Der Ansatz des „Whole Building Approach“ ist in der Baubranche zwar seit Längerem bekannt, schöpft sein Potenzial bei Sanierung, Modernisierung und Reparatur jedoch bislang nicht voll aus. Wie Forschende in einem aktuellen Papier aufzeigen, fehlen in der deutschen Politiklandschaft nach wie vor Instrumente, die Schnittstellen zwischen einzelnen Baumaßnahmen sowie Synergien zwischen ökologischen und sozialen Aspekten systematisch nutzen. Weder bei der Regulierung und Förderung von Energieeffizienz, klimafreundlicher Energieversorgung oder Gebäudebegrünung noch bei Themen wie altersgerechtem, familienfreundlichem oder bezahlbarem Wohnraum wird das Gebäude bisher konsequent als Ganzes betrachtet.

Für Eigenheimbesitzer*innen ohne technischen Hintergrund stellt die Vielzahl an isolierten Beratungs- und Förderangeboten – etwa für Heizungen, PV-Anlagen, Fassadenbegrünung oder Barrierefreiheit – eine erhebliche Hürde dar, um die passenden Maßnahmen und die optimale Reihenfolge festzulegen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Bestrebungen zur Einrichtung sogenannter One-Stop-Shops gemäß Artikel 18 der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) entwirft das Papier daher ein modulares Beratungs- und Unterstützungsprogramm für nachhaltige Gebäude. Dieser ganzheitliche Ansatz berücksichtigt Effizienz, Energieversorgung, Suffizienz, Klimaanpassung, Ressourcenschonung sowie die Bedürfnisse der Nutzenden.

„Der integrierte Blick auf das gesamte Gebäude ist der Schlüssel, um Synergien bei der Sanierung optimal zu heben. Mit einem modularen Beratungsansatz schaffen wir die Grundlage, um die EU-Vorgaben zu One-Stop-Shops praxistauglich umzusetzen und Eigentümer*innen Orientierung zu bieten“, sagt Anja Bierwirth, Leiterin des Forschungsbereichs Stadtwandel am Wuppertal Institut und Co-Autorin des Artikels.

Der englischsprachige Artikel „Make it simple to simply make it: drafting a whole building approach policy“ ist für die Konferenz ECEEE Summer Study entstanden und greift Ergebnisse des Projekts ProRetro auf, das die Etablierung von One-Stop-Shops in Deutschland untersuchte. Er ist im folgenden Link kostenfrei abrufbar.