Zum Start der Bundesliga-Saison spricht Sky-Experte Dietmar Hamann im Interview mit unserer Redaktion über den Meisterschaftskampf, die Champions-League-Ambitionen des FC Bayern und über die möglichen Absteiger.
Wird der FC Bayern München erneut Deutscher Meister? Sind Borussia Dortmund oder Bayer Leverkusen echte Konkurrenten? Und welche Vereine geraten in Abstiegsnot? All diese Fragen beschäftigen Fußball-Deutschland zum Start der Bundesliga-Saison.
Der FC Bayern München empfängt zum Auftakt am Freitagabend den VfB Stuttgart (20:30 Uhr, live auf Sky und in SAT.1). Am Wochenende folgen die weiteren Top-Spiele, unter anderem Borussia Dortmund gegen den Hamburger SV (18:30 Uhr, Sky). Der frühere Profi Dietmer Hamann wird die Saison erneut als Experte von Sky begleiten. Im Interview mit unserer Redaktion blickt er der Saison entgegen.
Herr Hamann, der FC Bayern hat im Supercup gegen Borussia Dortmund gewonnen. Gibt es trotzdem eine Chance auf eine spannende Meisterschaft oder erwarten Sie eine klare Sache?
Dietmar Hamann: Eine Chance gibt es immer. Wenn die Bayern allerdings 80 Punkte holen, wird es für alle anderen natürlich schwer bis unmöglich, da heranzukommen. Aber die Bayern müssen erst einmal liefern. Harry Kane und Michael Olise hatten nach der WM eine kurze Pause und haben im Supercup trotzdem ein sehr gutes Spiel gemacht. Dortmund hat es ebenfalls ordentlich gemacht. Ich glaube, der BVB hat sich genau dort verstärkt, wo es in der vergangenen Saison gehakt hat: in der Kreativabteilung. Da haben sie zwei, drei Spieler dazugeholt. Ich glaube deshalb, dass Dortmund besser ist als im vergangenen Jahr. Die Bayern gehen natürlich als klarer Favorit ins Rennen, aber ich kann mir vorstellen, dass die Dortmunder sie über weite Strecken ärgern können. Sie haben in der vergangenen Saison schließlich auch eine gute Runde gespielt und waren am Ende vor allem deshalb so weit hinter Bayern, weil die Münchner so stark waren.
Mit Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias hat Dortmund zwei junge Offensivspieler verpflichtet, dazu kam mit Joey Veerman ein erfahrenerer Mittelfeldspieler. Sind das Spieler, die dem BVB wirklich weiterhelfen?
Hamann: Bei Karetsas und Konstantelias muss man schauen, wie schnell sie sich anpassen. Karetsas hat bereits gezeigt, was für eine hervorragende Ballannahme er hat und wie gut er mit dem Ball umgehen kann. Konstantelias hat nach seiner Einwechslung ebenfalls einen sehr guten Eindruck gemacht und das Tor eingeleitet. Man darf nicht vergessen, dass die Bundesliga eine sehr physische Liga ist, wahrscheinlich direkt hinter der Premier League. Deshalb muss man abwarten, wie schnell sie sich daran gewöhnen. Aber es sind hervorragende Fußballer. Solche Spieler finden normalerweise die nötige Zeit am Ball. Deshalb bin ich guter Dinge, dass sie das Dortmunder Offensivspiel relativ schnell beleben werden.
„Von den übrigen Mannschaften gefällt mir Stuttgart am besten.“
Dietmar Hamann
Ist Dortmund für Sie der einzige mögliche Konkurrent der Bayern oder sehen Sie noch eine andere Mannschaft, die ihnen gefährlich werden könnte?
Von den übrigen Mannschaften gefällt mir Stuttgart am besten. Aber die Bayern über 34 Spieltage zu schlagen, ist natürlich nicht einfach. Leverkusen hat es vor zwei Jahren geschafft, aber damals hat vom ersten bis zum letzten Spieltag alles gepasst. Sie hatten auch das nötige Quäntchen Glück mit den vielen späten Toren. Ob Stuttgart dazu in der Lage ist, weiß ich nicht. Ich glaube eher nicht. Deshalb würde ich schon sagen, dass Dortmund wahrscheinlich der einzige ernsthafte Konkurrent der Bayern ist.
Am Freitag eröffnet Bayern die Bundesliga-Saison gegen Stuttgart. Kann der VfB den Münchnern direkt Probleme bereiten?
Absolut. Stuttgart hat eine richtig gute Mannschaft, und ich traue ihnen in dieser Saison einiges zu. Die Mannschaft ist mit dem Trainer gewachsen, hat 2025 den DFB-Pokal gewonnen und stand in der vergangenen Saison wieder im Finale. Auch dort haben sie ein gutes Spiel gemacht und es vor allem in der ersten Hälfte verpasst, ein Tor zu erzielen. Ich glaube deshalb, dass sich die Bayern am Freitag strecken müssen.
