Bielefeld-Heepen. Das war mal ein symbolischer Spatenstich mit einer besonderen Note: Kurz nachdem Sascha Meyer, Geschäftsführer des Chemieunternehmens Dr. Hesse, und Gäste die Grabwerkzeuge für den Neubau in die Erde gerammt hatten, rückte ein Großaufgebot der Feuerwehr an Wernings Hof an: ABC-Alarm war ausgelöst worden, weil ein beißender Geruch in der Luft lag.

Mitarbeiter der benachbarten Baustofffirma Linnenbecker hatten diesen am Mittwochmorgen wahrgenommen und die Feuerwehr alarmiert. Es roch nach Ammoniak, ein Stoff, der in sehr geringen Mengen bei Dr. Hesse in der Produktion zum Einsatz kommt. Daher rückte der Dekon-Zug der Feuerwehr Bielefeld an, bestehend aus mehreren Löschabteilungen, die Berufswehr aus zwei Wachen und die Löschabteilung Heepen – insgesamt rund 70 Einsatzkräfte.

Nach einem Rundgang mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr durch das Chemieunternehmen konnte jedoch schnell Entwarnung gegeben werden. Weder in der Fertigung noch in den Laboratorien konnte Ammoniakgeruch festgestellt werden. Daher rückten die Einsatzkräfte, die auf der Eckendorfer Straße Aufstellung genommen hatten, bereits nach einer halben Stunde wieder ab.

Ungünstige Wetterlage könnte Abluft runtergedrückt haben


Der Morgen begann mit einem Schreckmoment. Weil Ammoniak-Geruch in der Heeper Luft lag, wurde ABC-Alarm ausgelöst. Nach kurzer Zeit konnte jedoch Entwarnung gegeben werden. - © Susanne Lahr

Der Morgen begann mit einem Schreckmoment. Weil Ammoniak-Geruch in der Heeper Luft lag, wurde ABC-Alarm ausgelöst. Nach kurzer Zeit konnte jedoch Entwarnung gegeben werden.
| © Susanne Lahr

Die Vermutung geht dahin, dass eine ungünstige Wetterlage die gereinigte Abluft der Absauganlage kurzfristig wieder nach unten gedrückt hat. „Das ist in den vergangenen 16 Jahren, seitdem ich hier bin, vielleicht drei- bis viermal vorgekommen“, sagt Sascha Meyer. Eine technische Störung habe nicht vorgelegen, es habe keine Gefahr für Mitarbeiter und Anwohner gegeben, betont der Geschäftsführer.

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Mit etwas Verspätung ging der offizielle Teil weiter, in dem das Unternehmen den Gästen des symbolischen Spatenstichs – darunter Landtagsabgeordneter Tom Brüntrup und Bezirksbürgermeister Holm Sternbacher – vorstellte, warum das Unternehmen an geschichtsträchtiger Stelle anbaut.

Dort, wo nun das neue Verwaltungsgebäude der Chemiefirma entsteht, stand bis vor fünf Jahren noch die traditionsreiche Gaststätte Wernings Hof, die nach dem Corona-Lockdown nicht wiedereröffnet hatte. Gustav-Adolf Werning bot daraufhin Haus und Hof seinem guten Nachbarn an, der sich das Gelände als Ausbaureserve zulegte und nun darauf zurückgreift.

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Strategische Entscheidung bindet Dr. Hesse weiter an Bielefeld


In der Flüssigkeiten-Mischanlage der Firma Dr. Hesse werden jährlich bis zu 7.000 Tonnen Chemikalien produziert. - © Susanne Lahr

In der Flüssigkeiten-Mischanlage der Firma Dr. Hesse werden jährlich bis zu 7.000 Tonnen Chemikalien produziert.
| © Susanne Lahr

Auf dem bisherigen Firmengelände wird nach den Worten von Sascha Meyer zusätzlich der Labor- und Galvaniktrakt erweitert. Insgesamt werden rund 2,5 Millionen Euro investiert. „Mit so einer strategischen Entscheidung binden wir uns weiter lange an Bielefeld“, betont Meyer. Und sie sichere die 67 Arbeitsplätze in Heepen.

Die Dr. Hesse GmbH & Cie. KG besteht seit mehr als 130 Jahren. Seit den 1960er Jahren stellt die Firma in Heepen Spezialchemikalien für die galvanische und chemische Oberflächenbehandlung her. Beispielsweise werden damit Fensterbeschläge vor Korrosion geschützt. „In diesem Bereich sind wir Weltmarktführer“, betont Geschäftsführer Meyer selbstbewusst.

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Produkte für Metall- und Oberflächenveredelung


Auf dem Gelände, auf dem nun gebaut wird, stand bis 2021 die Traditionsgaststätte "Wernings Hof". - © Andreas Zobe

Auf dem Gelände, auf dem nun gebaut wird, stand bis 2021 die Traditionsgaststätte „Wernings Hof“.
| © Andreas Zobe

Eingesetzt werden die mehr als 600 Produkte vor allem von Galvanikbetrieben und Unternehmen der industriellen Metall- und Oberflächenveredelung. Mit Partnern werden sie in rund 35 Länder vertrieben. Forschung und Entwicklung spielen ebenfalls eine große Rolle. Meyer betont, dass Dr. Hesse eines von vier verbliebenden Familienbetrieben in der Chemieindustrie sei, die sich gegen zwei große Konzerne der Branche mit globalen Strukturen behaupten. Seine Firma könne zielgenauer auf den Kundenbedarf hin entwickeln und punkte mit einer individuellen Betreuung. Die Heeper haben fünf Tochterunternehmen in Polen, Italien, Kolumbien, Mexiko und China (Joint Venture). Das Know-how bleibe dabei immer in Bielefeld, betont Sascha Meyer.