumen von
mindestens 500 Millionen Euro geplant.

In
Hamburg sind 40
Prozent mehr Nutrias erlegt

worden als im Vorjahr. Das geht aus der neuen Wildnachweis-Statistik
der Umweltbehörde hervor. Weil die aus Südamerika stammenden
Nagetiere Schäden in der Natur anrichten, zahlt die Stadt eine
»Schwanzprämie« von 14 Euro pro erlegtem Tier.

In
der Nacht zu Dienstag haben
in Hummelsbüttel drei Autos gebrannt
.
Die Fahrzeuge seien geparkt gewesen, so die Polizei. Durch die Hitze
des Feuers seien auch weitere Autos in der Nähe beschädigt worden.

Aus Hamburg

© Viktoria Gipp

»Es ist erschreckend, wie präzise die Illustrationen geworden sind«

Zusammen
mit Marc-Uwe Kling verklagt der Carlsen-Verlag eine der mächtigsten
Firmen der Welt: OpenAI. Es geht nicht nur um Geld, sagt die
Verlegerin Sandra Harzer-Kux, sondern ums Prinzip. Lesen Sie hier
einen Auszug aus dem Interview der ZEIT-Redakteurin Katrin Hörnlein.

DIE
ZEIT:
Frau Harzer-Kux, Sie haben für
das Bilderbuch Das Neinhorn gemeinsam
mit Ihrem Autor Marc-Uwe Kling und der Illustratorin Astrid Henn
Klage gegen OpenAI eingereicht. Wie kam es dazu?

Sandra
Harzer-Kux:
Es liegt in unserer
Verantwortung als Verlag, die Urheberrechte unserer Autor*innen und
Illustrator*innen wahrzunehmen. Dafür screenen wir den Markt nach
Urheberrechtsverletzungen und prompten auch regelmäßig, fragen also
zum Beispiel die KI, ob sie uns Geschichten zu bekannten Werken
erzählen kann. Für das Neinhorn haben
wir ChatGPT in einem Prompt gebeten, eine Geschichte vom Neinhorn
zu erzählen. Daraufhin haben wir
Antworten bekommen, die dem Original und damit unserem Werk sehr,
sehr ähnlich sind.

ZEIT: Was
bedeutet das konkret?

Harzer-Kux:
Die KI hat zum Beispiel ein Bild generiert, das dem Cover der
Neinhorn-Bücher
frappierend ähnelt, aber auch in der konkreten Gestaltung der Figur
Neinhorn.
Auch der Name von Autor und Illustratorin, sogar unser Verlagslogo
sind darauf zu sehen. Der Titel lautet: »Das Neinhorn in der Stadt«.

ZEIT:
Es gibt kein solches Buch, das man kaufen könnte, das ChatGPT also
einfach abgekupfert haben könnte. Wogegen klagen Sie genau?

Harzer-Kux: Es
gibt drei Bände vom Neinhorn von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn, die wir publiziert haben. Mit über zwei Millionen verkauften
Exemplaren zählt es übrigens zu den erfolgreichsten Bilderbüchern
der vergangenen Jahre in Deutschland. »Das Neinhorn in der Stadt«
gibt es nicht. Wir müssen aber davon ausgehen, dass der Chatbot mit
unseren Werken trainiert wurde, mit den Illustrationen und mit den
Texten. Denn die Antworten auf unsere Prompts sind in dieser Form nur
möglich, wenn das KI-Modell, das über ChatGPT zur Verfügung
gestellt wird, auf Basis der ursprünglichen Werke trainiert wurde.
Und zwar auf eine Weise, die es ermöglicht, dass die Originalwerke
aus den Modellen wieder abrufbar sind. Die Urheber und wir als Verlag
haben dem nicht zugestimmt. Das ist ein urheberrechtlicher Verstoß.

Was sich Sandra
Harzer-Kux von einem Urteil erhofft, lesen Sie weiter in der
ungekürzten Fassung. →
Zum Artikel (Z+)

Schon gelesen?

© Montage: Felix Burchardt/​DIE ZEIT; Fotos: Jan Woitas/​dpa; Patrick Piel/​Gamma-Rapho/​Getty Images

Ronald Schill, der erste Rechtspopulist in meinem Leben

Es ist 25 Jahre her,
dass ein Rechtspopulist es in Windeseile in Hamburg in die Regierung
schaffte. Louis Klamroth ist Publizist und Moderator der
ARD-Talksendung »Hart aber fair«. Klamroth, 1989 in Hamburg
geboren, erlebte den Aufstieg des Rechtspopulisten Schill als Schüler
mit. Lesen Sie hier, welche Lehren er daraus für die
Auseinandersetzung mit der AfD zieht. →
Zum Gastbeitrag (Z+)

Darauf können Sie sich freuen

Morgen
Abend ist die Hamburger Schriftstellerin Anja Kampmann zu Gast in der
Parabel – Zentrum für Kunst in Hamburg. Im Rahmen der Ausstellung
»›Eine Lust,
die tragisch wirkt…‹ Rolf Nesch und Hamburg«
liest die Autorin aus ihrem Roman Die
Wut ist ein heller Stern, der im
Hamburg der frühen 1930er-Jahre spielt. Im Anschluss spricht
Kampmann mit dem Kunsthistoriker und Co-Kurator der Ausstellung Pablo
Schneider über die historischen Hintergründe und die Bedeutung
Hamburgs als Schauplatz von Kunst und Kultur.

Lesung
und Gespräch mit Anja Kampmann
, 27.8., 18 Uhr; Parabel, Fuhlsbüttler Straße 656; Öffnungszeiten
der Ausstellung Fr 14 bis 18 Uhr; Sa und So 11 bis 18 Uhr

Meine Stadt

© Markus Morick

Hamburger Schnack

Beim
Frühstück in meiner Londoner Pension. Die beiden kanadischen Damen
am Tisch nebenan waren auch schon mal in Hamburg. Sie kommen nur
nicht auf den Namen des Hotels. Es war nach diesem großen Schiff
benannt, das gesunken ist. Ich: »The Titanic?« Die Damen: »No, no,
a German one.« Während ich noch grüble, fällt es ihnen ein: »The
Bismarck!«

Gehört
von Ulrich Schäfer

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