Wie gefallen Ihnen die Bayern-Neuzugänge Nathaniel Brown und Ismael Saibari?
Bei Brown haben wir gesehen, dass er vielseitig einsetzbar, schnell, spielintelligent und technisch hervorragend ist. Solche Spieler können fast überall spielen, auch wenn sein Einsatz im Supercup natürlich ein Stück weit aus der Not geboren war. Saibari wiederum hat bei der Weltmeisterschaft gezeigt, was für ein guter Spieler er ist. Das sind mit Sicherheit zwei Spieler, die den Kader und die Mannschaft sofort verstärken.
Hamann lobt Gnabry
Wie schätzen Sie den Konkurrenzkampf in der Bayern-Offensive ein? Mit Saibari, Lennart Karl, Tom Bischof, Serge Gnabry und – sobald er wieder zur Verfügung steht – Jamal Musiala gibt es einige Kandidaten für die Position im zentralen offensiven Mittelfeld.
Das ist richtig. Gnabry ist momentan noch nicht dabei, aber wenn er fit ist, wäre er für mich auf dieser Position die Nummer eins. Er hat das in der vergangenen Saison hervorragend gemacht. Seine Verletzung war ein Riesenverlust, nicht nur für die Bayern in der entscheidenden Phase der Champions League, sondern auch für die Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft. Die anderen müssen schauen, dass sie ihre Chancen nutzen und Werbung für sich machen, wenn sie spielen. Aber im Moment schätze ich Gnabry dort am stärksten ein.
Wie viel Sorge bereitet Ihnen die gesundheitliche Situation von Jamal Musiala?
Da muss man jetzt einfach abwarten. Das Wichtigste ist, dass er gesund wird. Über das Sportliche würde ich momentan gar nicht sprechen wollen. Entscheidend ist seine Gesundheit, alles Weitere wird dann kommen.

Aktualisiert
am 25.08.2026, 11:17 Uhr
Jamal Musiala erlebt innerhalb kurzer Zeit Zusammenbrüche auf dem Rasen. Das hat mit dessen Erkrankung zu tun. Wie sieht es mit einem Einsatz beim Bundesliga-Start aus?
Wenn die wichtigsten Spieler fit bleiben: Trauen Sie Bayern in dieser Saison auch den Gewinn der Champions League zu? In der vergangenen Saison war erst im Halbfinale gegen Paris Saint-Germain Schluss.
Hamann: Ja, die Bayern gehören mit Sicherheit zu den Anwärtern. Sie waren in der vergangenen Saison sehr nah dran und hatten gegen Paris im Halbfinale vielleicht auch nicht das nötige Quäntchen Glück. PSG wird als Titelverteidiger wieder die Mannschaft sein, die es zu schlagen gilt. Bei den Engländern glaube ich, dass bis auf Arsenal einige Probleme bekommen könnten. Aston Villa sehe ich nicht als Sieger, bei Liverpool glaube ich nicht, dass sich allzu viel ändern wird, und Manchester City könnte ein schweres Jahr bekommen. Normalerweise hast du aus England vier oder fünf Mannschaften und davon zwei oder drei echte Titelanwärter. In dieser Saison würde ich das fast auf einen reduzieren. Natürlich ist es nie leicht, die Champions League zu gewinnen, und man kann das nicht planen. Aber ich glaube schon, dass es Jahre gab, in denen es schwieriger war.
Und wie schätzen Sie die spanischen Topklubs ein? Real Madrid startet mit Trainer José Mourinho in eine neue Phase, während sich Barcelona mit Mittelfeldspieler Rodri verstärkt hat.
Real Madrid habe ich auf jeden Fall auf dem Schirm. Und mit Barcelona muss man nach der Verpflichtung von Rodri natürlich ebenfalls rechnen. Ich glaube, dass beide spanischen Mannschaften ganz ernsthafte Anwärter sind. Das war in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall.
Hamann: HSV und Schalke spielen gegen den Abstieg
Blicken wir in die untere Tabellenregion der Bundesliga. Wie sehen Sie den HSV? Mit Luka Vušković hat Hamburg einen wichtigen Spieler verloren, Fábio Vieira konnte nach der Ausleihe bislang nicht fest verpflichtet werden. Gleichzeitig wurde der Kader mit einigen Neuzugängen verstärkt. Droht dem HSV Abstiegskampf?
