Carrie Yamaoka als Teil der eigenen Kunst

AUDIO: Hamburger Kunsthalle zeigt Ausstellung von Carrie Yamaoka (3 Min)

Stand: 26.08.2026 14:16 Uhr

Oberflächen, die sich durch chemische Prozesse verändern, Spiegelungen, Fotos und Skulpturen: Erstmals ist in der Hamburger Kunsthalle eine Einzelausstellung der US-Künstlerin Carrie Yamaoka zu sehen. Sie hat sich auf besondere Weise dafür qualifiziert.

von Kerry Rügemer

Der Maria-Lassnig-Preis hat es ermöglicht. Die alle zwei Jahre verliehene Auszeichnung kombiniert das Preisgeld in Höhe von 50.000 Euro immer mit einer Ausstellung in einem Kunsthaus – und so sind in der Kunsthalle die Exponate der diesjährigen Preisträgerin Yamaoka zu sehen.

Im Lichthof der Galerie der Gegenwart, inmitten ihrer Ausstellung, steht die 69-Jährige da und beschreibt ihre Arbeitstechniken. „Wenn ich eine Schicht des Objekts abziehe, es öffne und auseinandernehme, dann ist das so, als würde ich die Zeit befreien“, sagt sie, während sie vor einem spiegelartigen Quadrat steht, dessen Oberfläche nicht glatt, sondern von Bläschen und Schlieren durchzogen ist.

Ihre Werke sind eigentlich nie verlässlich vollendet

Carrie Yamaoka mit ihrer Kunstharz-Arbeit

Mit Kunstharz hat Carrie Yamaoka in einer großen Mülltüte einen still ruhenden See entstehen lassen.

Die amerikanische Künstlerin mit japanischen Wurzeln ist eine Meisterin der Transformation, das bedeutet: Ihre Werke sind eigentlich nie verlässlich vollendet. „Ich arbeite schon seit vielen Jahren als Künstlerin und habe dementsprechend viele Werke geschaffen, die dann ausgestellt werden. Manche davon kommen irgendwann nach Jahren zu mir zurück“, erzählt Yamaoka. „Dann merke ich plötzlich, dass sie so, wie ich sie einst geschaffen haben, gar nicht mehr ins Heute passen. Also zerstöre ich sie, indem ich zum Beispiel die oberste Schicht abziehe. Durch diese Veränderung versuche ich, ein altes Werk in die Gegenwart zu bringen.“

Yamaoka arbeitet viel mit Kunstharz und Alltagsmaterialien. In eine große Mülltüte hat sie tiefblaues Harz eingefüllt, nur ein paar Zentimeter hoch. Danach hat sie die Mülltüte oberhalb des Harzes abgeschnitten. Jetzt steht dieses Objekt am Boden wie ein still ruhender See und zieht den Blick geradezu magisch in die vermeintliche Tiefe des künstlichen Wassers.

Ihre Werke strahlen eine solche Poesie und Schönheit aus.

Birgit Kölle, Leiterin der Galerie der Gegenwart

Birgit Kölle, Leiterin der Galerie der Gegenwart, saß mit in der Jury, die sich bei der Verleihung des Maria-Lassnig-Preises letztlich für die gebürtige New Yorkerin entschieden hat: „Ihre Werke strahlen eine solche Poesie und Schönheit aus, trotz dieser einfachen Materialien, die sie verwendet, und das hat uns als Jury überzeugt.“ Das Besondere an der Auszeichnung ist, dass sie immer mit einer Einzelausstellung in einem etablierten Kunsthaus einhergeht.

„Die Idee von Maria Lassnig war, Künstlerinnen und Künstler auszuzeichnen, die ‚mid-career-Künstler‘ sind, also die noch nicht diese internationale Anerkennung haben, die sie eigentlich verdienen“, sagt Kölle.

Bei Yamaokas Arbeiten geht es auch ganz viel um das Entdecken. Wenn in einer Ecke ein Haufen silberner Plastikscherben liegt, mag manch Besucherin oder Besucher sich vielleicht wundern. Aber spätestens in dem Moment, wo man erblickt, wie die Spiegelungen der Scherben durch die einfallende Sonne ein sich ständig verändertes Lichtfeuer an die Wand dahinter entfachen, entfaltet sich ihre ganze Kunst.

Zu sehen ist das Werk Carrie Yamaokas noch bis zum 10. Januar in der Galerie der Gegenwart in der Kunsthalle.

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