Was wird aus einer Straße, wenn sie nicht mehr hauptsächlich für parkende und fahrende Autos genutzt wird? Welche Möglichkeiten und Freiräume bieten sich so für die Menschen? Dieser Frage können Interessierte am Sonntag, 20. September von 11 bis 17 Uhr in der Zimmerstraße nachgehen. Der Mobile Ölberg organisiert gemeinsam mit der Stadt Wuppertal das „SpielZimmer“ und stellt ein vielfältiges Programm auf die Beine.
Statt Autos wird es mobile Bäume und Rasenflächen auf der Straße geben. Ganz offiziell eröffnet wird die neue Fahrradgarage, die Platz für rund 30 Räder bietet. Es gibt Live-Musik, Tanzvorführungen und viele Mitmachaktionen für Kinder und Erwachsene. „Außerdem laden wir die Nachbarschaft ein, den so gewonnenen Platz zu nutzen, Tische und Stühle oder Sofas rauszustellen und zusammen einen schönen Tag zu verbringen“, erklärt Thomas Weyland, der den Tag mit organisiert und im Vorstand des Vereins „Unternehmer/innen für die Nordstadt“ ist. Infostände für viele verschiedene Initiativen und Projekte rund um nachhaltige Mobilität bieten zudem die Möglichkeit für Gespräche. Mit dabei sind unter anderem der ADFC, Cambio, das Wuppertal Institut und die Verbraucherzentrale. Die Fahrradrikscha vom Nachbarschaftsheim am Platz der Republik wird an diesem Tag einen Shuttleservice vom Lutherstift in die Zimmerstraße anbieten.
„Die Stadt ist auf uns zugekommen und hat gefragt, ob wir an der Europäischen Mobilitätswoche teilnehmen wollen“, erinnert sich Peer Stemmler, der sich unter anderem beim Mobilen Ölberg engagiert und ebenfalls Teil des „SpielZimmer“-Orgateams ist. Ein Angebot, das man nicht ablehnen konnte: „Wir möchten einen Beitrag für die Verkehrswende schaffen und aktiv mitgestalten“, sagt Stemmler. Mit einer autofreien Straße, die mehr Platz für Menschen, Begegnung, Spiel und Begrünung bietet, lasse sich zumindest zeigen, was alles möglich sein könnte.
Ein Sonntag ohne Autos für eine alternative Nutzung
Für den Anfang müssen dafür temporär die Autos weichen: Schon am Freitagmorgen, 17. September, startet das offizielle Halteverbot und dauert bis 17 Uhr am Sonntagabend. Wer sich durch die oft engen Straßen des Ölbergs bewegt, stellt schnell fest: Hier parken viele Autos mit zwei Rädern auf dem Bürgersteig. Der Platz für Fußgänger wird dadurch deutlich eingeschränkt, mit Kinderwagen oder Rollstuhl ist ein Durchkommen kaum möglich. „Das wird geduldet, ist aber offiziell verboten“, ärgert sich Stemmler. Deshalb gibt es dafür auch keine Strafzettel. Doch in den letzten Jahren haben er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter bereits dafür gesorgt, dass im Hombüchel nicht mehr beidseitig und vor allem nicht mehr halb auf dem Gehweg geparkt werden kann. Hinzu kommt das Anwohnerparken. „Dadurch gibt es jetzt offizielle, eingezeichnete Parkplätze und der Bus, der während eines einjährigen Beobachtungszeitraums über 400 Mal stecken geblieben ist, kommt hier jetzt endlich durch“, freut sich Stemmler und wünscht sich eben dies auch für andere Straßen im Quartier.
Die neue Regelung im Hombüchel gibt es dank Gesprächen mit der Bezirksvertretung, die das Anliegen unterstützt hat. Die Zimmerstraße könnte eine der nächsten Straßen sein, für die eine ähnliche Regelung entsteht. Dann gäbe es zumindest ein besseres Durchkommen. „Wir gehen davon aus, dass Privatpersonen in Zukunft weniger Fahrzeuge besitzen werden. Irgendwann werden wir von selbstfahrenden Autos hin und hergefahren werden – dann müssen wir keine Parkplätze mehr suchen“, ist Stemmler überzeugt.
Bis es so weit ist, sei man in einer Übergangszeit, in der immer mehr Wege mit dem Fahrrad beziehungsweise E-Bike zurückgelegt und auch Lasten damit transportiert werden. „Gerade die teuren Lastenräder und E-Bikes lässt man nicht einfach draußen stehen – aber sie sind auch schwer und lassen sich nur mit viel Mühe in die denkmalgeschützten Altbauten am Ölberg tragen“, erklärt Stemmler. Umso wichtiger sei es deshalb, günstige Plätze in Fahrradgaragen anzubieten. „Das trägt zur Verbreitung der Fahrradkultur bei“, ist er überzeugt. Am Ölberg gibt es inzwischen drei Fahrradgaragen, teils mit Carsharing kombiniert: Am Schusterplatz, an der Dorotheenstraße und bald auch offiziell an der Zimmerstraße. „Die Garage stehen auf städtischen Flächen. Die Stadt unterstützt uns da auch finanziell. Auch deshalb passt ein ‚autofreier Sonntag‘ so gut auf den Ölberg“, meint Stemmler.
Das Parkverbot, auch wenn es nur temporär ist, dürfte Unmut auslösen. Die Organisatoren hoffen aber, dass nicht nur das Negative, sondern die Möglichkeiten gesehen werden und Anwohnerinnen und Anwohner sowie Besucherinnen und Besucher eine positive Erfahrung mitnehmen können: Von einer Straße, die zu einem „SpielZimmer“ wird und bessere Möglichkeiten zur Gemeinschaft bietet als zugeparkte, graue Asphaltflächen, die für viele Verkehrsteilnehmer kaum ein Durchkommen ermöglicht.