THW Kiel unter DruckGeballte Starpower stemmt sich gegen nächste Katastrophe
Artikel anhören (03:25 min)
27.08.2026 | 10:20 Uhr
Der THW Kiel muss bei den internationalen Wettbewerben zuschauen – qualifiziert sich erstmals seit 33 Jahren nicht. Dennoch wechseln mehrere Stars in den Norden und haben gleich zum Auftakt der neuen Handball-Bundesliga-Saison mächtig Druck.
Spaziergänge am Strand, ein spontaner Sprung in die Wellen und immer eine frische Brise um die Nase: Julian Köster gefällt sein neues Leben an der Küste. „Ich wollte unbedingt einmal am Meer leben“, erzählte der Hoffnungsträger des THW Kiel dem Magazin „Handball inside“: „Ich genieße das und war gleich in meiner ersten Woche in Kiel in der Ostsee.“
So angenehm das Ankommen an der Förde für Köster auch war, seine spannende Mission mit dem deutschen Rekordmeister steht längst im Vordergrund. „Der THW Kiel ist einer der größten Vereine der Welt und der größte Klub in Deutschland“, so der Nationalspieler, der beim THW auf Anhieb zum Kapitän ernannt wurde: „Der Verein möchte nicht noch einmal eine Saison wie die letzte erleben.“
Klar, dass Handball-Deutschland in den kommenden Tagen und Wochen gespannt nach Kiel blickt. Gelingt dem THW nach seiner Katastrophen-Spielzeit, an deren Ende der stolze Klub erstmals seit 33 Jahren den internationalen Wettbewerb verpasste, die Rückkehr an die Spitze? Eine erste Duftmarke wollen Köster und Co. am heutigen Donnerstag (19 Uhr/Dyn) setzen, wenn sie mit einem Heimspiel gegen den TBV Lemgo die 61. Bundesliga-Saison eröffnen. Die Lemgoer waren in der vergangenen Saison punktgleich, aber mit dem besseren Torverhältnis, vor Kiel in der Tabelle auf Platz fünf gelandet. Weil sie das letzte Spiel der Saison in Kiel gewannen.
Champions-League-MVP ebenfalls neu dabei
Kiel setzt bei seinem Angriff auf die Spitze auf reichlich frische Starpower. Neben Köster, der vom VfL Gummersbach kam, verstärkten sich die Zebras mit Weltklasse-Spielmacher Domen Makuc. Der Slowene kommt vom Champions-League-Sieger FC Barcelona und war im Juni zum MVP des jüngsten Königsklassen-Final-Four gewählt worden. Wie ein Neuzugang wirkt auch Linkshänder Emil Madsen, der nach einer schweren Knieverletzung und 330 Tagen Leidenszeit zurückkehrt. Nicht zuletzt sorgt Börge Lund für frischen Wind, der den in der Sommerpause geschassten Filip Jicha auf der Trainerbank beerbt.
„Wir wollen nächste Saison wieder international spielen“, gibt Lund eine eher vorsichtige Marschroute aus – und wird dafür von so manchem Konkurrenten belächelt. Vor allem im Rückraum verfügt der THW dank seiner Neuzugänge über eine Breite, die in der Liga ihresgleichen sucht. Auch im Tor sind die Kieler mit Nationalkeeper Andreas Wolff und Gonzalo Perez de Vargas bestens besetzt, sodass die Kieler nach Platz sechs im Vorjahr schon als aussichtsreichster Jäger des SC Magdeburg gehandelt werden. Dass die Zebras nicht im Europapokal spielen, dürfte zusätzliche Kräfte freisetzen.
„Wir wollen neue Geschichten schreiben, wollen den Aufbruch für neue Großtaten in Angriff nehmen“, sagte Aufsichtsrats-Chef Kai Kruse. Der Start in die neue Ära erfolgt jetzt. Ausgerechnet gegen Lemgo. Jenes Team also, dass mit seinem Sieg am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison in Kiel für einen großen Knall gesorgt hatte.
Verwendete Quellen: ntv.de, ara/sid