Reggio Calabria – Die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft schrieb am Mittwochabend Geschichte. Beim FIPAV Cup Men Elite gegen Weltmeister Italien gewann das Team von Bundestrainer Massimo Botti den ersten Satz mit 66:64 – nach unglaublichen 89 Minuten. Noch nie dauerte ein Satz in einem offiziellen Länderspiel so lange.

Mehr als 4400 Zuschauer im PalaCalafiore wurden Zeugen des Rekord-Durchgangs. Deutschland traf bei dem Vorbereitungsturnier für die anstehende Europameisterschaft (9. bis 26. September) direkt zum Auftakt auf Gastgeber und Weltmeister Italien. Dabei sah es zunächst gar nicht nach einem deutschen Erfolg aus. Die DVV-Männer lagen bereits mit 7:12 zurück, kämpften sich aber zurück und glichen zum 18:18 aus.

Deutschland vergibt die ersten Satzbälle

Beim Stand von 24:22 hatte die Mannschaft schließlich die ersten beiden Satzbälle – doch Italien wehrte beide ab. Was danach folgte, war völlig verrückt! Beide Teams bekamen immer wieder die Chance, den Satz zu beenden – und scheiterten. Insgesamt wurden 43 Satzbälle abgewehrt. Allein Italien hatte zwischenzeitlich elf Chancen in Folge.

Doch Deutschland blieb dran. Beim 48:47 bekamen die DVV-Männer ihren zehnten Satzball, beim 56:55 folgte Nummer elf. Erst beim 66:64 war tatsächlich Schluss.

Brand beendet den Marathon-Satz

Tobias Brand (Rückennummer 66!) verwandelte den 15. deutschen Satzball und beendete nach 89 Minuten den historischen Durchgang. Zuvor hatte die deutsche Mannschaft insgesamt 28 italienische Satzbälle abgewehrt. Der Spieler konnte es anschließend selbst kaum glauben: „Das ist das längste Spiel, das ich je gespielt habe. Ich glaube, wir haben alle noch nie so einen ersten Satz erlebt, den wir sogar gewonnen haben. Das war unfassbar.“

Mit dem 66:64 pulverisierten Deutschland und Italien den bisherigen Rekord für einen Satz in einem offiziellen Länderspiel. Der war erst im Juni in der Volleyball Nations League aufgestellt worden, als Argentinien einen Durchgang gegen Polen mit 50:48 nach 62 Minuten gewann.

Italien gewinnt am Ende doch

Kurios: Nach dem Rekord-Satz war die Partie noch lange nicht vorbei. Italien holte den zweiten Durchgang mit 25:22, Deutschland antwortete mit einem 25:23. Nachdem der Weltmeister Satz vier mit 25:22 gewann, musste der Tiebreak entscheiden. Dort setzte sich Italien mit 15:12 durch und gewann nach mehr als dreieinhalb Stunden mit 3:2.

Bundestrainer Massimo Botti: „Vier Stunden sind sehr, sehr viel. Ich habe noch nie einen Satz wie diesen erlebt. Es war verrückt – eigentlich haben wir heute ein ganzes Spiel in einem Satz gespielt.“

Im Kader der deutschen Nationalmannschaft stehen gleich mehrere aktuelle und ehemalige BR Volleys, darunter Kapitän und Außenangreifer Ruben Schott (der in der Nationalmannschaft als Libero auftritt) und Mittelblocker Andreas Krage-Brewitz (der MVP der letzten Saison). Darüber hinaus ist der Kader gespickt mit ehemaligen Berliner: Johannes Tille, Jan Zimmermann, Moritz Reichert, Anton Brehme und Tobias Krick.

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