Schick gekleidete Menschen blicken mit müden Augen auf Handys, Rollkoffer rattern über das graue Pflaster – am Morgen zeigt sich Merings Bahnhof deutlich als Pendlerstation. Jeden Tag steigen hier Menschen in Züge, um zu ihrer Arbeit in München zu kommen. Zwischen 6 und 8 Uhr haben sie dafür pro Stunde vier Verbindungen zur Auswahl. Allerdings nicht mehr lange. Denn ab 2028 sollen täglich zwölf Regionalzug-Verbindungen zwischen Augsburg und München wegfallen. Stattdessen sollen ICE auf der Strecke häufiger fahren. In Hauptverkehrszeiten werden stündlich höchstens zwei Regionalzüge fahren. Pendler sehen massive Probleme kommen – nicht nur an den Bahnsteigen im Landkreis Aichach-Friedberg.

Bahnverbindung Augsburg-München: Züge fallen weg

Ein- bis zweimal pro Woche pendelt Sigrid Schulz-Zimmermann nach München. Die 47-jährige Meringerin bezeichnet sich selbst als Verteidigerin der Bahn und ist aktuell mit der Verbindung nach München zufrieden. Oft könne sie am Morgen gegen 7.30 Uhr einen Sitzplatz ergattern: „Ich warte meist einen der längeren Züge ab, da sind die Chancen gut.“ Doch sie geht davon aus, dass sich die geplante Umstellung auf einen schlechteren Takt deutlich bemerkbar machen wird. Ein noch größeres Problem sieht sie bei der Rückfahrt von München nach Mering. „Ist es wirklich schwierig, einen Sitzplatz zu bekommen, obwohl ich direkt am Münchner Hauptbahnhof einsteige“, schildert sie.

Diese Erfahrung teilt auch Susanne Neumair aus Merching. Die 60-Jährige fährt in der Regel um 18 Uhr vom Münchner Hauptbahnhof aus zurück nach Hause. Der Zug sei oft so voll, dass Fahrgäste nicht einmal mehr einsteigen können. Aktuell fahren am späten Nachmittag und Abend vier bis fünf Züge pro Stunde von München aus in Richtung Augsburg. Doch auch zu diesen Stoßzeiten sollen künftig maximal zwei Züge pro Stunde verkehren. „Wenn Verbindungen wegfallen, kommt es abends zum Chaos“, sagt sie.

Ein Problem sei auch der weitere Anschluss. Um nach Hause zu kommen, muss sie von Mering aus mit dem Bus weiter nach Merching. Der fährt nur etwa einmal pro Stunde. Wenn sie in München wegen eines überfüllten Zugs eine spätere Verbindung nehmen muss, laufe sie meist von Mering aus mehrere Kilometer nach Hause, anstatt lange auf den nächsten Bus zu warten.

Zu Stoßzeiten sind zwischen Kissing und München viele Züge im Einsatz. Doch ihre Anzahl soll schrumpfen.

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Zu Stoßzeiten sind zwischen Kissing und München viele Züge im Einsatz. Doch ihre Anzahl soll schrumpfen.
Foto: Christian Gall

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Zu Stoßzeiten sind zwischen Kissing und München viele Züge im Einsatz. Doch ihre Anzahl soll schrumpfen.
Foto: Christian Gall

Pendler aus Friedberg sieht höheres Fahrgastaufkommen

Auch am Kissinger Bahnhof reihen sich morgens Pendler am Bahnsteig nebeneinander auf. Zu ihnen gehört Jürgen Wörle aus Friedbergs Ortsteil Wulfertshausen. Seit fünf Jahren fährt der 43-Jährige täglich von Kissing aus nach München. Meistens nimmt er eine der Verbindungen um 7 Uhr herum. „Das Fahrgastaufkommen ist da hoch. Selbst jetzt finden Leute kaum Platz“, sagt er. Ihm komme es so vor, als sei das Fahrgastaufkommen in den vergangenen Monaten gestiegen. „Wenn die Zahl der Verbindungen reduziert wird und keine längeren Züge bereitgestellt werden, dann bekommen wir Probleme“, sagt er.

Einen Umstieg auf das Auto könne er sich aber nicht vorstellen. Zwar würde der Weg zu seiner Arbeitsstelle nicht wesentlich länger dauern, aber die Kosten seien ein ausschlaggebender Faktor für ihn: „Mir wäre es zu teuer, jeden Tag mit dem Auto zu fahren. Da ist die Fahrt mit dem Deutschlandticket wesentlich attraktiver.“

Pendeln von Kissing nach München: Rückfahrt bereitet Probleme

Anders ist es bei einem Kissinger Student, der zweimal wöchentlich nach München pendelt. Manchmal fahre er mit dem Auto, weil die Zugverbindungen Probleme bereiten. Bei der Abfahrt in Kissing um etwa 6.30 Uhr bekomme er nur selten einen Sitzplatz. Besonders angespannt sei die Lage zwischen 16 und 17 Uhr am Münchner Hauptbahnhof. „Schon jetzt kommt es vor, dass zu viele Leute in den Zug wollen und die Türen nicht mehr zugehen“, sagt er. Den aktuellen Takt hält er für unverzichtbar.