Kurz nach der Geburt

Kieler Forscher entdecken erstaunliche Fähigkeit bei Seehundbabys

Aktualisiert am 26.08.2026 – 17:03 UhrLesedauer: 2 Min.

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Ein junger Seehund auf Helgoland (Archivbild): Kieler Zoologinnen haben untersucht, wie sich die Tiere nach der Geburt entwickeln. (Quelle: imageBROKER/Robert Haasmann/imago)

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Kieler Zoologen untersuchen 152 Seehundskelette. Dabei zeigt sich, wie ungewöhnlich früh die Jungtiere für die Natur gerüstet sind.

Ein Fisch, ein Happs: Seehunde kauen ihre Beute nicht. Sie packen ihre Beute und schlucken sie meist vollständig herunter. Selbst junge Tiere sind dafür ungewöhnlich früh gerüstet, wie eine Studie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zeigt.

Demnach ist der Kiefer von Seehunden schon kurz nach der Geburt ähnlich funktionsfähig wie bei ausgewachsenen Tieren. Eine starke Zunahme der Beißkraft nach der Säugezeit, wie sie bei vielen an Land lebenden Raubtieren vorkommt, benötigen die Meeressäuger nicht.

Kieler Zoologinnen untersuchen 152 Skelette

Für die Untersuchung vermaßen die Kieler Zoologinnen Elisabeth Steinbach, Julia Schaar und Christine Böhmer 152 Seehundskelette. Sämtliche Tiere stammten von der Nordseeküste Schleswig-Holsteins. Die Hälfte der untersuchten Exemplare war männlich, die andere Hälfte weiblich.

Im Mittelpunkt standen die Kieferknochen. Mithilfe biomechanischer Analysen untersuchte die Arbeitsgruppe, wie sich der Kauapparat im Laufe des Lebens verändert.

Das Ergebnis: Schädel und Kiefer wachsen in den ersten Lebensjahren schnell. Die errechnete Beißkraft nimmt währenddessen allerdings nur unwesentlich zu. Der Kauapparat der jungen Tiere ist damit bereits früh auf die Ernährungsweise der ausgewachsenen Seehunde vorbereitet.

Das ist für den Nachwuchs wichtig. Junge Seehunde können unmittelbar nach der Geburt schwimmen und tauchen. Zwar werden sie zunächst einige Wochen von ihren Müttern gesäugt, sie nehmen aber schon bald feste Nahrung wie kleine Fische und Krebse zu sich.

Seehunde können kleine Fische „einsaugen“

Kauen können Seehunde ihre Nahrung kaum. Ihre Backenzähne sind dafür nicht entsprechend aufgebaut. Außerdem fehlen ihnen die für viele Landraubtiere typischen Reißzähne, mit denen Beute zerteilt wird.

Stattdessen packen Seehunde ihre Beute und schlucken sie vollständig. Kleine Fische und Krebse können sie nach Angaben der Kieler Zoologinnen sogar mit einem erzeugten Sog in ihr Maul ziehen. Eine besonders hohe Beißkraft ist für diese Technik nicht erforderlich.

Die Untersuchung zeigte außerdem Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Bei weiblichen Seehunden wächst der Kiefer zunächst schneller, das Wachstum endet jedoch früher. Bei den männlichen Tieren hält es länger an.

Nach Angaben der Universität wurde die Entwicklung des Kauapparats Atlantischer Seehunde erstmals detailliert dokumentiert. Die Ergebnisse könnten künftig dabei helfen, bei tot gefundenen Tieren ungewöhnliche Veränderungen zu erkennen – etwa infolge von Krankheiten, Nährstoffmangel oder veränderten Umweltbedingungen.