Zur zeitgenössischen Kultur gehören immer noch Kinos. Einen Einblick in die Geschichte der Lichtspielhäuser in Schwelm wollte die WZ mit dieser kleinen Sommerserie geben.
Sieben Kinos gab es insgesamt in Schwelm, vier sind im Adressbuch des Jahres 1956 zur gleichen Zeit verzeichnet: Modernes Theater, Scala, Corso und Lichtburg. Das jüngste, die Lichtburg, eröffnete der Bauunternehmer Emil Reifenberger im Jahr 1956 an der Wilhelmstraße 21, in dem von ihm gebauten Gebäudekomplex an der Ecke Moltkestraße. Die Pächter wechselten, aber nach 70 Jahren ist das Kino unter derselben Telefonnummer zu erreichen wie 1956. Die Lichtburg – im Erdgeschoss eines unspektakulären Wohnhauses gelegen und im Vergleich zum Corso eher puristisch ausgestattet – war mit 560 Plätzen kleiner als die anderen Lichtspielhäuser in Schwelm. Die Konkurrenz unter den örtlichen Kinos war hart und durch die immer stärkere Verbreitung des Fernsehens begann in den frühen 1960er-Jahren ein erstes „Kinosterben“. 1953 besaßen 10 000 Haushalte in der Bundesrepublik einen Fernsehapparat, 1962 waren es sieben Millionen. Kinobesucher blieben aus, Corso, Modernes und Scala in Schwelm wurden nach und nach geschlossen, die heute 70 Jahre alte Lichtburg überstand als einziges Schwelmer Kino alle Krisen und existiert noch heute.
Im Jahr 1979 folgte der damalige Pächter Kai Ewer einem Trend der Zeit und baute die Lichtburg in drei kleinere Kinos um. Das „Kino-Center“ bestand zunächst aus der Lichtburg mit 196 und dem Studio mit 162 Plätzen. Ein dritter Raum wurde im September 1980 als „Smokie“ mit 84 Plätzen eröffnet. Dort konnte man nicht nur essen und trinken, sondern auch rauchen. Eine Entlüftungsanlage sollte dafür sorgen, dass man trotz des Zigarettenqualms den Film sehen konnte. In der arg in die Jahre gekommenen Lichtwerbung an der Fassade des Kinos erinnert der Name „Smokie“ an die Zeit, in der Raucherkinos modern waren. Dieser Raum und auch die Lichtburg wurden vom heutigen Kinobetreiber Sebastian Boos längst renoviert. Der 36-Jährige leitet das Kino-Center seit 14 Jahren und ist trotz der Konkurrenz von Multiplexkinos, Streamingdiensten und diversen Krisen zuversichtlich, dass das Kulturgut Kino eine Zukunft hat.
Zu einer Zeit, als überall Lichtspielhäuser geschlossen wurden, öffnete in Schwelm ein ganz besonderes Kino: Das Autokino Bergisch Land an der Saarstraße 25 zog ab Mitte der 1970er-Jahre viele Tausend Besucher an. Auf dem großen Freigelände fanden mehr als 400 Fahrzeuge einen Stellplatz. Vom Auto aus konnte man die Filme auf der etwa 520 Quadratmeter großen Bildwand betrachten. Zur dunklen Jahreszeit liefen bis zu drei Filme täglich. Lautsprecher, die in das Wagenfenster gehängt wurden, lieferten den Ton, im Winter brachten mobile Heizlüfter Wärme in die privaten „Kinosessel“. Paul Hartmann, der in Schwelm auch für seine großen Fahrgeschäfte auf der Kirmes bekannt war, betrieb das weit und breit einzige Autokino. Ein Imbisswagen versorgte Besucher auf Wunsch mit Würstchen und Getränken, auf dem Gelände gab es sanitäre Einrichtungen. Es musste dunkel sein, damit die Filme gut sichtbar waren. Nachmittags liefen dann Kinder- und Disneyfilme, am späteren Abend stand vor allem „Sex and Crime“ auf dem Programm.
Das Autokino Bergisch Land war Kult und schloss 2006
Das Autokino Bergisch Land lag äußerst verkehrsgünstig an der Stadtgrenze zu Wuppertal, nah an B 7 und Autobahn. Es erfreute sich großer Beliebtheit und galt zu seiner Zeit als „Kult“. Als es am 31. Januar 2006 schloss, endete ein Stück Kinogeschichte in Schwelm.