Den Kindern geht’s gut. – Geht es den Kindern gut? Dieser Frage geht die Gruppenausstellung „The Kids Are Alright“ im Neuen Kunstverein nach. Neun junge Künstler zwischen 25 und 30 Jahren aus ganz Deutschland haben sich über eine bundesweite Ausschreibung zusammengefunden.
In einem künstlerischen Zusammenschluss kuratieren Paula Raak, Lea Fabienne Glodek, Yana Barros Hemfort, Stella Lauhoff und Nina Lülff die Ausstellung gemeinsam. Paula Raak ist Mitglied im Neuen Kunstverein, durch ihr Kunststudium in Kassel und den Wunsch nach Vernetzung gemeinsam mit Yana Carros Hemfort auf die Suche gegangen. „Um mit anderen Städten etwas gemeinsam zu machen. Auch wenn Raum, Geld und die richtigen Leute nicht leicht zu finden sind“, erzählt Paula Raak. Nach und nach entwickelte sich ein Konzept, wie „durch eine klassische Assoziationskette“ – als die Zusage des Vereins kam, war das „der Jackpot“, sagt Raak. „Besonders als junge Person ist es nicht einfach, die Mittel für eine Ausstellung aufzubringen. Der Verein begleitet das Ganze eng und das ist wirklich toll.“
„The Kids Are Alright“ – bewusst wählten die Kuratorinnen ein Thema, zu dem „irgendwie heute alle was sagen können“. In Zeiten von politischer Dauerkrise, digitaler Überforderung, Zukunftsängsten. Über die Sozialen Netzwerke und einen „Open Call“ versuchte das Team möglichst viele zu erreichen, bekam mehrere Hundert Bewerbungen zugeschickt und sichtete die Einsendungen in einem kleinen Team.
Das Ergebnis: Sieben Positionen, neun Künstlerinnen und Künstler mit verschiedenen Lebensrealitäten kommen für eine gemeinsame Ausarbeitung des Konzepts in den Räumen des Neuen Kunstvereins zusammen. Und liefern ganz unterschiedliche Antworten, künstlerische Ausarbeitungen eines Themas, das von einer Generation einerseits so gleich, andererseits so individuell erfahrbar sein kann. „Es sind keine einfachen Zeiten zum Aufwachsen. Da gibt es viele Themen. Und unterschiedliche Arten, damit umzugehen“, sagt die Kunststudentin, die zwar in Wuppertal aufgewachsen, mittlerweile aber in Berlin lebt. „Der Titel hat etwas Freches, aber auch Widersprüchliches in sich.“ Es sind Widersprüche, über die sich die Künstler gemeinsam austauschen, über die Sorgen der jungen Generation, über die Frage, wie viel Kind denn eigentlich noch in einem steckt.
„Man merkt, dass jeder einen anderen Bezug zu diesem Thema hat, etwas anderes damit verbindet. Ob Trauer oder Humor – all diese Gegensätze treffen am Ende in einem Raum aufeinander und bilden einen Dialog“, sagt Paula Raak, die selbst auch ein künstlerisches Werk beisteuert. Jede Künstlerin und jeder Künstler stellt nur ein Werk zu dem Thema aus. Neben Diversität war dem Team bei der Auswahl der Kunstwerke wichtig, wie diese in Kommunikation treten können, wie – und ob – sie sich begegnen können. Inhaltlich, betont Paula Raak, sollen sich die Besucher der Ausstellung ihr eigenes Bild machen. Von den Werken selbst und davon, was die sogenannten „Kids“ zu dem Thema zu sagen haben. Und auf welche Weise, denn für den künstlerischen Ausdruck nutzen die Teilnehmer der Gruppenausstellung ganz unterschiedliche Medien: Fotos, Malerei, Holzschnitzerei, Holzkeramik, Performances. Begriffe, die während der gemeinsamen Gespräche rund um das Thema besonders häufig fielen: „Ohmacht“, „Überforderung“, „Suche nach Begegnung“. Um am Ende ganz für sich und individuell zu entscheiden, was künstlerisch daraus wird.
„Die Menschen sollen kommen, um sich einfach ihr eigenes Bild zu machen“, sagt Paula Raak. Um die Antworten und Gedankengänge der jungen Generation zu sehen, um zu verstehen, was sie umtreibt. Oder um mit Gleichaltrigen ins Gespräch zu kommen, Diskussionen zu führen und den Kunstverein einmal mehr zu einem diversen Begegnungsort werden zu lassen.