Röntgen- und EUV-Spiegel aus Dresden. Foto: Fraunhofer IWS / AxoRöntgen- und EUV-Spiegel aus Dresden. Foto: Fraunhofer IWS / Axo
Fraunhofer-Ausgründung lenkt Strahlen, die sich nicht um Linsen scheren

Dresden, 26.08.26. Wie man Licht beugt und bündelt, haben wir im Physikunterricht gelernt: ein paar Linsen und Spiegel – und schon glüht das optische Spektakel. Röntgenstrahlen für die Materialanalyse, Medizin und Chipproduktion hingegen scheren sich kein um das bisschen Glas: Durch Linsen wandern sie durch wie das heiße Messer durch die Butter. Einen Ausweg aus diesem Problem haben vor einigen Jahren Fraunhofer-Forscher aus Dresden, Jena und Aachen gefunden: Spezialspiegel aus Dutzenden, teilweise sogar Hunderten dünnen Schichten sind seither imstande, extremes Ultraviolett (EUV) und sogar Röntgenstrahlen zu lenken.

Umzug von Reick in den Dresdner Chipnorden

Ein Teil dieser Technologie ist in die weltweit einzigartigen Chipbelichter von ASML und Zeiss eingeflossen. Ein anderes Team aus dem Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) Dresden hat sich 2002 mit der Ausgründung „Axo“ selbstständig gemacht und konstruiert seither Röntgenoptiken vor allem für Materialanalyse-Systeme. Seit 2019 gehört Axo zur Messtechnik-Gruppe „Anton Paar Gruppe“ – und ist seither weiter gewachsen. Um Platz für künftige Projekte zu bekommen, ist das Team von der Gasanstaltstraße in Dresden Reick nun in einen neuen Stammsitz im Industriegelände Nord eingezogen. Das hat der private Gewerbepark-Betreiber „Family Value Management“ mitgeteilt, der die aus den 1930er Jahren stammende große Halle zuvor saniert hatte.

„Axo stärkt mit dem neuen Firmensitz den Dresdner Norden als Technologiestandort.“
Family Value

In dem rund 1100 Quadratmeter großen Gebäude hat das Technologieunternehmen neue Fertigungs- und Büroflächen erhalten sowie als Herzstück ein 230 Quadratmeter großes Beschichtungslabor. Um einen Teil des eigenen Strombedarfs selbst zu decken, hat Axo zudem eine 100-Kilowatt-Solaranlage auf dem Hallendach installiert. Der Hersteller von Röntgenoptiken und Präzisionsbeschichtungen bündele am neuen Standort seine Verwaltung, Entwicklung, Produktion und Messtechnik und schaffe damit die „Voraussetzungen für weiteres Wachstum“, heißt es von „Family Value.

„Die Ansiedlung zeigt beispielhaft die Entwicklungsstrategie von Family Value im Nordpark 24/7“, betonen die Gewerbepark-Betreiber: „Vorhandene industrielle Substanz ressourcenschonend zu transformieren, zeitgemäße Produktions- und Laborflächen zu schaffen und das Areal schrittweise für innovative Unternehmen weiterzuentwickeln.“

Weitere Ausgründungen aus Dresdner Instituten in der Nachbarschaft

Die inzwischen sanierte Werkhalle an der Meschwitzstraße 21 ist Teil eines größeren Komplexes aus „Nordpark 24/7“ und „Fairwerk“, den das Leipziger Immobilienunternehmen „Family Value“ schrittweise im Dresdner Norden – unweit der Chipfabriken von Infineon, Bosch. Globalfoundries & Co. – saniert, teils auch mit neuen Hallen in Holzbauweise verdichtet. Angesiedelt haben sich hier neben Axo weitere Technologiefirmen. Dazu gehört mit „Amarea“ eine Ausgründung aus dem Dresdner Fraunhofer-Keramikinstitut IKTS, die sich auf industriellen 3D-Druck spezialisiert hat. „Herone“ ist eine Leichtbau-Ausgründung der TU Dresden. Auch der Akku-Hersteller „Scaba“ hat seine Wurzeln am Leichtbauinstitut ILK der TU Dresden. Insgesamt sind in dem Areal 16 Firmen angesiedelt.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen: Axo, Fraunhofer IWS, Linkedin, Northdata, Oiger-Archiv, Family Value