Wenn Spiderman die Kuppel des Quirinusmünsters erklimmt, dann schaut man entweder einen Science-Fiction-Streifen – oder es ist Neusser Fackelzug. Für solch ein actionreiches Motiv entschied sich in diesem Jahr nämlich der Jägerzug „Alles för de Freud“. Wer Zeuge von weiteren bunten und kreativ gestalteten Großwagen werden möchte, der sollte am Samstagabend mal einen Abstecher in die Neusser Innenstadt machen. Alles, was man zum leuchtenden Umzug wissen muss.

Zogen im Vorjahr noch 97 solcher Themenwagen aus sechs Korps durch die Straßen, müssen sich die Zuschauer diesmal mit elf Exemplaren weniger begnügen. Für Schützenfest-Unerfahrene: Bei den Fackeln handelt es sich um Darstellungen, die mit Karneval vergleichbar sind, nur dass eine Fackel illuminiert ist, geschoben wird und schon deshalb in der Regel kleiner ist als ein Mottowagen. Und: Wegen Brücken und Oberspannungsleitungen ist ihre Höhe auf 4,50 Meter beschränkt.

Die Fackelbauer holen ihre Arbeiten am frühen Abend aus ihren Werkstatthallen und fahren sie an der Hafenstraße auf (die Erftstraße steht auch in diesem Jahr wegen der Baustelle nicht zur Verfügung). Los geht es gegen 20.45 Uhr. Mit Musik und allen Zügen des Regimentes geht der Fackelzug ab Niedertor über Niederstraße, Büchel, Markt, Oberstraße, Windmühlengasse, Mühlenstraße, Zollstraße, Friedrichstraße, Breite Straße, Kanalstraße, Erftstraße, Benno-Nußbaum-Platz, Büttgerstraße, Kapitelstraße, Krefelder Straße. Ende ist an der Einmündung Königstraße.

Besonders eifrig waren in diesem Jahr wieder die Grenadiere mit 30 gemeldeten Fackeln vor Schützenlust (28), Jägern (14), Hubertusschützen (8) und Schützengilde (5). Die Scheibenschützen bauen traditionell eine Großfackel.

In der Themenwahl sind die Züge frei, doch achten die Hauptleute darauf, dass sich nicht zu viel doppelt. Was in diesem Jahr auffällt: Die Landesgartenschau ist zwar durchaus präsent bei der Gestaltung der Wagen, allerdings herrscht so viel Vielfalt – so wurde bei den Fackelbaurichtfesten deutlich –, dass am Samstag keine Langeweile aufkommen wird.

Als beliebtes Thema erweist sich in diesem Jahr zum Beispiel auch die Fußball-Weltmeisterschaft, die für die DFB-Elf in einem Fiasko endete. Auf der Fackel der Nüsser Rheineke (Hubertuskorps) wird Ex-Trainer Julian Nagelsmann deshalb mit einer Rakete zum Mond geschossen.

Einfallsreichtum bewiesen auch die Schützen vom Zug Nordlichter 2010 (Schützenlust). In Anlehnung an die RTL-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ bauten sie eine knallgrüne Dschungelcamp-Fackel. Im Vordergrund stehen hier allerdings die Jungschützen. „Wir haben keine Nachwuchsprobleme“, sagt Alex van Opbergen. Darum prangt auch der Schriftzug „Ich bin ein Schütze – Lasst mich hier rein!“ auf dem Großwagen. Garniert wird das Ganze mit einem Jungschützen, der in einem großen Bierglas schwimmt.

Weil sie in diesem Jahr mit Franz Josef Odendahl den König stellt, hat sich natürlich auch die Gilde nicht lange bitten lassen – auch wenn sie zwei Fackeln weniger gezaubert hat als 2025. Vom chinesischen und japanischen Mondkalender inspirieren ließen sich „Die Stifte“, die das Jahr des Feuerpferds gestalterisch umsetzen. Mit dem Schützenfest der Zukunft setzten sich wiederum die Edel-Männer (ebenfalls Gilde) auseinander und zeichneten das Bild eines Vogelschusses per Drohne.

Zehntausende Besucher, da wird es eng in der Innenstadt von Neuss. Zuschauer, die sich einen Platz in der ersten Reihe am Straßenrand sichern wollen, sollten sehr frühzeitig anreisen. Getränkestände und Lokale sind auf die Versorgung der Besucher eingestellt. Am einfachsten ist die Anreise mit Bahn, Bus oder Fahrrad. Wer mit dem Auto anreist, sollte temporäre Halteverbote (Abschlepp-Gefahr!) beachten und am besten eines der Parkhäuser ansteuern. Je nach Standort kann es bei der Ausfahrt zu kurzzeitigen Behinderungen durch Straßensperrungen kommen.

Fackelbauer genießen im Regiment besonderes Prestige. Ihre Richtfeste (meist in der Woche vor dem Ereignis), sind Muss-Termine für Komitee und Schützenkönig, der die Fackelbauer oft besonders generös bei der Ordensvergabe berücksichtigt. Für die Zuschauer – die Polizei spricht Jahr für Jahr von Zehntausenden – ist es vor allem eine Riesenattraktion. Und ist das Wetter schön, schließt sich dem etwa zweistündigen Spektakel ein fröhliches Treiben in allen Gaststätten der Innenstadt an.