
AUDIO: Landgericht Rostock: Fabian-Prozess wird möglicherweise verlängert (1 Min)
Stand: 26.08.2026 20:38 Uhr
Der 23. Verhandlungstag im Prozess zum Fall Fabian am Landgericht Rostock hat möglicherweise neue Erkenntnisse erbracht, wie viel die Angeklagte am Tag des Mordes unterwegs war. Ein Video zeigte zudem, wie sie kurz nach dem Fund des toten Jungens versuchte, die Ermittler anzulügen.
Im Mordfall Fabian könnte nach Angaben eines Experten des Landeskriminalamtes (LKA) das Bewegungsbild des Handys der angeklagten Gina H. in einigen wichtigen Punkten mit dem von der Staatsanwaltschaft rekonstruierten Tatverlaufs übereinstimmen. Das ergebe sich aus einer erneuten Auswertung des Handys mit einer Methode, die dem LKA bei der ersten Auswertung im Herbst 2025 noch nicht zur Verfügung stand, wie der Beamte am Mittwoch als Zeuge vor dem Landgericht Rostock aussagte. Demnach seien aus den Daten Fahrten und Fahrtpausen abzulesen, die zu dem Vorwurf passen könnten, Gina H. habe den achtjährigen Fabian am 10. Oktober aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und sei dann mit ihm in Richtung Klein Upahl (Landkreis Rostock) gefahren. Dort soll sie den Jungen an einem Tümpel auf einem Feld getötet haben. Zu diesem Zeitpunkt war das Handy jedoch ausgeschaltet, sodass keine Bewegungsdaten gespeichert wurden.
Einige Daten für Verteidiger unverständlich
Dafür wurde offenbar eine Fahrt zu einem Treffen mit einem Bekannten am nahen Bolzsee auf dem Handy registriert, das gegen 13 Uhr begann. Für die Verteidiger und die Zuschauer im Saal war allerdings aus den komplizierten Angaben des LKA-Mannes kaum nachzuvollziehen, wann die beiden sich wieder getrennt haben und ob die Angeklagte Zeit hatte, noch einmal zum Tümpel zu fahren, um den Leichnam anzuzünden. So wird es ihr in der Anklage vorgeworfen. Andererseits lässt sich aus den Handy-Daten wohl ablesen, zu welchen konkreten Zeiten Gina H. bereits am 13. Oktober nachts mit zwei Bekannten an dem Tümpel war. Sie hatte erst am nächsten Morgen der Polizei gemeldet, sie habe Fabians Leiche gerade zufällig während eines Spaziergangs mit einer Freundin entdeckt, weil ihr Hund sich losgerissen habe und zu dem Tümpel gelaufen sei.

Die Angeklagte hat sich erstmals selbst zu den Vorwürfen geäußert und versucht, Zweifel an Zeugen zu säen.
Ein turbulenter Verhandlungstag
Die Aussage des LKA-Beamten stand am Ende eines turbulenten und langen Prozesstages. Vorher wurde die Video-Aufnahme der ersten Vernehmung von Gina H. im Gerichtssaal abgespielt, die kurz auf den angeblich zufälligen Fund folgte. Sie dauerte mehr als drei Stunden. Zunächst tischte sie den Vernehmern wortreich und mit zahlreichen Details ausgeschmückt erneut ihre Version vom zufälligen Fund mit ihrer Freundin an jenem Vormittag auf. Dann wurde sie mit der Aussage ihrer Freundin konfrontiert, die inzwischen etwas anderes angegeben hatte. Nun räumte Gina H. ein, sie sei bereits in der Nacht mit einem Bekannten, der ein Nachtsichtgerät hatte, am Tümpel gewesen. Sie verschwieg weiterhin, auch mit einem zweiten Bekannten dort gewesen zu sein. Beide Männer haben längst vor Gericht ausgesagt, die Angeklagte räumte inzwischen beide Treffen ein. Die Verteidiger hatten versucht, die Vernehmung vom 14. Oktober aus dem Prozess herauszuhalten. Gina H. hätte als Beschuldigte (mit besonderen Rechten) und nicht als Zeugin vernommen werden müssen. Das Gericht lehnte einen entsprechenden Antrag allerdings ab.
Angeklagte wird keine Fragen beantworten
Zu Beginn des Prozesstages gab der Vorsitzende Richter bekannt, dass der Prozess möglicherweise um bis zu fünf Tage bis in den Oktober hinein verlängert werden könnte. Dies machen offenbar neue Beweisanregungen und -anträge notwendig. Unter anderem beantragte die Verteidigung ein neues Gutachten zu der Frage, wie lange der Brand am Tümpel gedauert hat, nachdem der Leichnam von Fabian angezündet wurde. Dies sei für die Frage entscheiden, ob die Angeklagte die Täterin sein kann. Zudem deuteten die Verteidiger an, dass Gina H. wohl keine Fragen zu ihrer vierstündigen Einlassung vom vergangenen Montag seitens des Gerichts und der Staatsanwaltschaft beantworten wird. Rechtsanwalt Thomas Löcker sagte, die Angeklagte sei dazu wahrscheinlich nicht in der Lage. Seit ihrer Aussage habe sich ihr Gemütszustand vollkommen verändert. Ihr sei offenbar zum ersten Mal klar geworden, was in diesem Prozess für sie auf dem Spiel steht.
Angeblich einer Beziehung im Weg
Die Angeklagte hatte am vergangenen Montag zum ersten Mal in dem Prozess ausgesagt. Vier Stunden lang berichtete sie aus ihrem Leben und stellte ihre Version der Ereignisse dar. Sie beteuerte ihre Unschuld und versuchte die Glaubhaftigkeit der belastenden Aussagen zweier Zeugen zu untergraben. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Fabian war der Sohn des damaligen Ex-Freundes der Angeklagten, der sich im August 2025 von ihr getrennt hatte. Die Staatsanwaltschaft wirft Gina H. vor, das Kind am 10. Oktober aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow gelockt und an jenem Tümpel bei Klein Upahl erstochen zu haben. Später soll sie möglicherweise zurückgekehrt sein, um den Leichnam anzuzünden. Die Staatsanwaltschaft unterstellt in ihrer Anklage, Gina H. habe geglaubt, Fabian sei bei ihrem Bestreben im Weg gewesen, die Beziehung mit Fabians Vater wieder aufnehmen zu können.

Die angeklagte Gina H. hat sich erstmals selbst vor Gericht geäußert. Unter anderem versuchte sie, Zweifel an belastenden Aussagen einiger Zeugen zu säen.
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