Drohnen bedrohen zunehmend auch Feldlazarette. Die US-Luftwaffe trainiert deshalb Evakuierungen unter neuen Bedingungen.

Drohnen bedrohen zunehmend auch Feldlazarette. Die US-Luftwaffe trainiert deshalb Evakuierungen unter neuen Bedingungen.

1st Lt. Elise Wahlstrom/US Air National Guard

Sanitäter der US-Luftwaffe haben kürzlich geübt, ein Feldlazarett während eines Drohnenangriffs zu evakuieren.

Die bisherige medizinische Ausbildung hat US-Soldaten nicht auf die dauerhafte Bedrohung durch Drohnen vorbereitet.

Bei der Übung orientierten sich die Militärs an Erfahrungen aus der Ukraine und setzten unter anderem Drohnennetze, Roboter und unterirdische Einrichtungen ein.

Sanitäter der US-Luftwaffe lernen, wie sie Patienten behandeln und evakuieren müssen, wenn Drohnen den Betrieb von Feldlazaretten und anderen medizinischen Einrichtungen bedrohen. Damit reagieren sie auf eine neue Bedrohung, auf die ihre herkömmliche medizinische Ausbildung sie bislang nicht vorbereitet hat.

„Drohnen sind eine sehr reale Bedrohung, und unsere Sanitäter der Luftwaffe sind durch ihre reguläre medizinische Ausbildung nicht darauf vorbereitet, mit diesen unbemannten Fluggeräten umzugehen“, sagte Major Sarah Blackthorne, eine an der Ausbildung beteiligte Planerin des Sanitätsdienstes der Luftwaffe, in einer Mitteilung des US-Militärs. „Wir haben eine Übung zur Gewöhnung an die Bedrohung durch Drohnen entwickelt, bei der sie testen konnten, wie sie ein Feldlazarett evakuieren könnten.“

Während der Übung Northern Strike in Michigan mussten sich aktive Soldaten der US-Luftwaffe und Sanitäter der Nationalgarde in diesem Monat einem simulierten Drohnenangriff auf ein Feldlazarett stellen.

US-Soldaten spannen Netze gegen Drohnen

Die Soldaten spannten Netze zum Schutz vor Drohnen auf, wie sie auch auf ukrainischen Schlachtfeldern häufig zum Einsatz kommen, und setzten Handfeuerwaffen gegen unbemannte Fluggeräte ein. Mit einem unbemannten Bodenfahrzeug untersuchten sie abgeschossene feindliche Drohnen. Anschließend brachten sie Patienten in eine unterirdische medizinische Einrichtung und bewegten sich dabei zum Schutz unter den Drohnennetzen hindurch.

In der Ukraine sind nahe der Front häufig Netze gegen Drohnen über Nachschubrouten zu sehen. Soldaten verlegen unterstützende Infrastruktur wie Feldlazarette zunehmend unter die Erde. Auch unbemannte Bodenfahrzeuge kommen bei gefährlichen medizinischen und logistischen Einsätzen immer häufiger zum Einsatz.

Lest auch


Der Drohnenkrieg der Ukraine verändert die Ausbildung der US-Armee – So werden die Soldaten jetzt geschult

Die US-Luftwaffe übernimmt Lehren aus der Ukraine

Drohnen abzuwehren bleibt eine Herausforderung. Fluggeräte, die die elektronische Kriegsführung überwinden, können Soldaten dazu zwingen, sie mit kaum mehr als einer Schrotflinte abzuwehren. Gleichzeitig gibt es nur begrenzte Möglichkeiten, diese Bedrohung in großer Zahl zu bekämpfen.

Die US-Ausbildungsplaner wollten einige der Bedingungen nachstellen, mit denen medizinische Teams in der Ukraine konfrontiert sind. Die US-Sanitäter arbeiteten aus einem unterirdischen Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges, der die befestigten Einrichtungen nachahmen sollte, die ukrainische medizinische Teams häufig nutzen, sagte Blackthorne.

In der Ukraine werden medizinische Einrichtungen von Drohnen aus der Luft angegriffen, wodurch Zelte und andere ungeschützte Standorte besonders gefährdet sind. Befestigte oder unterirdische Einrichtungen bringen allerdings eigene Probleme mit sich. Medizinische Teams müssen dort mit begrenzter Stromversorgung und Beleuchtung, Erschütterungen durch Explosionen in der Nähe, knappen Vorräten und eingeschränkten Logistikketten zurechtkommen, die durch Drohnenangriffe beeinträchtigt werden.

Drohnen verändern die medizinische Versorgung

„Wir wollen nicht, dass sie erst während eines Einsatzes zum ersten Mal mit unbemannten Fluggeräten konfrontiert werden“, sagte Blackthorne. „Es ist wertvoll, hier die Möglichkeit zu bekommen, solchen Situationen ausgesetzt zu sein und den damit verbundenen Stress zu bewältigen.“

Die jüngste Übung zeigt, wie stark sich medizinische Einsätze inzwischen von den Bedingungen unterscheiden, an die sich das US-Militär während zweier Jahrzehnte Krieg im Irak und in Afghanistan gewöhnt hatte.

Lest auch


Operation Spiderweb: Was die US-Armee von einem ukrainischen Drohnenangriff lernt

US-Kampfmediziner werden seit Langem darauf vorbereitet, gemeinsam mit anderen Soldaten zu operieren. Marines etwa werden seit Jahrzehnten von Sanitätern der US‑Navy begleitet. Der weitaus größte Teil des militärischen Sanitätswesens arbeitete während des „Global War on Terror“ jedoch unter völlig anderen Bedingungen. Verwundete Soldaten wurden in der Regel schnell vom Schlachtfeld in medizinische Einrichtungen auf großen Militärbasen gebracht, die gegen Schusswaffen und Explosionen improvisierter Sprengsätze geschützt waren.

In einem künftigen Krieg gegen einen Gegner, der über Drohnen verfügt, könnte eine solche Evakuierung jedoch keine Option mehr sein. Große Bestände günstiger Drohnen könnten nicht nur Soldaten an der Front bedrohen, sondern auch medizinische Teams, Behandlungseinrichtungen sowie Nachschub- und Evakuierungsrouten.

„Wenn sich die Bedrohungslage verändert, müssen auch wir uns verändern – ebenso wie die Techniken, die wir einsetzen“, sagte Generalleutnant John DeGoes, Generalinspekteur des Sanitätsdienstes der US-Luftwaffe, über die Ausbildung. „Es ist wichtig, solche Szenarien durchzuspielen, um nicht nur auf die aktuelle Bedrohung vorbereitet zu sein, sondern auch mental darauf eingestellt zu sein.“

Lest den Originalartikel auf Business Insider US.