Der HSV hat es in der vergangenen Saison wunderbar gemacht. Nach dem Spiel gegen St. Pauli haben viele gedacht, dass es schwer werden könnte, aber danach haben sie das wirklich gut und souverän gelöst. Jetzt sind wieder einige neue Spieler dazugekommen, darunter mehrere aus Frankreich. Da muss man schauen, wie schnell sie sich einfinden und anpassen. Vušković ist natürlich ein großer Verlust, und bei Vieira wäre es für den HSV eine große Hilfe, wenn sich doch noch einmal eine Möglichkeit ergeben sollte. Aber mit Paderborn und Elversberg gibt es in dieser Saison auch zwei klare Außenseiter. Der HSV wird sicherlich gegen den Abstieg spielen, aber ich glaube, dass er am Ende mit einigen Punkten Abstand zu Rang 16 irgendwo auf Platz zwölf, 13 oder 14 landen wird.

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am 02.07.2026, 05:15 Uhr
Die neue Vorständin Sport des Hamburger SV, Kathleen Krüger, spricht bei ihrem Amtsantritt über ihre Ziele mit dem Traditionsverein. Die 41-Jährige erinnert sich an die fantastische Stimmung in der Hansestadt und kann daher den ersten Spieltag der neuen Saison kaum erwarten.
Schalke ist nach drei Jahren in der 2. Bundesliga wieder aufgestiegen. Beim letzten Bundesliga-Gastspiel 2022/23 ging es nach nur einer Saison wieder runter. Kann sich Schalke diesmal etablieren?
Es wird schwer für Schalke. Wir haben erstmals seit langer Zeit wieder drei Aufsteiger. Ich habe mich selbst dabei ertappt, als ich meine Abschlusstabelle getippt habe, dass ich gedacht habe: Die beiden Aufsteiger werden es schwer haben. Dabei sind es drei, weil man Schalke gefühlt gar nicht als Aufsteiger wahrnimmt. Genau darin liegt eine gewisse Gefahr. Schalke war drei Jahre in der 2. Bundesliga, aber viele Leute vergessen das schon wieder. Dann heißt es: Der Trainer macht das super, Edin Džeko ist geblieben, die werden das schon machen. Ich glaube aber, dass Schalke bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg spielen wird. Am Ende werden sie sich meiner Meinung nach retten. Aber das wird eine unheimlich schwere Saison.
„Ob Füllkrug jetzt aber derjenige ist, der Werder auf Platz zehn, zwölf oder 13 schießt, wage ich zu bezweifeln.“
Dietmar Hamann über Werders Neuzugang
Welche Mannschaften sehen Sie neben den drei Aufsteigern noch besonders in Gefahr?
Werder Bremen. Die Rückkehr von Niclas Füllkrug ist natürlich eine interessante Geschichte, aber seine vergangenen Stationen bei Dortmund, West Ham und Milan waren nicht wirklich von durchgehendem Erfolg geprägt. Für das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl der Mannschaft hilft es sicherlich, einen Spieler zu haben, der in Bremen schon einmal sehr erfolgreich war. Ob Füllkrug jetzt aber derjenige ist, der Werder auf Platz zehn, zwölf oder 13 schießt, wage ich zu bezweifeln. Er ist schließlich auch wieder zweieinhalb Jahre älter. Mit Karim Coulibaly hat zudem ein sehr vielversprechender Spieler den Verein verlassen. Werder hatte schon in den vergangenen Jahren Probleme. Deshalb glaube ich, dass es für Bremen eine lange Saison wird.
Was glauben Sie, wer die letzten drei Plätze belegt?
Ich tippe Werder auf Platz 16. Die beiden kleineren Aufsteiger Paderborn und Elversberg sehe ich auf den direkten Abstiegsplätzen. Aber wie gesagt: Das wird für Werder eine schwere Saison.
Kann es im Abstiegskampf auch noch eine Mannschaft erwischen, die momentan kaum jemand auf dem Zettel hat?
Empfehlungen der Redaktion
Absolut. Am Ende werden da wahrscheinlich nur vier oder fünf Punkte zwischen mehreren Mannschaften liegen. Ein einziges Spiel gegen einen direkten Konkurrenten kann den Unterschied machen. Ich bin zum Beispiel auch gespannt auf Mainz. Da gibt es einige Mannschaften, die aufpassen müssen. Gerade für Paderborn und Elversberg wird es wichtig sein, möglichst viele andere Teams mit in diesen Kampf hineinzuziehen. Vielleicht reichen in dieser Saison schon 30 Punkte, um 16. zu werden. Deshalb musst du so früh wie möglich anfangen, deine Punkte zu sammeln.
Über den Gesprächspartner
- Dietmar „Didi“ Hamann (Jahrgang 1973) spielte von 1993 bis 1998 für den FC Bayern München, wechselte daraufhin nach England und war für Newcastle United, den FC Liverpool, Manchester City und Milton Keynes Dons aktiv. Er gewann unter anderem die Champions League und den UEFA-Pokal. Im Jahre 2011 beendete er seine Laufbahn. Heute ist er als Experte bei Sky tätig.