Die zwei Landsberger Dustin Klein und David Tobias Schneider haben es gemeinsam auf die große Bühne nach München geschafft. Zwar waren die beiden schon an vielen unterschiedlichen Theatern tätig, jedoch ist das Stück, welches sie im September präsentieren, das erste Werk in Zusammenarbeit. In einem Interview erzählen die beiden von der Inszenierung und ihrer Zusammenarbeit.

Das Stück „Die Stühle“ von Eugène Ionesco handelt von einem alten Ehepaar, welches auf einer Insel lebt. In Vorbereitung auf eine Rede, die alles erklären soll, empfängt das Ehepaar nach und nach unsichtbare Gäste, die der Rede beiwohnen wollen. Dafür holen sie für die Gäste Stuhl um Stuhl herbei. Mit den Gästen sprechen sie über ihr Leben und die bevorstehende Rede. Das Stück selbst gehört zu den absurden Theatern, besäße zwar einen roten Faden, solle aber verwirren und zum Nachdenken anregen.

Dustin Klein ist Tänzer und Choreograf und führt die Regie bei der Aufführung. David Tobias Schneider ist Schauspieler, aber auch Tangotänzer, und wird die einzige Sprechrolle in der Aufführung innehaben. Eine Premiere gab es bereits 2021 beim Origen Festival in der Schweiz, damals aber noch mit anderer Besetzung. Während des Interviews erklären die beiden: Dieses Jahr wird das Stück anders inszeniert. Das Grundkonzept ist dasselbe, jedoch gäbe es eine neue Textfassung, ein neues Bühnenbild, neue Kostüme und eine andere Besetzung. „Der 5. September wird quasi eine Premiere 2.0“, sagt Dustin Klein.

Neben Dustin Klein als Tänzer und David Tobias Schneider als Schauspieler wird auch noch Tänzer Jon Olofson Nordin auf der Bühne zu sehen sein.Die Proben gestalten sich relativ unkompliziert. Klein und Schneider haben schnell bemerkt, dass sie auf einer Wellenlänge sind. Von der Idee bis zum Auftritt habe es nun rund eineinhalb Jahre gedauert. Die wirklichen Proben haben rund sechs Wochen vorher begonnen. Dabei wird auch hin und wieder etwas abgeändert. „Es ist wie bei der Kochkunst“ so Schneider „da muss man zwischendurch immer wieder abschmecken“. Das gilt ebenfalls für die Künstler. Wenn der Schauspieler morgens aufwache und noch einen Aspekt hat, welcher umgesetzt werden muss, kann man da nicht einfach sagen, man halte sich nun strikt an das Skript, so Klein. Letztlich zeigen sich die beiden als eingespieltes Team.

Hinter dem Absurden verbirgt sich eine politische Nachricht

Auch die politische Nachricht des Stücks sei hervorzuheben. In der Geschichte gäbe es eine Idee, wie man die Welt retten könne. Dabei solle der einbestellte Redner die Antwort auf alle Fragen haben. „Der Protagonist will eine Endlösung haben, doch diese gibt es in der Realität nicht“, so Schneider. Diese Auseinandersetzung ist auch für uns wichtig, die wir in einem demokratischen System leben und oft eine Lösung für ein Problem suchen. Sich bewusst zu machen, dass es auf viele Fragen nicht immer nur die eine Antwort gibt, das ist der Kernpunkt. „Dieses Stück ist wichtig, sowohl damals in der Nachkriegszeit als auch jetzt in dieser Art Vorkriegszeit“, so Dustin Klein zu der politischen Lage in der Welt.

„Ich bin der eine, ich bin der andere, ich bin der eine im anderen“

„Ich bin der eine, ich bin der andere, ich bin der eine im anderen“. Dieses Zitat von Ionesco sehen die zwei auch als Leitsatz ihrer Inszenierung. Denn nicht nur eine Person spielt eine Rolle, sondern alle drei. Und das in einem stetigen Wechsel. Klein und Schneider sprechen davon, dass der stetige Wechsel der Rollen perfekt zu dem Stück passe. In einem ständigen Austausch lässt sich der Ausdruckstanz geschmeidig in das Gesprochene einfügen, die Rollen können mit Sprache und Körpersprache auf emotionale Weise bespielt werden. Zudem sei das Stück „Die Stühle“ aufgrund seiner Absurdität perfekt für das Tanztheater geeignet. „Je absurder etwas ist, desto weniger logisch erscheint es einem und desto zugänglicher ist man, das Stück mit den Emotionen zu sehen“, erläutern die beiden. „Sprache ist auch immer etwas absurd, wenn man mal darüber nachdenkt“, schmunzelt Schneider. Schließlich ergäbe das Gesprochene manchmal auch nicht so viel Sinn.

Das Stück ist am 5. September in der Komödie am Bayerischen Hof zu sehen. In dieser Produktion verschmelzen Tanz, Theater, Gesang und Schauspiel zu einem besonderen Erlebnis. Dustin Klein schafft dabei einen fließenden Übergang zwischen Tanz und Schauspiel, sodass der Text in eine körperliche Ausdrucksform überführt wird und seine eigene, kreative Tanzsprache zum Ausdruck bringt, so eine Pressemitteilung. Karten gibt es unter anderem auf der Website der Komödie am Bayerischen Hof.